Überbauung

Ein Kanal und ein Kamin verzögern Zwingens Vorzeigeprojekt

Auf dem Gelände der ehemaligen Papierfabrik ist eine Überbauung geplant. Der Investor muss jedoch unerwartete Auflagen erfüllen.

Wer durch Zwingen fährt, staunt. Wo einst die Papierfabrik stand, tut sich heute ein weites Gelände auf. Neben der Birs ist ein Teil des künstlichen Kanals ans Licht gebracht worden, welcher früher den Betrieb der Fabrik ermöglichte. Die Abrissarbeiten der alten «Papieri» sind bereits weit vorangeschritten. Auf dem Gelände sollen fünf Gebäude mit über 80 Wohnungen entstehen.

Der geplante Zeitplan könne jedoch nicht eingehalten werden, erklärt Investor Jost Krummenacher von Barko Imobau. Der Kanton bremse das Vorhaben. Das Bauinspektorat verweigere das Überbaurecht des Kanals. Dabei war dieser zu Zeiten der Papierfabrik teilweise überbaut gewesen. «Wir untersuchen im Moment die Möglichkeit einer Verschiebung des Kanals um ein paar Meter», sagt Jost. Dies sei technisch möglich und im Moment auch optimal, weil der Kanal wegen des Baus des neuen Wasserkraftwerks der EBL zurzeit kein Wasser führe. Jost ist zuversichtlich. Und falls die Verschiebung des Kanals nicht möglich wäre, müssten Baupläne geändert werden, was zu grösseren Verzögerungen führen würde.

Rückbau Papierfabrik in Zwingen (Firmenvideo)

Auf der Visualisierung des Überbauungsvorhabens ist zwar kein Kanal, jedoch der Hochkamin der ehemaligen Papierfabrik sichtbar. Trotzdem wirft dieser Kamin Fragen auf, die noch gelöst werden müssen. Im Teilzonenplan der Gemeinde wurde nach dem Beschluss der Gemeindeversammlung von 2011 festgehalten, wenn möglich den Hochkamin wie auch das alte Verwaltungsgebäude für die zukünftigen Generationen zu erhalten. Der Erhalt des Gebäudes, das beim Bund als architektonisch wertvoll eingetragen wurde, ist unbestritten. Anders sieht es beim Kamin aus. Aus Angst, dass der Investor den Kamin einstürzen lässt, sammelte die Burgerkorporation Zwingen in einer Petition 260 Unterschriften. Das sind mehr als 10 Prozent der stimmberechtigten Zwingner. «Falls der Kamin abgebrochen werden sollte, braucht es die Zustimmung der Gemeindeversammlung. Dann können wir die Leute, die unterschrieben haben, mobilisieren», erklärt Fridolin Scherrer, Vize- und ab Juni Präsident der Burgerkorporation.

So weit möchte es Jost nicht kommen lassen. Er hatte Kontakt mit fünf verschiedenen Ingenieurbüros aufgenommen, doch keines wollte sich betreffend Hochkamin «auf die Äste rauslassen». «Der Kamin ist marode, aber natürlich ist alles machbar», meint Jost. Er schätzt die Kosten für Analyse, Untersuchung, Fundament, Sicherung und den verlorenen Platz auf 2 bis 3 Millionen Franken.

Vor Ort gemeinsam eine Lösung finden

Ganz anderer Meinung ist die Burgerkorporation. Sie ist überzeugt, dass der Kamin günstiger erhalten bleiben könnte. Ausserdem sei es dem Investor beim Kauf der Papierparzelle sicherlich bekannt gewesen, dass er den Kamin gemäss Teilzonenplan erhalten sollte. Als Beweis für dessen Standhaftigkeit führten sie die Sprengung des Nachbarkamins an: Der Hochkamin habe durch die Erschütterung keinen Schaden erlitten. Jost meint dazu: «Die Sprengung wurde professionell durchgeführt, ohne Druckwelle Richtung Hochkamin.» Mit dem Ingenieurbüro Jauslin Strebel ist der Investor nun doch noch fündig geworden. Analysen und notwendige Arbeiten werden am Kamin durchgeführt und die alten Maschinen darin entfernt. Anschliessend möchte der Investor die Burgerkorporation, den Gemeinderat und die Denkmalpflege zu einem Augenschein vor Ort einladen, um zusammen eine Lösung zu finden.

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