Petite Camargue Alsacienne
Die Rheininsel erhält ab Ende September neue Bewohner: Hochlandrinder

Die Basler Stiftung Frey-Clavel ermöglicht ein Projekt mit eurasischen Wildpferden.

Peter Schenk
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Voraussichtlich Ende September erhalten Hochlandrinder und Wildpferde 30 Hektaren auf einer Rheininsel.

Voraussichtlich Ende September erhalten Hochlandrinder und Wildpferde 30 Hektaren auf einer Rheininsel.

bz

Die Renaturierung der Rheininsel zwischen Märkt und dem Wasserkraftwerk Kembs, wenige Kilometer nördlich von Basel, ist ein Erfolg. Philippe Knibiely, Direktor des südelsässischen Naturschutzgebiets Petite Camargue Alsacienne (PCA), zeigt sich begeistert. «Es ist verrückt, wie schnell sich die Natur das Gelände zurückerobert. Die Weiden sind schon Meter hoch.»
Voraussichtlich Ende September bekommt die Rheininsel neben den Wildtieren, die dort regelmässig in Fotofallen tappen, neue Bewohner. Hochlandrinder und fünf Tarpan, das sind eurasische Wildpferde, werden einen mit 30 Hektaren grosszügig bemessenen Lebensraum erhalten. Die Rinder gibt es schon länger im Naturschutzgebiet. «Wir haben sehr gute Erfahrungen mit ihnen gemacht», erläutert der Direktor. Die Ansiedlung der Wildpferde wird durch die Basler Frey-Clavel-Stiftung ermöglicht.

Seit Herbst 2014 fliesst wieder ein sich verzweigender Flussarm durch die Rheininsel. Ziel ist es, dass sie eines Tages aussieht wie vor der Rheinbegradigung. Deshalb wurde ein 100 Hektaren grosses Maisfeld wieder der Natur übergeben.

Bezahlt hat ein Energiekonzern

Betreut und finanziert wurden die Arbeiten durch den französischen Energiekonzern Electricité de France. Dieser hatte sich im Rahmen der Neuverhandlungen um die Konzession des Wasserkraftwerks Kembs zu umfangreichen ökologischen Ausgleichsmassnahmen verpflichtet.

Im Januar hat die PCA die Betreuung des 450 Hektaren grossen Naturschutzgebiets auf der Rheininsel übernommen. «Die PCA ist jetzt 904 Hektaren gross. Der Staat hat uns zwar die Verantwortung dafür übertragen, mehr finanzielle Unterstützung erhalten wir wegen der Vergrösserung aber nicht.» So ist Knibiely notgedrungen zum Spezialisten im Auftun von neuen Finanzquellen und Unterstützern geworden.

Die Insel ist 51 Kilometer lang. Geschützt sind die zwölf Kilometer zwischen Village-Neuf und Kembs. Als natürliche Rasenmäher sollen Schafe zum Einsatz kommen. Neben einem Rundweg mit Erklärtafeln und vier Beobachtungsposten soll das Naturschutzgebiet auf der Insel den Besuchern auch beim Eingang von der deutschen Seite, beim Wehr von Märkt, durch weitere Tafeln näher gebracht werden. Ziel ist es keineswegs, auf der Insel einen Urwald entstehen zu lassen, wie Knibiely betont. «Wir möchten dort Feuchtgebiete und Trockenweiden.» Zudem ist die PCA neu als eines von fünf französischen Naturschutzgebieten ausgewählt worden, im Rahmen des EU-Programms «Life» als Pilot-Projekt die Auswirkungen des Klimawandels zu untersuchen. Die vier anderen befinden sich in den Alpen, in Südfrankreich, im Zentralmassiv und am Meer. Die Petite Camargue steht für Feuchtgebiete in der Nähe eines Flusses.

«Das Naturschutzgebiet ist jetzt viel grösser, mehr finanzielle Unterstützung erhalten wir aber nicht vom französischen Staat.»

Philippe Knibiely, Direktor der Petite Camargue Alsacienne

Obwohl er über Mangel an Arbeit nicht klagen kann, sah es der Direktor angesichts des Klimawandels fast als Verpflichtung an, an dem Programm teilzunehmen. Fünf Jahre lang wird nun vor den Toren Basels untersucht, wie sich das Feuchtgebiet an die klimatischen Veränderungen anpassen kann.

Die Auswirkungen sind schon heute deutlich zu spüren. Knibiely zitiert das Beispiel einer Enzian-Art. «Normalerweise blüht sie von Ende August bis Ende September. Diesmal ist sie drei Wochen früher dran.»

Gut für das Renommee

Ab April kommt eine Projektverantwortliche für fünf Jahre ins Naturschutzgebiet. 80 Prozent der Kosten werden übernommen, der Rest bleibt für die PCA. «Für uns ist das auch eine Belastung, aber gleichzeitig können wir für die eigene Arbeit profitieren.» Später sollen die Ergebnisse in 15 weiteren Naturschutzgebieten angewendet werden. Natürlich wird auch das Renommee der PCA durch die Teilnahme gesteigert.

Das kann Knibiely gut gebrauchen. Der Trägerverein des Naturschutzgebiets hat sich vorgenommen, die Mitgliederzahl von 800 auf 1000 zu steigern. Höchst willkommen sind da auch Schweizer, die sowieso schon die grosse Mehrheit der deutschsprachigen Besucher stellen. Allerdings weist Knibiely darauf hin, dass es aus Kostengründen nicht möglich ist, die vollständige Website auf Deutsch zu übersetzen.

Die nächste Gelegenheit, sich breit über die PCA zu informieren, ist am 16. September. Dann findet von 10 bis 18 Uhr der Journée du Patrimoine statt, bei dem man auch hinter die Kulissen der PCA schauen kann.

Lachsaufzucht: Eine Erfolgsquote von 90 Prozent

Seit 17 Jahren werden in der Fischaufzucht der Petite Camargue Alsacienne (PCA) Lachs-Brütlinge und -Setzlinge aufgezogen. PCA-Direktor Philippe Knibiely freut sich: «Mit 90 Prozent haben wir eine gute Erfolgsquote. Sie überleben sehr gut.» 2017 züchtete die PCA 400 000 junge Lachse, von denen 40 000 an die Kantone Basel-Stadt, Baselland und Aargau abgegeben wurden. 2018 werden es 50 000 sein. Der überwiegende Teil bleibt in Frankreich und wird zu drei Vierteln vor allem im Alt-Rhein ausgesetzt. Das Ziel ist, dass die Lachse nach ein bis zwei Jahren ins Meer wandern und von dort auf natürlichem Weg nach ein bis drei Jahren zum Laichen zurückkommen. «Bisher werden pro Jahr 200 bis 300 Lachse auf dem Rückweg gesichtet. Wir haben noch zehn Jahre Arbeit vor uns», glaubt Knibiely. Um die befruchteten Eier zu bekommen, hält die Fischaufzucht der PCA laichreife Elterntiere, die gestreift werden und deren Geschlechtsprodukte danach gemischt werden. Aufgrund der Hitze gab es allerdings Probleme. «Sie sind weniger fruchtbar und statt 400 bis 500 Elterntieren haben wir jetzt nur noch 120.» Die Haltung ist aufwendig und funktioniert nicht mehr überall. Deshalb überlegt die PCA, ein Kühlgebäude bauen zu lassen. Das Problem: die Kosten von 700 000 Euro. (psc)

Die Petite Camargue Alsacienne züchtet pro Jahr 400 000 junge Lachse.

Die Petite Camargue Alsacienne züchtet pro Jahr 400 000 junge Lachse.

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