Schlafstadt Basel
Empörte Gartenbeizer laufen gegen Abendruhe Sturm

Ab acht Uhr abends muss der Gast einer Gartenbeiz ins Innere, um seine Stange fertig zu trinken. Bedient eine Beiz hingegen auf der Strasse die Gäste, darf mindestens zwei Stunden länger gelärmt werden. Einzelne Betriebe bewirten sogar noch länger.

Benjamin Rosch
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Das Basler Nachtleben im Aufruhr: Ohne die Buvette an der Kaserne ginge das Rhyschänzli an der neuen Regelung zugrunde.Keystone

Das Basler Nachtleben im Aufruhr: Ohne die Buvette an der Kaserne ginge das Rhyschänzli an der neuen Regelung zugrunde.Keystone

Diese Rechtslage kommt seit 2004 für neue Bewilligungen zur Anwendung, wie die «Basler Zeitung» in ihrer Ausgabe vom Samstag schreibt. Dieses emotionale Thema löst grosse Reaktionen aus.

Emotionales Thema

Die Praxis des Bau- und Verkehrsdepartements (BVD) trifft einen wunden Punkt in Basel, wo die Konflikte zwischen Vertretern aus Gastronomie und Kultur mit den Anwohnern immer wieder für Zündstoff sorgen. Ob Tattoo, Kulturfloss oder Buvetten – verschiedene Themen sorgten in den letzten Monaten für rote Köpfe. Die Reaktionen auf den Bericht der «BaZ» fallen dementsprechend heftig aus. Der Vorwurf: Basel sei eine Schlafstadt. Bislang sind ungefähr zehn Wirtschaften von der neuen Regelung betroffen.

Darunter leidet auch Jérôme Beurret, Inhaber des Rhyschänzli im St. Johann. Er versteht die «Willkür der Beamten» nicht. Knapp hundert Meter weiter servieren die Betreiber des Pavillons im Johanniterpark das Bier bis um Mitternacht. Er selbst soll seine Gäste bitten, um acht Uhr abends den Innenhof zu verlassen. Hätte er nicht die Ausschreibung für die Bewirtung der Buvette an der Kaserne gewonnen, er hätte seinen Laden dichtmachen müssen. «Es sind nur zwei oder drei Anwohner, die sich gegen unsere Bewilligung gewehrt haben», sagt Beurret. Das aber mit Erfolg.

Die Regelung geht zurück auf einen Präzedenzfall. Das Restaurant Stänzler beim Erasmusplatz blitzte damals mit seinem Gesuch für eine Bewilligung bis zehn Uhr abends ab. Zwei Anwohner hatten Beschwerde eingereicht, über hundert Befürworter dagegen protestiert. BVD-Sprecher Marc Keller sagte gegenüber der «BaZ»: «Im Sinne der Gleichbehandlung aller Gesuchssteller müssen wir jetzt sämtliche Gesuche für eine Gartenwirtschaft im Innenhof nach 20 Uhr ablehnen.»

Kritik von verschiedener Seite

Dies kritisiert FDP-Regierungsratskandidat und Grossrat Baschi Dürr: «Ich finde das falsch.» Natürlich müsse Rücksicht genommen werden auf die verschiedenen Interessen. «Allerdings sollte jeder Fall einzeln begutachtet werden.» Beizer, die im Moment eine Bewilligung bis um 22 Uhr besitzen, zittern nun, ob diese Handhabung ausgeweitet werden könne. Sie fürchten, bald könnten auch rückwirkend Bewilligungen entzogen werden.

Eine Meinung, die Tino Krattiger, Mitglied des Komitees «Kulturstadt Jetzt!» und Organisator des Kulturflosses teilt: «Das ist nur der erste Schritt, bald wird es allen so ergehen.» Er ist empört, wie die Gastronomie schikaniert wird: «Das ist ein absoluter Skandal und einer Stadt wie Basel unwürdig», poltert Krattiger. Keller schreibe ja, dass man im Sinne einer Gleichstellung handle. Das Baudepartement werde wohl bald auch Bewilligungen vor 2004 ändern. «Das ist der Anfang eines Kahlschlags gegen die Boulevard-Gastronomie», enerviert sich Krattiger. Bei einer solchen Entwicklung könnten selbst Traditionswirtschaften wie der Löwenzorn, die Fischerstube oder die Kunsthalle ernsthaft in Bedrängnis gebracht werden.