Fasnacht

Erfolgreiche Premiere – obwohl die Queen das Charivari im Stich lässt

Die Charivari-Premiere am Samstag war ein voller Erfolg. Mit den Raamestiggli zur Fusion von Baselland und Stadt sowie zu den Folgen der Altersdemenz brillierte das sechsköpfige Ensemble. Schnell war klar: Dieses Jahr gibt es keine schwache Nummer.

Sie gehören zusammen. Sie lieben sich, wie Romeo und Julia. Aber einfach ist es nicht, die Beziehung zwischen der Trommel und dem Piccolo. Beide wollen gross raus kommen mit ihrem Spiel. «Immer musst du nicht mitpfeifen», sagt die Trommel (Benjamin Merz). Ohne Trommel komme es sowieso besser zur Geltung, entgegnet das Piccolo (Colette Studer). Wie bei Shakespeare endet «Fascht e Liebesgschicht» - zumindest noch - nicht glücklich.

Das Publikum ist von Anfang an entzückt. Und die Zuschauer werden nicht enttäuscht, denn im Charivari ist kein Hänger auszumachen. Drei Basler Zunftmitglieder haben Baselbieter eingeladen, um das Verhältnis zum Landkanton zu festigen. Es fällt ihnen nicht leicht. Der Zunftmeister (Pirmin Muckenhirn) hat eine Willkommensrede vorbereitet, die man - so lieb sie gemeint ist - noch mal überarbeiten sollte, schlägt sein Zunftkollege (Niggi Reiniger) vor. Die Stadt sei für die Baselbieter ein Rammelparadies, das Zunftessen habe für diese die Bedeutung der Kundenweihnacht, steht drin.

Vorbereitung auf die alten Tage

Als die «Rampasse» kommen, wird dem Meister ein Geschenk übergeben. Er bedankt sich für den «Chuehpflätter vo dr Hülfteschanz.» Vroni (Stephanie Schluchter) hat Heimweh und möchte nur mit den Polen fusionieren. Deren Fahne habe dieselben Farben. An das «Raamestiggli» schliesst die «Drummelgrubbe vo dr Seibi-Clique» an. In schwarz-rot wirbeln sie den Marsch «Ohremyggeli». Zuerst spielen sie gegeneinander, dann - symbolisch - mischen sie sich.

Einer der zahlreichen Höhepunkte sind Frau Halbschueh am Rollator, Frau Nüssli mit zwei s wie «Sone Seich» und Frau Merian im Rollstuhl. Die drei betagten Damen müssen einen Workshop besuchen, um zu lernen, worauf sie sich zwischen Stützstrümpfen und dem Sargkauf vorbereiten müssen. «Ich zittere, also bin ich», erklärt Frau Nüssli.

Das ganze Charivari-Programm ist mit hervorragenden musikalischen Beiträgen angereichert. Die Charivari-Pfyffergrubbe tritt als Jäger mit Pfeil- und Bogen auf und spielt «Fuchs, du hast die Gans gestohlen». Die Fasnachtsgesellschaft Seibi Basel schlüpft nach Nüssli und Co. in die Rolle alter Damen und Herren und spielt «Sixty-Nine».

Nach der Pause gehts weiter mit dem gewaltigen Auftritt der Gugge «Schränz-Gritte», die das Volkshaus mit einem Medley zum Beben bringt. Dann trifft sich das Charivari-Ensemble beim Coiffeur wieder. Im Vorfeld hatte Produzent Erik Julliard angekündigt, jeden Abend sei ein internationaler Star eingeladen.

Heute wird Queen Elizabeth erwartet. Doch sie kommt nicht. Es wird Ersatz gesucht. Wer eignet sich da besser als Regierungspräsident Guy Morin. Zuerst muss er den Text lernen: «Can you shave my legs please», sagt er brav, krempelt das linke Hosenbein hoch und nimmt Platz. Immer wieder wird er auf Englisch angesprochen. «What do you like am Meischte?» Zum Antworten kommt er nicht. Es gibt nicht viel zu tun - die Lacher hat er auf seiner Seite.

Die Heilsarmee soll Rennen fahren

Auch der Einkaufstourismus der Basler nach Lörrach in den Hieber, findet Platz im Charivari. Sogar der Gründervater des deutschen Ladens, übernimmt einen Part. Immer wieder wird er in einem Film eingespielt und trägt einen Werbespot vor.

Den zwei Schnitzelbängg «Dr Heiri» und die «Seibi-Stroossebängg» steht ein hervorragender Jahrgang bevor. Die Schweizer Männer seien in der Abfahrt eine Katastrophe, rappt Heiri. Er schlägt vor, die Heilsarmee auf die Piste zu schicken. Und obwohl man sagt, die Baselbieter leben hinter dem Mond, kennt er in Buckten eine Gartenbeiz, die nach 22 Uhr noch geöffnet hat. Die Seibi tritt zu neunt auf und schlägt Putin vor, Grossrat Eric Weber die russische Staatsbürgerschaft anzubieten. Schauspieler Gérard Depardieu habe den Pass ja bekommen.

An entzückenden kleinen Einlagen fehlt es beim Charivari dieses Jahr auch nicht. Zum Beispiel treten immer wieder ein Pfeifer und ein Tambour auf. Sie bereiten sich auf ihren Marsch vor. Aber irgendwie finden sie den Anfangston nie. Und was ist mit der Liebesgeschichte, die am Anfang des Programms beginnt?

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1