Elektronische Mietfahrzeuge
Basel ist die Hochburg der E-Gefährte

Ganze acht Anbieter von Sharing-Diensten für E-Trottinetts und E-Bikes sind mittlerweile in Basel aktiv – der Wildwuchs solcher Fahrzeuge ist damit klar grösser als in anderen Schweizer Städten.

Julian Förnbacher
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«Lime-S» ist nur einer von vielen Anbietern von E-Mietfahrzeugen in Basel.

«Lime-S» ist nur einer von vielen Anbietern von E-Mietfahrzeugen in Basel.

Roland Schmid

Seit Sommer 2017 gehören sie nun schon zum Basler Stadtbild: E-Trottinetts verschiedenster Anbieter, die gemeinsam mit anderen elektronischen Mietgefährten wie E-Bikes oder E-Rollstühlen die Trottoirs und Veloabstellplätze im Stadtgebiet zieren. Über die Jahre verschwanden einige der Angebote wieder, es kamen jedoch auch konstant neue hinzu. So etwa die eiförmigen Gefährte des Bieler Start-Ups «Enuu», welche seit ihrer Ankunft im Frühherbst letzten Jahres vielerorts für rote Köpfe sorgten. Obwohl die Enuus nun vorerst wieder verschwinden (siehe Box), bietet sich ein genauerer Blick auf das breite Angebot an E-Mietfahrzeugen im Stadtkanton an.

Die fahrenden Eier verschwinden vorerst

Ab Samstag werden die eiförmigen E-Rollstühle der Firma «Enuu» nicht mehr auf Basels Strassen herumkurven, wie der Anbieter unlängst mitteilte. Das Angebot wird für mindestens zwei Monate pausiert, als Grund nennt Enuu, welches vom Kanton mit einem Beitrag aus dem Pendlerfonds unterstützt wurde, in einem Statement «die Durchführung eines wichtigen Hardware Updates». Obwohl Enuu im Schreiben versichert, dass man nach Basel zurückkehren werde, lässt die Mitteilung einige Fragen offen – insbesondere auch die, warum ein derartiges Update nicht in den Wintermonaten, in denen die Nutzung von E-Sharing-Diensten traditionell tiefer ist, vorgenommen wurde. (juf)

Die fahrenden Eier verschwinden vorerst wieder aus der Stadt.

Die fahrenden Eier verschwinden vorerst wieder aus der Stadt.

Juri Junkov

Mehr Anbieter als Bern und Zürich

Stolze acht Anbieter listet das Amt für Mobilität mittlerweile auf: «Bird», «HighSpeedService», «Lime», «Tier», «Voi» und «Zisch» dürfen aktuell je 200 E-Trottis auf Basels Strassen unterhalten. Ebenfalls bevölkern 200 E-Fahrräder von «Pick-E-Bike» und vierzig E-Rollstühle von «Enuu» die Allmend. Stolze Zahlen. Vergleicht man sie mit anderen Schweizer Städten, wird der Eindruck von Basel als Hochburg der E-Gefährte noch deutlicher: So sind in Zürich nur sieben Anbieter unterwegs, diese verwalten allerdings gleich 4000 E-Trottis und 440 E-Bikes. Hält man sich jedoch das grössere Stadtgebiet und die höhere Bevölkerungszahl Zürichs vor Augen, sind die Basler Zahlen noch immer überraschend hoch.

Ein noch besserer Vergleichswert ist die Stadt Bern – leicht weniger Einwohner als Basel und ebenfalls sehr velofreundlich ausgerichtet. Hier jedoch blieb, bis auf ein grösseres Velo-Verleihsystem, der Boom alternativer E-Mobilitätsangebote aus. Auch, weil Bern nach der ersten Invasion der E-Trottis deren Verbreitung einen Riegel vorschob und ein Bewilligungsverfahren eröffnete. Nachdem insgesamt fünf Gesuche eingingen, genehmigte man «Voi» und «Tier» eine Pilotphase, in der sie an strenge Auflagen gebunden sind. So wurden etwa die Nutzung von öffentlichen Veloabstellflächen beschränkt und E-Trottinett freie Zonen definiert. Überdies unterliegen die Unternehmen einer Wegräumpflicht bei falsch parkierten Fahrzeugen – so soll problematischen Entwicklungen vorgebeugt werden.

«Die Hürden sind zu wenig hoch»

Ein solches Vorgehen würde sich Ex-SP-Grossrat Jörg Vitelli auch in Basel wünschen, wo für kleinere Anbieter mit Flotten von bis zu 200 Fahrzeugen keine Bewilligungspflicht besteht. «Die Hürden sind zu wenig hoch, was Basel zu einem beliebten Standort macht. Das zeigt sich ja am Wildwuchs solcher E-Fahrzeuge auf den Strassen und Veloparkplätzen», sagt er. Vitelli sieht hier die Regierung in der Verantwortung, die insbesondere in der Ära Wessels zu liberal mit E-Sharing-Diensten umgegangen sei: «Es liegt nun an Esther Keller, hier vorwärts zu machen und die richtigen Zeichen zu setzen», sagt er. So sei es für ihn etwa dringend nötig, klare Zonen zu definieren, in welchen E-Trottis abgestellt werden dürfen, um der Lage wieder Herr zu werden.

Kanton plant eigenen Sharing-Dienst

Das Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) dürfte den Wünschen Vitellis indes schon bald nachkommen, wie es auf Anfrage schreibt: «In Zukunft wird der Kanton voraussichtlich Sperrzonen definieren, in denen Fahrzeuge nicht abgestellt werden dürfen.»

Die Sperrzonen dürften nötig werden, wird der E-Sharing-Markt doch in den kommenden Monaten noch unübersichtlicher. Dann tritt nämlich der Kanton mit dem neuen Angebot «velospot basel», welches total 2000 Velos und E-Bikes umfassen soll, selbst als Anbieter auf den Plan. Angst vor einer Übersättigung des Marktes habe man nicht: «Das künftige Velosharing ergänzt die bestehenden Dienste durch das Angebot klassischer Velos bzw. langsamer E-Bikes. Das System spricht damit andere Zielgruppen an», schreibt das BVD. Auch Vitelli ist dem Projekt, dessen Vorkämpfer er vor rund zehn Jahren war, nicht abgeneigt, mahnt jedoch zur Vorsicht: «Es ist wichtig, das Angebot schrittweise einzuführen, um die Nachfrage besser abschätzen zu können. Packt man nun einfach 2000 Fahrräder auf einmal auf die Strassen, ist damit niemandem geholfen.»