Energiewende
Energiewende steht für Eigenständigkeit und Atomausstieg

Der Trend der jüngsten Zeit, dass sich regionale Stromversorger mittlerer Grösse für gemeinsame Projekte zusammenschliessen, ist auch zunehmend in der Schweiz zu spüren. Die Energiewende fördert die Zusammenarbeit.

Daniel Haller
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Das Kleinwasserkraftwerk Dornachbrugg ist sozusagen die Wiege der Kleinkraftwerk Birseck AG. zvg

Das Kleinwasserkraftwerk Dornachbrugg ist sozusagen die Wiege der Kleinkraftwerk Birseck AG. zvg

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Dafür bezeichnend ist, dass am Donnerstag Energie Wasser Bern (EWB) ihre drei Kleinwasserkraftwerke in Frankreich in die Birseck Hydro SAS, eine französische Tochtergesellschaft der Kleinkraftwerk Birseck AG (KKB), eingebracht hat. Dafür erhielt EWB Aktien der Birseck Hydro SAS.

Dies ist ein weiteres Beispiel für den Trend der jüngsten Zeit: Regionale Stromversorger mittlerer Grösse schliessen sich für gemeinsame Projekte zusammen. Tubosol PE2, Geo-Energie Suisse, Leading Swiss Renewables AG oder Helvetic Wind (siehe unten) wurden alle in den letzten zwei bis drei Jahren gegründet. Auch die KKB ist erst siebenjährig. Und an allen ist mindestens ein Baselbieter Energieversorger beteiligt.

Neue, bezahlbare Technologien

EWB-Sprecher Raphael Wyss verweist zwar darauf, dass bereits früher die grossen Wasserkraftwerke der Alpen von jeweils mehreren Partnern gebaut wurden. In der Tat ist beispielsweise die IWB unter anderem an Grand Dixence beteiligt. Doch EBM-Sprecher Joachim Krebs erinnert daran, dass da jeweils Beteiligungen in einer Grössenordnung nötig waren, welche die Kapitalkraft der Kleinen und Mittleren überstieg.

Dies verweist auf den ersten Grund für die Kooperation: Die neuen erneuerbaren Energien wie Wind- und Kleinwasserkraft sowie Solarstrom sind auch für regionale Versorger erschwinglich.

Hinzu kommt die anstehende Strommarkt-Liberalisierung: «Nur wer eine eigene Stromproduktion hat, kann mitreden», ist Krebs überzeugt. EBL-Geschäftsleiter Urs Steiner ergänzt: «Die Mittleren wollen eigenständig bleiben. Dafür bündeln sie ihre Kräfte.» Im Klartext: «Gemeinsam kann man Investitionsrisiken besser absichern», erklärt Krebs und nennt ein Wort, das auch Wyss erwähnt: «Man sucht Partner auf Augenhöhe.» In der Tat findet sich ein Grosser wie die BKW nur ausnahmsweise in den Kooperationsnetzen der Kleineren.

Energiewende fördert Kooperation

Wyss sieht keinen direkten Zusammenhang mit der Liberalisierung. Für EWB seien die neuen Netzwerke ein Mittel, um die Energiewende zu bewältigen und den Atomausstieg zu realisieren. Doch wurden die meisten Kooperationen schon vor Fukushima aufgegleist. Der Atomausstieg dürfte aber die Zusammenarbeit fördern, da die neuen Technologien die Innovationskraft kleinerer Unternehmenseinheiten erfordern.

Entsprechend formulierte Walter Steinmann, Direktor des Bundesamts für Energie, an der Einweihung von PE2 in Spanien: «Bisher hatten wir die grossen Strombarone. Künftig werden es viele mittlere und kleine sein, die den Strom produzieren.»