Dreiländermuseum
Ausstellung «Nachbarn im Krieg»: Kein Zweifel an der Neutralität der Schweiz

Das Lörracher Dreiländermuseum zeigt in der neuen Ausstellung «Nachbarn im Krieg» die Auswirkungen des Krieges auf die Oberrheinregion.

Peter Schenk
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Gemälde von der Schlacht bei Villersexel, südwestlich von Belfort, bei der am 9. Januar 1871 die Ostarmee von Bourbaki auf die Deutschen getroffen ist.

Gemälde von der Schlacht bei Villersexel, südwestlich von Belfort, bei der am 9. Januar 1871 die Ostarmee von Bourbaki auf die Deutschen getroffen ist.

zVg

Die politischen Auswirkungen des deutsch-französischen Kriegs von 1870 bis 1871 waren erheblich. Der Sieg der Deutschen führte nicht nur dazu, dass Frankreich Elsass-Lothringen abtreten musste, sondern auch im Januar 1871 zur Proklamation des Deutschen Reichs im Spiegelsaal von Versailles – der Ort war eine zusätzliche Provokation für die Franzosen. Das Lörracher Dreiländermuseum zeigt in der neuen Ausstellung «Nachbarn im Krieg» die Auswirkungen des Krieges auf die Oberrheinregion.

So war die Beziehung zwischen Baden und der angrenzenden Schweiz in dieser Zeit angespannt. In den Lörracher Zeitungen erschienen Leserbriefe, die der Schweiz Parteilichkeit für Frankreich vorwarfen und mehrfach wird der französische Konsul in Basel als Drahtzieher von Spionageaktionen verdächtigt. Die Frage, wie neutral und humanistisch die Schweiz sich wirklich verhielt, sorgte im Badischen für grosse Verstimmung. Hintergrund war auch, dass die Schweiz in einer grossen humanitären Aktion 87'000 Soldaten der geschlagenen französischen Bourbaki-Armee aufgenommen hatte.

Die Schweizer Zeitungen schürten damals die Angst vor einer Besetzung der Schweiz durch die Preussen. 37'000 Soldaten wurden Ende Juli 1870 an die Grenzen zu Baden und zu Frankreich beordert. Der Ausbruch des Krieges am 19. Juli 1870 führte in der Region zu Panik: Im Elsass hatte man Angst vor den Preussen und in Baden vor den Franzosen. Ein Karlsruher riet in seinen Briefen an die Verwandten in Lörrach, dass sie ihr Geld in Basel in Sicherheit bringen sollten. Später flüchteten nach der Niederlage der französischen Rheinarmee viele Elsässer nach Basel.

Kronprinzenstandarte und Beamtenuniformen

Zu sehen sind eine Fülle von Ausstellungsstücken, die normalerweise im Archiv schlummern, aber auch Neuerwerbungen. Gemälde, Skulpturen, Bücher, Briefe und Fahnen zeugen vom Ausmass der Sammlung des Museums, die in der Region einzigartig ist. Kriegerische Handlungen hat es in der Region Basel nicht gegeben. Nachdem die Basler Presse irrtümlicherweise das Eintreffen eines französischen Korps in Huningue angekündigt hatte, hatten die Badener den Tüllinger Hügel mit 500 Mann besetzt und mit zahlreichen Feuern vorgegaukelt, dass sie viel mehr gewesen seien. Die badischen Truppen waren in Woerth im Nordelsass und bei der Belagerung von Belfort im Einsatz.

Der Hauptteil der Ausstellung befindet sich im Hebelsaal. Ausserdem wurden Ausstellungsstücke zum Thema in die Dauerausstellung integriert – das zeigen Hinweise auf dem Boden. Eindrücklich ist im zweiten Stock die Kronprinzenstandarte, die beim Besuch des Kronprinzen aus Berlin auf dem Strassburger Kaiserpalast gehisst wurde, daneben befindet sich die Uniform eines hohen preussischen Beamten. Die Ausstellung wurde vom Historiker Peter Kunze kuratiert: Wer sich für die Geschichte der Region interessiert, sollte sie nicht verpassen.

Dreiländermuseum Lörrach, Ausstellung Nachbar im Krieg, bis 9. Januar 2022, Dienstag bis Sonntag, 11 bis 18 Uhr.