Basler Fasnacht

Ein Jahr nach Fremdenfeindlichkeiten: «Alti Stainlemer» treten als Einheit am Cortège auf. Fast.

Die Laterne der Alten Garde eckte 2019 an.

Die Laterne der Alten Garde eckte 2019 an.

An der Fasnacht 2019 fiel die Alte Garde mit fremdenfeindlichen Sprüchen auf, die sie auf der Laterne platzierte. Nun betreibt die Clique Schadensbegrenzung.

Das hat es noch nie gegeben: Wer den Fasnachtsführer Rädäbäng aufmerksam liest, stellt bei der Clique Alti Stainlemer fest, dass der Stamm, die Junge Garde und die Binggis am diesjährigen Cortège zusammenspannen und einen riesigen Zug mit dem Sujet «Mer sin uff em Holz- wääg» bilden. Gemäss einem Mitglied des Stammvereins wolle man damit zeigen, dass man eine Einheit sei – und auf diese Weise Nachwuchs anlocken.

Ganz so einheitlich tritt die Clique an der Basler Fasnacht indes nicht auf. Ihre Alte Garde schert aus, spielt das Sujet «Gäll, Du kennsch-mi ...» aus und ist an einem ganz anderen Platz in der Route eingeteilt. Angefragt wurde sie vom Stamm durchaus. Dem Vernehmen nach machen die Älteren bei dem Einheitszug aber nicht mit, weil sie zum Zeitpunkt der entsprechenden Anfrage in der Planung des eigenen Sujets, der Kostüme und der Laterne bereits weit fortgeschritten waren. Felix Stierli, Obmann der Alten Garde, wollte dazu auf Anfrage keinen Kommentar abgeben. Und Roman Meier, Präsident des Stamms, war am Dienstag weder telefonisch noch per SMS zu erreichen.

Das Schweigen der Obmänner kommt nicht überraschend. Sie wollen ein leidiges Thema nicht aufwärmen: An der Fasnacht 2019 fiel die Alte Garde mit fremdenfeindlichen Sprüchen auf, die sie auf der Laterne platzierte. Ein paar Auszüge: «Was hüt alles im Glaibasel woont, isch laider nümme so wie gwoont», «Dr Hansli schisst do fascht in d Hose, wenn är das Volgg gseht uf de Stroosse», «Was schyyns sich Mänggi wünsche wurde, nit z vyyl Dirgge, Serbe, Kurde». Der Tambourmajor trat im Burka-Tenü auf und führte die Drummler an, die als grimmig dreinblickende Afrikaner, Türken, Tamilen, Islam-Prediger und Albaner verkleidet waren.

Ein grosser Zug gegen den Imageschaden

Der Auftritt sorgte für entsetzte Reaktionen in den sozialen Medien. Und nicht nur dort: Die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus prüfte den Fall und kam zum Schluss, dass das Sujet «geschmacklose (...) Fremdenfeindlichkeit» darstelle. Man begrüsse, dass sich der Stamm der Alti Stainlemer davon klar distanziert habe. Ein Mitglied, der Plakettenkünstler Tarek Moussalli, sprach vor einem Jahr in der bz aus, was viele Mitglieder der Stammclique dachten: «Mit diesen Leuten möchte ich nichts zu tun haben. Ich schäme mich!»

Moussalli befürchtete einen Imageschaden für die Clique, weil die breite Öffentlichkeit keinen Unterschied zwischen Alter Garde und dem Stamm mache. Das Mitglied der Stammclique, das anonym bleiben will, sagt dazu: «Dass wir am Cortège diesen grossen Zug bilden, ist auch als Reaktion auf das vergangene Jahr zu verstehen. Wir haben Nachwuchsprobleme, das ist nicht von der Hand zu weisen. Mit dieser Aktion wollen wir junge Leute für unsere Clique begeistern.» Die bz weiss, dass die Alti Stainlemer in den vergangenen zwölf Monaten keinen einzigen Neuzugang verzeichnen konnte.

Glaubt man Felix Stierli und dem anonymen Mitglied, konnten die Wogen in der Clique unterdessen geglättet werden. Eine kleine Spitze können sich die Alten dennoch nicht verkneifen: Im Rädäbang ist über ihren «Voordraab» zu lesen, «wenn eppis de Obrigkeite nit basst, kömme sie an Pranger». Was es damit auf sich hat, ist Spekulationssache. Moussalli will sich dazu nicht äussern. Und zum Knatsch auch nicht mehr: «Nachdem ich damals meinem Ärger Luft gemacht hatte, wurde ich angefeindet.» Er stehe aber zu seinen Aussagen, dass seit Jahren Spannungen zwischen der Alten Garde und der Stammclique bestehen.

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