Das Nein des Baselbiets zur Theater-Subvention ist eine finanzielle Absage an Basel-Stadt. Fühlt sich auch das Theater Basel als Institution als Verlierer?
Georges Delnon:
Ja, wir sind Verlierer. Wir sind zwar nicht die einzigen Verlierer, aber wir gehören dazu, mit unserem Publikum und unseren Angestellten. Zu den Verlierern gehört aber auch die Regierung des Kantons Baselland, die mit einem partnerschaftlichen Projekt gescheitert ist, hinter das sie gestanden ist. Verloren haben auch alle, die Kultur für ein wichtiges Gut halten. Und schliesslich hat auch die Region verloren: Die Region ist nicht als Einheit aufgetreten.

Hat das Theater zu wenig Rückhalt – auch in den stadtnahen Gemeinden?
Ja, leider. Das Theater nimmt durch dieses Nein Schaden, obwohl die Abstimmungssieger das Gegenteil behaupten.

Sie haben die gescheiterte Vorlage nicht ausgearbeitet.
Ja, das ist mir klar. Es hat auch ein Mosaik von Gründen zum Nein geführt: die Staatsschulden, das rote Budget, der ungünstige Zeitpunkt der Abstimmung, die Ressentiments zwischen den beiden Kantonen, der schwierige Stand der Hochkultur bei ihren Kritikern. Unter dem Strich aber ist es vor allem ein Entscheid gegen das Theater Basel, das lässt sich nicht schönreden. Das darf man auch nicht schönreden.

Jetzt liegt es an der Theatergenossenschaft, eine neue Lösung für das Finanzierungsproblem zu suchen.
So ist es. Verwaltungsrat und Direktion haben aufgezeigt, wie sie die nächsten vier Jahre wirtschaftlich bewältigen wollen, um den Leistungsauftrag zu erfüllen. Das wissen alle Beteiligten. Es kann jetzt nur darum gehen, eine neue Finanzierungslösung zu suchen.

Das Abstimmungs-Nein könnte auch dazu führen, dass die Forderung nach einem Leistungsabbau gestellt wird. Haben Sie sich schon überlegt, wo oder in welcher Sparte gekürzt werden müsste?
So weit sind wir noch nicht. Zuerst muss die Regierung von Basel-Stadt sagen, wie es weitergehen soll. Abgelehnt wurde ein partnerschaftliches Geschäft. Der eine Partner muss deshalb reagieren, nachdem der andere ausgestiegen ist.

Haben Sie und das Theater im Moment keinen Plan B?
Wir haben mehr als Plan B, C, D, E und F diskutiert. Im Vorfeld der Abstimmung wurde vieles erwogen. Doch der Ball ist zuerst beim Stadtkanton. Dieser muss sagen, wie es weitergehen soll. Immerhin hat selbst die Finanzkontrolle Baselland bestätigt, dass es zusätzliche Finanzen für den Betrieb braucht.

Die Gegner der Theatersubvention haben Vorschläge gemacht, wo mehr Mittel zu holen sind: bei den Billettpreisen und beim Sponsoring, bei den an Basel angrenzenden Gemeinden.
Damit kann man niemals jene Finanzmittel generieren, die nötig sind. Aber wir verschliessen uns nicht davor, diese Vorschläge zu prüfen. Wir sind uns bewusst, dass auch das Theater einen finanziellen Beitrag an die eigene Zukunft leisten muss, etwa über Preiserhöhungen. Aber das allein reicht nicht. Ein Szenario kann auch die Verkürzung der Spielzeit sein.

Wird das Theater Basel am Montag bereits aktiv?
Der Verwaltungsrat wird sicher schon morgen aktiv.

Und auf Ihrer Ebene? Hat das Abstimmungsresultat jetzt unmittelbare Auswirkungen auf die künstlerische Tätigkeit des Theaters?
Nein. Die jetzige und die nächste Spielzeit sind geplant. Wir haben finanziell konservativ budgetiert. Wenn ein Einschnitt nötig wird, dürfte dieser 2012/13 erfolgen.

Wie gross ist Ihre persönliche Enttäuschung als Kulturschaffender und Theatermacher?
Ja, ich bin enttäuscht. Ich bin für das Mehrheitsprinzip und möchte auch gerne Theater für eine Mehrheit machen. Nach sechs Wochen Abstimmungskampf ist es auch persönlich eine herbe Niederlage.

Haben Sie Pläne, das Theater Basel zu verlassen?
Nein. Meine persönliche Empfindlichkeit ist auch nicht so wichtig. Ich habe einen Vertrag bis 2016 und gehe davon aus, dass ich ihn erfülle. Allerdings nicht um jeden Preis.