Ein mutmasslicher Geldwäscher hat es bei der Bank Coop ganz nach oben geschafft. Der von 2005 bis 2009 tätige Leiter des Bereichs Anlagekunden Nordwestschweiz hat sich gemäss der Basler Staatsanwaltschaft (Stawa) der mehrfachen Geldwäscherei schuldig gemacht. In zwei Monaten steht der 59-Jährige vor dem Basler Strafgericht.

Das Kadermitglied der Bank Coop war für die Kundenbeziehung zur Coninvest Finanz AG zuständig. Die Firma ist auf den Marshallinseln registriert mit Briefkastensitz in Zug. Sie ist Teil eines Schneeballsystems eines deutschen Anlagebetrügers, für den über 80 Vermittler mit Darlehensverträgen Geld sammelten.

Den Kunden wurde versprochen, dass ihr Vermögen lukrativ angelegt werden würde. Die Rückzahlungen, die sie erhielten, stammten aber nicht aus ihren Anlagen, sondern aus Zahlungen neuer Anleger.

Aufgeflogen ist dieses Betrugssystem durch ein Strafverfahren der Stuttgarter Staatsanwaltschaft. Gemäss Medienberichten brach es zusammen, als nicht mehr genügend neue Anleger gefunden werden konnten.

Zinssätze von 38 bis 42 Prozent

Ein Teil dieser Geschäfte wurde über die Coop Bank abgewickelt. Im Oktober 2007 ging die Basler Bank mit der Firma Coninvest eine Geschäftsbeziehung ein.

Gemäss der Basler Staatsanwaltschaft legte der Angeklagte einen Darlehensvertrag der Firma mit einer deutschen Staatsangehörigen in das Kundendossier ab, ohne jemanden zu informieren und ohne Eintrag in die Kundenhistorie.

Dabei bewegten sich die Zinssätze gemäss der Stawa in «vollkommen marktunüblichen, astronomischen Höhen»: Sie betrugen 38 bis 42 Prozent.

Keine Meldung erstattet

Vom Compliance Officer der Bank erhielt der Angeklagte den Auftrag, die Kundenbeziehungen der Coninvest näher unter die Lupe zu nehmen. Doch der Mann erstattete darauf keine Meldung.

Dabei habe er laut Stawa aufgrund seiner fundierten Bankkenntnisse davon ausgehen müssen, dass die «vertraglich versprochenen Fabelzinssätze allein mithilfe eines unrechtmässigen Schneeballsystems erreichbar sein könnten».

Über den Schreibtisch des Angeklagten wanderte gemäss Stawa ein Verbrechenserlös von mehr als acht Millionen Euro. Ob der Schweizer davon persönlich profitiert hatte, thematisiert die Stawa in der Anklageschrift nicht.

Seit seinem Abgang bei der Bank Coop geschäftet der Mann mit einer eigenen Firma mit Sitz in Kaiseraugst weiter. Sie betreibt nicht nur Import und Export von Waren aller Art, sondern sucht in Südamerika Fussballtalente. Auf dem Weg zur grossen Karriere werden sie in Anlagefragen beraten.