Bank Sarasin
Eric Sarasin soll die Bank J. Safra Sarasin den Baslern vertraut machen

Die neueste Bereinigung bei der Bank J. Safra Sarasin macht den Familienspross Eric Sarasin zum stellvertretenden Konzernchef. Dass manche seinen Aufstieg belächeln, weiss er genau.

Iso Ambühl und Christian Mensch
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Die Rolle ist ihm auf den Leib geschrieben: Der diskrete Banquier, der mit Charme und Überzeugung neue Kunden begeistert.

Die Rolle ist ihm auf den Leib geschrieben: Der diskrete Banquier, der mit Charme und Überzeugung neue Kunden begeistert.

Keystone

Eric Sarasin hat eine Botschaft: «Die Bank ist wieder in Familienhand.» Gemeinsam führten die Safras und die Sarasins das Bankhaus. Edmond Michaan, ein Safra, ist Konzernchef; Eric Sarasin selbst stellvertretender Konzernchef. «Es hätte auch umgekehrt sein können», sagt Eric Sarasin, um gleich anzufügen, weshalb es ist, wie es ist: «Die Safras haben zwei Milliarden ausgegeben, da wollen sie natürlich auch das Sagen haben.»

«Zurück zu den Wurzeln»

Sarasin (55) kämpft um Anerkennung. Viel Falsches werde derzeit geschrieben, sagt er. Neider würden die fusionierte Bank J. Safra Sarasin schlechtreden. Dabei könne man doch stolz darauf sein: eine international aufgestellte Privatbank mit Sitz in Basel, die so solid eigenfinanziert ist wie keine andere.
Sarasin wirbt: Es sei ein «zurück zu den Wurzeln», das Ende der vom Management geführten Bank. Die Eigner hätten die Fäden wieder in die Hand genommen. Und er selbst, so Sarasin, habe dazu in den vergangenen Tagen und Wochen viel beitragen können. Die Gespräche seien direkt von Familie zu Familie geführt worden, sagt Sarasin. Vielleicht auch nicht ganz auf Augenhöhe.

Jacob Safra (1891-1963), Gründer der brasilianischen Finanzgruppe Safra, wusste, was eine starke Bank ausmacht: «Wenn du dich entschliesst, ins Bankengeschäft einzusteigen, dann baue deine Bank wie ein Schiff, das stark genug ist, sicher durch jeden Sturm zu segeln.» Das Zitat prangt auf dem Umschlag des Jahresberichts der neuen Bank J. Safra Sarasin. Es macht die Machtverhältnisse klar. Die neuen Eigentümer reorganisieren die Bank nach Belieben. Die Eiche im Sarasin-Signet wurde wegen des Familienwappens der Safra nach rechts verschoben.

«Safra demontiert die Bankmarke Sarasin»

Sarasin signalisiert dagegen Kontinuität, versucht, die Lage zu beruhigen. Doch nicht nur der bisherige Konzernchef Joachim Strähle ist weg, auch die beiden Mediensprecher sind weg. Der personelle Aderlass trifft besonders auch den Bereich der nachhaltigen Vermögensverwaltung. Ein Kernstück der Bank. Das Finanzportal Finews spricht davon, Safra demontiere «die einst grossartige Bankmarke Sarasin». Die Nachhaltigkeitsstrategie werde über Bord geworfen. Eric Sarasin ist dazu das Gegenargument. Denn Glaubwürdigkeit ist ihm im Bereich der Nachhaltigkeit nicht abzusprechen: Als ehrenamtlicher Kassier hat er sich für die WWF-Stiftung engagiert und als früherer Unterstützer der Genfer Anlagestiftung Ethos setzt er sich für nachhaltige Entwicklung ein.

Und doch: Für ein Mitglied einer Basler Daig-Familie ändert sich nichts daran, dass der Banquier den Aufstieg zum stellvertretenden CEO allein seinem Namen verdanke. Er sei die «Dekoration», die dafür sorge, dass reiche Schweizer aus Angst vor den neuen Besitzern der Bank Sarasin nicht ihr Geld abziehen könnten. Sarasin: «Hier wird das Gespenst der schlimmen Brasilianer an die Wand gemalt.»

Kundengelder fliessen ab

Die Konkurrenz freuts dennoch. Etwa die Bank La Roche, wo heute der frühere Sarasin-Partner Philip BaumannSarasin Teilhaber ist, und die Dreyfus Söhne & Cie AG. Oder die Privatbanken E. Gutzwiller & Cie und Baumann & Cie, bei denen die Teilhaber wie einst bei der Bank Sarasin unbeschränkt persönlich haften. Wettbewerb droht auch von der kleinen Sallfort Privatbank AG, in der seit April der ehemalige Sarasin-CEO Peter Merian im Verwaltungsrat mitwirkt. Seit den Diskussionen um die Safra-Übernahme sind Kundengelder abgeflossen: Ende 2010 zählte man 103 Milliarden Franken, ein Jahr später 96 Milliarden Franken und nach dem Zusammenschluss mit Safra waren es gemäss Geschäftsbericht von 2012 insgesamt 130 Milliarden Franken an verwalteten Vermögen.

Der Stadt verpflichtet

Der Basler Geldadel ist allerdings schon seit dem Börsengang der Bank Sarasin von 1987 und nach dem ersten Verkauf der Mehrheit 2007 an die holländische Rabobank, einer Genossenschaft, auf dem Rückzug. Doch Sarasin gibt sich kämpferisch, sagt, dass bei Sarasin geblieben sei, wer rechnen könne. Und die Bank bleibe der Stadt verpflichtet. Auch Safra bekenne sich zu Basel, habe die Holding hierher gezügelt. Sarasin macht ein Versprechen: J. Safra Sarasin werde sich öffnen, künftig regelmässig und offen kommunizieren und die Eigner werden sich in der Stadt zeigen. Mit Eric Sarasin haben sie den perfekten Fremdenführer.

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