Blätzbums, wie die einzige Schweizer Hafenstadt im Volksmund genannt wird, als eine Fasnachts-Hochburg mit Tradition zu bezeichnen, wäre etwas übertrieben. Aber bezüglich vorfasnächtlicher Veranstaltung ist die Blätzbums-Opéra weit über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt. An drei Abenden am vergangenen Wochenende war die Aula des Rheinpark-Schulhauses nahezu ausverkauft und das Publikum honorierte den 150-minütigen Auftritt der Aktiven und Fasnächtler mit tosendem Applaus.
«Vielleicht waren in diesem Jahr die Pointen nicht ganz so giftig wie sonst. Aber wer genau zuhörte, bekam die feine Satire mit», meinte nach der Premiere am Freitagabend Heinz Conrad, Mitglied des Birsfelder Fasnachts-Comité

Dass in Birsfelden Polit-Wirren herrschen, ist nicht neu. Und kommt dem siebenköpfigen Schauspieler-Ensemble mit Reto Caccivio an der Spitze wohl entgegen. Auch heuer war (Noch-)Gemeindepräsident Claudio Botti (siehe Bericht auf Seite 21) in den meisten Nummern ein Thema. Grandios das Zwiegespräch von Botti (Theo Hostettler) mit dem abgewählten SVP-Gemeinderat Claude Zufferey, der - als Teufel dargestellt - von Caccivio parodiert wurde.

Claudio Botti bietet viel Stoff

Zufferey, der Birsfelden mittlerweile im Zorn in Richtung Arisdorf verlassen hat, und Botti (CVP) bildeten während ihrer gemeinsamen Exekutivzeit eine auf den ersten Blick zwar politisch unheilige Allianz, doch die vielen gemeinsamen Stunden im Juweliergeschäft von Zufferey waren über Jahre hinweg Gesprächsthema im Dorf. Und Nahrung für viele Blätzbums-Opéras. Weitere Themen waren die neue (schräge) Birsbrücke und der radikale Umbau des Coop-Ladens an der Hauptstrasse.
Mit dem Prolog und Epilog waren es 17 Nummern, welche die Besucher zu sehen und hören bekamen. Grandios der Auftritt der Birsfelder Guggenmusik Unschlyssige, die dem Publikum spontanen Applaus entlockten. Waren die Bängg der Gasladärne (ein Basler Comité-Schnitzelbangg übrigens) noch national geprägt (von SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli bis zum Schweizer Bankenplatz), so befasste sich der Dr Uffgweggt mit dem Birsfelder Alltag.

Da durfte Diego Persenico, der nimmermüde Lesebriefschreiber und wohl populärster Einwohner, ebenso wenig fehlen wie Bonmots und Satire über die Personalfluktuationen, Machenschaften und Umstrukturierungen in der Gemeindeverwaltung. An deren Ursprung meist - richtig erraten - Claudio Botti steht. Herausforderer Christof Hiltmann war übrigens an der Samstagabend-Vorstellung zugegen, wie Gemeinderatskollegin Brigitte Schafroth Bendel, zugegen, während Walter Märki und Regula Meschberger (beide SP) die Premiere am Freitag besuchten.

Dummerchen-Parodie

«Es ist grandios, was diese Laien-Schauspieler bieten. Mir hat die Vorführung gefallen», so Pascal Donati, der nicht nur Präsident und Trainer des CVJM Birsfelden Basket ist, sondern neu aktiv in die Gemeindepolitik (als Kandidat für den Gemeinderat und Mitglied der Geschäftsprüfungskommission) eingestiegen ist. Vor allem das Rahmestigg mit dem Titel «Fremdwörter» genügte allerhöchsten Ansprüchen. Zwei alte Schulfreundinnen treffen sich nach langer Zeit erstmals wieder. Und die Blondine, perfekt als Dummerchen parodiert, kokettierte beim Kaffee mit ihrer ehemaligen Schulkollegin und Klassenbesten, mit Fremdwörtern, die allesamt falsch und verkehrt eingesetzt wurden und den Sätzen teils groteske Züge verliehen. Eine schreiberische Meisterleistung und perfekt gespielt.
Kurz: Vielleicht wird sich in Birsfelden einiges verändern. Doch beim Epilog versprach das Septett Caccivio, Franziska Friedmann, Hostettler, Martin Mangold, Luca La Rocca, Bettina Scheibler und Noemi Ziltener: «Auch im nächsten Jahr wird es eine Blätzbums-Opéra geben. Von Birsfeldern für Birsfelder und jene, die ihr Herz an Birsfelden verloren haben».