Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Was für den Dichter Matthias Claudius im 18. Jahrhundert stimmte, ist heute noch wahr. In meinen Sommerferien habe ich kaum Neues über das Schweizer Reka-Dorf in der Toskana erfahren, wohl aber einiges über mein Zuhause.

Umgeben von Schweizer Familien hört man dies und das, was über Basel gesagt und gedacht wird. Zwischendurch musste ich schmunzeln ob der Vorurteile, die unserer Region anhaften. Manches fand ich aber geradezu bedenklich.

Deutschschweiz als Pufferzone

Für die meisten Restschweizer sind die deutschsprachigen Territorien diesseits der Jurakette eine kaum existierende Pufferzone zu Deutschland. Ähnlich fühlten sich nur die Walliser auf der Piazza, die vielsagenderweise den Rest der Schweiz als «Usserschwizer» bezeichnen. Uns Baslern (von Roggenburg bis zum Bözberg, vom Belchen bis zum Rhein) ist die Schweizer Verdrängung oft egal.

Die meisten Nordwestschweizer fühlen sich wohl in ihrer Identität als «deutschsprachige Romands» oder «etwas andere Schweizer». Schon 1501 traten wir mehr aus Vernunft als aus Liebe vor den eidgenössischen Altar.

Negatives Image

Weniger erfreulich ist aber das negative Image, das einzelne Basler (zum Teil bewusst) in die Schweiz hinaustragen. Die für das heimische Publikum bestimmte Unsicherheitsdebatte, das Ausländer-Bashing, das Gemotze über unsere Polizei und unsere Behörden sowie das ständige Schlechtreden und Selbstzerfleischen unserer Region haben ein absurd-desolates Bild unserer florierenden Heimat verbreitet.

Von links bis ganz, ganz rechts wird vor jeder Abstimmung alles schlecht und schlechter geredet – ohne zu bedenken, was jenseits des Juras für ein Image entsteht.

Heimatmüden Nestbeschmutzern ist es gelungen, dass St.Galler glauben, man könne im Kleinbasel seines Lebens nicht sicher sein, dass Baselland in Kürze unter den Brüsseler Rettungsschirm muss und Basler Polizisten mit Joints und Sexkoffern durch die Gassen ziehen, um mit gewalttätigen FCB-Fans Staatsliegenschaften zu besetzen.

Arroganz im Rheinknie

Früher sagte man uns am Rheinknie eine gewisse Arroganz nach. Von der selbstverliebten Gewissheit, der Mittelpunkt der Welt zu sein, haben wir uns zu Dunkelschwarzmalern und Miesepetern entwickelt.

Basel ist toll! Sowohl auf den saftigen Weiden des Oberbaselbiets wie im Kulturtiegel der Stadt – uns fehlt es an nichts und wir sind attraktiv. Wer etwas verbessern will, muss nicht vorher alles kaputtreden, um seine Idee besser wirken zu lassen. Seien wir selbstbewusst, wir haben es verdient.

Senden wir positive Signale in die Restschweiz und in die Welt. Unser kleines New York mit einem Hauch Appenzell ist ein wunderbarer Ort zum Leben. Das dürfen gerne alle wissen.