Tamtadamtamtam. Wo immer Edith Habraken hinschaut, entdeckt sie Rhythmen. Sieht sie, hört sie, spürt sie. Rhythmen. Auch in einem Zebrastreifen. Oder einem Ikea-Regal. «Überall gibt’s Muster, überall gibt’s Rhythmen», sagt sie.

Tamtadamtamtam. Ihre hellen Augen blitzen. Edith Habraken ist Basels berühmteste Trommlerin. Im Alter von acht Jahren fängt die gebürtige Holländerin in einem holländischen Trommelverein an zu spielen. Einfach so. Dann packt es sie. Sie merkt: Ich bin begabt.

Am Konservatorium in Amsterdam studiert sie klassisches Schlagzeug. Danach kommt sie nach Basel. «Weil Basel das Zentrum des europäischen Trommelgebiets ist», erklärt sie den Grund ihres Umzugs.

Leichter holländischer Akzent

Offiziell nennt sich die 46-Jährige «slagwerker». «Wenn ich den Leuten sage, ich spiele Schlagzeug oder ich trommle, bombardieren sie mich mit Fragen: Spiele ich in einer Band? Nein? Was mache ich dann? Ist das überhaupt ein Beruf?» Habraken seufzt.

Wenn sie aber sage, sie sei slagwerker, dann wüssten die Leute von vornherein, dass sie nicht drauskommen. «Dann fragen sie gar nicht. Und das ist wahnsinnig angenehm», sagt sie in Baslerdeutsch mit einem leichten holländischen Akzent.

Habraken ist keine, die täglich auf einer ihrer 25 Trommeln spielt. Jedenfalls nicht physisch. «Aber im Kopf trommle ich immer», hält die dreifache Mutter fest. Für sie ist das fast wie Meditieren. Nach zwei Soloprogrammen und diversen Trommel-Workshops ist ihr neuester Wurf die CD «Walking Drum». Darauf trommelt sie Märsche im Freien: an der Fasnacht und in den Langen Erlen. Als Unterhaltung ist ihre CD aber nicht gedacht. «Man kann sie nicht im Hintergrund auflegen. Und man muss die CD alleine hören.»

Marschmusik wie ein Schlaflied

Ziel sei unter anderem, das Wesen des Marsches heraus zu spüren. «Was passiert mit mir, wenn ich einer Trommel zuhöre?», formuliert dies Habraken. Sie spürt dem Wesen der Trommel nach und stellt fest: Es hat etwas Hypnotisches, Meditierendes, Beruhigendes. «Marschmusik ist wie ein Schlaflied.» Der europäische Zweivierteltakt strahle mehr Ruhe aus als jedes Schlaflied.

Das hat sie bei ihren eigenen Kindern festgestellt. Hat sie ihnen traditionelle Schlaflieder vorgesungen, blieben sie wach. Hat sie einen Marsch improvisiert, sind die Kinder innert Kürze ins Reich der Träume abgetaucht. Aus ähnlichem Grund habe man im Krieg Märsche gespielt: «Die unmenschlichen Bedingungen ertrug man am besten mit Marschmusik. Da läuft man einfach mit und denkt nicht mehr.»

Ein Dorn im Auge ist ihr darum das schlechte Image der Marschmusik. «Weil sie mit Militär und Uniformen verbunden wird, nimmt man sie oft negativ wahr.» Musikstudenten würden leider lieber im fernen Afrika Rhythmen studieren, statt jene zu untersuchen, die vor der Haustür stattfinden. «Die Marschmusik, die traditionelle europäische Musik, ist darum noch relativ wenig erforscht», bedauert Habraken.

«Während der Fasnacht ist ganz Basel eine Familie»

Wenn sich die energiegeladene Frau gerade nicht mit Trommeln auseinandersetzt, fährt sie gerne Velo. «Velofahren ist wie Trommeln für mich», sagt sie. Es hat auch einen rhythmischen, meditativen Charakter. An Basel mag sie die Trommel, die Fasnacht, das Cliquenleben. «Während der Fasnacht ist ganz Basel eine Familie, und das ist toll.»

Manchmal würde sie sich bloss wünschen, dass die Menschen öfter ein Lachen auf dem Gesicht hätten. Und dass man den Jugendlichen gegenüber positiver eingestellt wäre. Und dass die Gespräche nicht von derart vielen Floskeln begleitet, sondern reduziert auf das Wesentliche wären: das Gespräch selbst. Den Rhythmus. Sie lacht und reicht die Hand zum Abschied. Tamtadamtamtam.