Drogenprozess
Strafbare «Kristall»-Bestellungen: Vier Personen wegen Kleinbasler Crystal Meth-Handel vor Strafgericht

Monatelange Observationen, vier Angeklagte und eine Flucht: Seit Montag befasst sich das Basler Strafgericht mal wieder mit der Designerdroge Crystal Meth, genauer gesagt mit den Vertriebsstrukturen im Kleinbasler Rotlichtmilieu.

Patrick Rudin
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Drogenkurier von Basel nach Zürich: Ein 35-jähriger Mann aus dem Kleinbasel transportierte die Droge Crystal Meth in einem Ford Mustang.

Drogenkurier von Basel nach Zürich: Ein 35-jähriger Mann aus dem Kleinbasel transportierte die Droge Crystal Meth in einem Ford Mustang.

Michael Probst

Hauptsächlich geht es beim Prozess um den illegalen Handel in den Jahren 2018 und 2019. Trotz fehlender Kenntnisse über die Hintermänner schlugen die Behörden danach zu und verhafteten mehrere Drogenverkäufer. Ein heute 41-jährige Mann wurde im August 2020 nach zwei Monaten in Untersuchungshaft freigelassen. Wie andere Beschuldigte musste er als Ersatzmassnahme seinen türkischen Reisepass hinterlegen und sich seither wöchentlich auf einem Polizeiposten melden. Eigentlich hätte er auch regelmässig die Termine bei der Bewährungshilfe und der Suchtberatung wahrnehmen müssen.

Doch am Montagmorgen im Basler Strafgericht blieb sein Stuhl leer: Er wollte zur Verhandlung erscheinen, betonte seine Verteidigerin. Doch er sei derzeit in der Türkei bei seiner Mutter, und diese habe ihm den Pass abgenommen, damit er nicht in die Schweiz reisen könne. Das Dreiergericht entschied nach kurzer Beratung, das Verfahren abzutrennen und mit den restlichen drei Angeklagten den Prozess fortzusetzen. Es sei unsicher, ob der Mann überhaupt wieder in die Schweiz einreisen werde. Allerdings hat der Mann drei Kinder, die allesamt in Basel leben.

Fahrzeug liess sich relativ bequem observieren

An die Auflagen gehalten hat sich derweil ein 35-jähriger Kleinbasler. Er musste bei der Haftentlassung eine Kaution von 20000 Franken hinterlegen. Er sagte dazu am Montag im Gericht, dass er sich dafür verschuldet habe. Vor seiner Festnahme lieferte er die Drogen auch nach Zürich und ging dabei nicht sonderlich unauffällig vor: Seine Transporte in und aus dem Kleinbasel erledigte er üblicherweise mit einem Ford Mustang.

In Basel stellte er das Auto auch gerne auf Behindertenparkplätzen ab, dazu legte er sogar eine von einer Bekannten ausgeliehenen Sonderbewilligung unter die Windschutzscheibe. Die Mitarbeiter des Betäubungsmitteldezernates waren vermutlich dankbar: Das auffällige Fahrzeug liess sich relativ bequem observieren.

Wie in diesem Milieu üblich, sicherte man in Hausdurchsuchungen auch Geldspielautomaten, die Verfahren dazu sind bei der Eidgenössischen Spielbankenkommission hängig. Unklar ist, ob die Geräte lediglich dem Zeitvertreib dienten oder ob damit auch Geld verdient worden ist. Ebenfalls sichergestellt wurden Mobiltelefone, die Sim-Karten waren oft auf Fantasiepersonen registriert.

«Schwester, hat es noch Eis»

Auch im Kleinbasler Rotlichtviertel wurde observiert. Mitangeklagt ist etwa eine 45-jährige Thailänderin, die seit knapp 15 Jahren in der Schweiz lebt und hier einen elfjährigen Sohn hat. Wegen einer möglichen Landesverweisung befragte Gerichtspräsidentin Kathrin Giovannone die Frau ausgiebig zur familiären Situation.

Ein reger SMS-Verkehr belegt laut der Staatsanwaltschaft, dass die Frau ausgiebig im Verkauf von Crystal Meth in Basel tätig war: Anfragen wie «Schwester, hat es noch Eis?» sollen ihre Kaufabsichten belegen, Antworten an Kunden im Stil von «Ich habe nur 1, wenn du willst 80.» werden als Preisangebote gewertet.

Wo es lediglich um Cannabis und wo um das hochpotente Crystal Meth ging, ist naturgemäss umstritten. Sätze wie «Ob Du für mich 1 Stück oder ein halbes Stück Dessert hast» lassen viele Interpretationen zu. Angebote der Frau im Wortlaut von «50 Kkristajj» dürften sich allerdings kaum auf Marihuana bezogen haben. Wegen ähnlicher Verkäufe ist auch eine weitere 52-jährige Thailänderin angeklagt.

Beim flüchtigen 41-Jährigen hatte man bei der Festnahme 22 Gramm Crystal Meth sichergestellt. Insgesamt gehen die Strafverfolger von mehreren Kilogramm verkauften Crystal Meths aus. Die grossen Fische hat man allerdings nicht an der Angel. Auch die Staatsanwaltschaft räumt ein, dass die Angeklagten wohl hauptsächlich Beiträge an ihre eigenen Mietkosten sowie Gratis-Drogen erhalten haben. Die Urteile fallen am Donnerstag.