Elsass
Ein Jahr nach der AKW-Abschaltung: So geht es Fessenheim heute

Noch überschattet die Coronapandemie die Auswirkungen des Endes des Kernkraftwerks. Bis 2025 fällt jedoch der Grossteil der Arbeitsplätze weg. Zudem fehlen der elsässischen Gemeinde Fessenheim wichtige Steuereinnahmen.

Silvana Schreier
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Rund 1000 Mitarbeitende hatte das noch laufende AKW Fessenheim. Laut Direktorin wurden für 80 Prozent eine neue Stelle gefunden.

Rund 1000 Mitarbeitende hatte das noch laufende AKW Fessenheim. Laut Direktorin wurden für 80 Prozent eine neue Stelle gefunden.

Roland Schmid

Am 29. Juni 2020 ging das Kernkraftwerk Fessenheim endgültig vom Netz. Zuvor wurde zuerst im Frühling der eine, im Sommer dann der zweite Reaktor abgeschaltet. Nun, ein Jahr nach der Abschaltung, zeigt ein Blick ins elsässische Fessenheim: Die Folgen der Coronapandemie überschatten das Ende des Kernkraftwerks. Über 1000 Arbeitsplätze sind mit der Abschaltung verloren gegangen.

Doch dennoch habe die Bevölkerung leicht zugenommen, berichtet SRF. Städter zogen aufs Land, um der Pandemie zu entfliehen. Freie Liegenschaften wurden verkauft und für die ehemaligen Wohnhäuser von AKW-Angestellten gibt es eine Warteliste. «Der Effekt der AKW-Schliessung ist für die Gemeinde im Gefolge der Pandemie kaum sichtbar», sagt Fessenheims Gemeindepräsident Claude Bender zu SRF.

Der Region entfallen 15 Millionen Franken

Die Einnahmen der Gemeinde sind jedoch eingebrochen. Zwei Millionen Euro gab es jährlich für Fessenheim von der Électricité de France (EDF) in Form von Gewerbesteuern. Der Gemeindeverband Haut-Rhin-Brisach erhielt gar 15 Millionen Euro. Dieses Geld fehlt nun. Bender sagt zu SRF:

«Wir werden bestraft und müssen voraussichtlich in den nächsten Jahren zurückzahlen, was uns das AKW während 40 Jahren eingebracht hat.»

Noch zahlt EDF Grundstücksteuern. Darum hofft die Gemeinde, dass auf dem alten AKW-Areal ein Technologiepark eingerichtet wird. Dort könnten Maschinen aus anderen abgeschalteten Kraftwerkanlagen recycelt werden.

80 Prozent der Mitarbeitenden haben eine neue Stelle

Wie «SWR Aktuell» berichtet, werden die alten Brennstäbe aus dem Kernkraftwerk zur Wiederaufbereitungsanlage nach La Hague gebracht. Noch in diesem Jahr müssten alle Stäbe herausgeholt werden. Der Rückbau der Reaktoren werde allerdings erst 2025 beginnen können. Dafür würden dann noch rund 60 Mitarbeitende gebraucht werden.

Bis Ende 2021 soll die Hälfte der AKW-Mitarbeitenden den Standort in Fessenheim verlassen haben, sagt Elvire Charre, Direktorin des Kernkraftwerks, zu «SWR Aktuell»: «Wir haben für 80 Prozent unserer Angestellten eine Lösung gefunden. Die Hälfte von ihnen wechselt zu einem anderen AKW in Frankreich.»

«Nur in minimalem Ausmass» an Risikovorkehrungen gehalten

Im Juni teilte der Trinationale Atomschutzverband (Tras) mit, man sei nicht zufrieden damit, wie der Rückbau des jahrzehntelang umstrittenen Atomkraftwerks im elsässischen Fessenheim seit etwas mehr als einem Jahr vorangeht. Die Entfernung der Brennstäbe verlaufe zwar nach Plan, die jetzige Betreiberin EDF würde sich jedoch «nur in minimalem Ausmass» an die Risikovorkehrungen halten.

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