Bundesstrafrichter

Endlich Richter: Alberto Fabbri und die Krönung einer bewegten Basler Karriere

Alberto Fabbri

Alberto Fabbri

Alberto Fabbri, Erster Basler Staatsanwalt, wird Bundesstrafrichter. Es ist die Krönung einer apolitischen Karriere.

Als die Entscheidung fällt, schürzt Alberto Fabbri, 53, die Lippen und verschränkt die Arme vor der Brust. «Es wird gewählt – Est élu: Alberto Fabbri mit 158 Stimmen», verkündet Nationalratspräsidentin Isabelle Moret am Mittwochmorgen den neuen Job des obersten Basler Staatsanwalts. Er nimmt es mit einem kurzen Kopfnicken zur Kenntnis. Berufen nach Bellinzona, als Bundesstrafrichter. Vielleicht geht ihm nochmals durch den Kopf, was das bedeutet. 2 Stunden und 53 Minuten beträgt die Fahrzeit von Basel in die Hauptstadt des Tessins. Er hat es sich sicher gut überlegt, denn Fabbri handelt stets umsichtig. Es sei denn, es kommt ihm die Politik in die Quere. Deren Mechanismen bedeuten für ihn immer heikles Terrain, sie erscheinen ihm irrational und persönlich. Wahlen sind deshalb seine Sache nicht. Keine ging geräuschlos über die Bühne. Auch diese nicht.

Gegen Kügelidealer und Kriegsverbrecher

Alberto Fabbri wurde 1967 in Basel geboren. Die Mutter Spanierin, der Vater Italiener, wuchs Fabbri dreisprachig auf. Nach der Matur trat er in die Armee ein und blieb zwei Jahre. Dann wurde er Polizist. Eigentlich sein Bubentraum, doch den ehrgeizigen Fabbri erfüllte der Job auf der Strasse nur für kurze Zeit. Er begann ein berufsbegleitendes Jus-Studium an der Uni Basel. «Das waren viereinhalb Jahre, in denen ich nur gearbeitet, studiert und geschlafen habe», sagte er einmal.

Fabbri interessierte sich früh für Völkerrecht, bewunderte die Leidenschaft von Uno-Chefanklägerin Carla Del Ponte. Vom 16. Mai 1998 datiert eine Meldung in der Baz über vier Studenten, die an einem Wettbewerb in Den Haag den Internationalen Strafgerichtshof simulierten. Die Basler Delegation erzielte grosse Erfolge und bestand aus: Christa Sonderegger, Crispin Hugenschmidt, Lukas Engelberger und Alberto Fabbri. Alle zog es später zum Staat: Zwei arbeiten heute in Generalsekretariaten von Basel-Stadt und Baselland, einer ist Regierungsrat. Lukas Engelberger schätzt die überlegte, rationale Art seines Studienkollegen, mit dem er befreundet blieb. Doch habe Fabbri auch einen tollen Sinn für Humor. «Fürs Liz bildeten wir gemeinsam eine Lerngruppe», sagt Engelberger. Nach bestandener Prüfung lud Fabbri seine Kommilitonen zu einem Tandemsprung mit dem Fallschirm. Die beiden kreuzten auch beruflich die Pfade immer wieder.

Dazwischen liegt jedoch eine Karriere mit einigen Wendungen: Fabbri arbeitete als Gerichtsschreiber in Liestal, als Security Manager für Novartis und war am Uno-Sondergerichtshof in Sierra Leone Berater im Fall von Warlord Charles Taylor. Ab 2001 war Fabbri Bundesanwalt und gleichzeitig Untersuchungsrichter im Militär. Als solcher stand er zum ersten Mal im medialen Gegenwind. Der «Sonntagsblick» hatte ein Fax des Nachrichtendiensts über geheime CIA-Gefängnisse veröffentlicht. Fabbri suchte das Leck und deckte den «Blick» mit Klagen ein – erfolglos. Die Presse war sich einig: Fabbri hat übertrieben.

Die Flucht aus Bern misslingt 

Spätestens ab 2006 zog es Fabbri zurück in die Heimat. Er bewarb sich für das Basler Strafgericht. An den Qualifikationen hätte es nicht gefehlt, aber Fabbri unterschätzte immer wieder in seiner Karriere die Funktionsweise der Politik. Fabbri wohnte noch in Oberwil und trat nur für die Wahl der CVP bei. Zwar zog er mit seiner vierköpfigen Familie später nach Basel, doch für die Wahl reichte es nicht.

Ein Jahr später stand Fabbri mitten in einem der grössten Justizskandale der jüngeren Vergangenheit: Er ermittelte im Fall Roschacher und zog den Zorn Blochers auf sich. Ihm werde ein Komplott zur Absetzung des Bundesanwalts Roschacher unterstellt, sagte Blocher. Er klagte – erfolglos. Dennoch verwehrten die nachtragenden SVP-Räte dem einstigen Bundesanwalt gestern die Stimme.

2008 hatte Fabbri endgültig genug von Bern und schliesslich klappte die Rückkehr: Zuerst wurde er Ersatzrichter am Basler Strafgericht, obwohl im Vorfeld die Blocher-Klage grosses Thema war. Und zwei Jahre später übernahm er die Leitung der Basler Staatsanwaltschaft, entgegen der Kritik vom Chef der Jugendanwaltschaft. Selbst danach kam ihm die Politik wieder in die Quere: Der damalige Sicherheitsdirektor Hanspeter Gass wollte selber die Kriminalstatistik präsentieren. Fabbri gewann den Machtkampf, nicht aus Eitelkeit, sondern aus Prinzipientreue: Ihm ging es um die Gewaltentrennung. Kurz darauf verschwand der medienscheue Staatsanwalt im Inneren des Waaghofs. Mit Baschi Dürr klappte die Aufteilung besser. Für seine unprätentiöse Art holt sich Fabbri durchs Band gute Noten ab. So gut, dass er kürzlich sogar für die Nachfolge von Thomas Lauber als Bundesanwalt der Schweiz in Frage kam. Fabbri winkte schnell ab. Zu viel Politik. So ganz von ihr loskommen wird Fabbri in Bellinzona nicht. Nach Mobbing- und Sexismusvorwürfen gerät das Bundesstrafgericht wieder näher in die Augen der Bundesparlamentarier.

Aber immerhin: Von Bern dauert die Fahrt nach Bellinzona noch acht Minuten länger als von Basel.

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