Arrogant? Streng? Unsicher? Wer Esther Maag zum ersten Mal begegnet und sie noch nicht näher kennt, mag verunsichert sein. Sie geht nicht offen auf Menschen zu. Ist zurückhaltend. Abwartend. Springt der Funke dann aber über, erscheint ein herzliches, ehrliches Lächeln auf ihrem Gesicht. «Sie sind ja gar nicht so schlimm, wie ich gedacht habe», ist eine Reaktion, die Maag hin und wieder zu hören bekommt.

Auch die beruflichen Tätigkeiten und die politischen Ambitionen der 47-Jährigen erschliessen sich nicht auf den ersten Blick. Auf dem Höhepunkt ihrer parlamentarischen Karriere – nach einem erfolgreichen Jahr als höchste Baselbieterin und insgesamt dreizehnjähriger Amtszeit im Landrat – verabschiedet sich die Grüne 2008 von der politischen Bühne. Vorerst. Sie widmet sich ihrer anderen Leidenschaft, dem Journalismus. Beim Regionalsender Telebasel nimmt sie eine 20-Prozent-Stelle an, baut das Sendegefäss «061 live» mit auf und moderiert die Sendung auch. Es ist ihre erste Anstellung überhaupt. Denn seit Maag mit 20 Jahren ihre Ausbildung an der deutschen Journalistenschule in München und danach ihr Psychologiestudium absolviert hat, ist sie selbstständigerwerbend als Journalistin, Projektleiterin und Erwachsenenbildnerin.

Bei Tele Basel entlassen

Ihr Ausflug in die Welt des Journalismus dauert aber nicht lange. Weil sie offensichtlich nicht mit der Politik abgeschlossen hat und mit dem Gedanken spielt, für den Regierungsrat zu kandidieren, entlässt sie Telebasel-Chef Willy Surbeck. Unverständlich für Maag. «Schade, dass Journalismus und eine politische Aktivität nicht miteinander vereinbar sein können», findet die Grüne heute noch. Esther Maag steht nach diesem Rückschlag wieder auf und lässt sich auf Empfehlung ihrer Sektion als Regierungskandidatin aufstellen. Nominiert wird aber der engagierte Sissacher Isaac Reber. «Zum Glück», sagt Maag jetzt, «Isaac hat immer an den Sitz geglaubt – ich nicht».

Aufgeben mag die leidenschaftliche Langstreckenläuferin aber nicht. Sie packt die nächste Gelegenheit beim Schopf und kandidiert für die Nationalratswahlen vom 23.Oktober. Die Chancen, ihren Platz als Erstnachrückende von Maya Graf zu verteidigen, stehen nicht schlecht. Allerdings zeichnet sich ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen mit Philipp Schoch ab. Denn das Ziel des Grünen-Präsidenten ist klar: Er will nach Bern und dort in Grafs Fussstapfen treten. Den listeninternen Konkurrenzkampf spürt Maag sehr wohl, fürchtet ihn aber nicht. Ausserdem weiss sie: «Auch in Konkurrenzsituationen arbeiten wir Grüne nie gegeneinander. Intrigen wie bei anderen Parteien gibt es bei uns nicht.»

Rivalität mit Maya Graf

Deshalb gibt die Erwachsenenbildnerin auch offen zu, dass zwischen ihr und Maya Graf durchaus eine gewisse Rivalität besteht. Aufgeflammt sei diese ab und zu, als sie beide noch im Landrat waren. «Es ist wohl besser, wenn wir in verschiedenen Bereichen tätig sind, dann profitiert die Partei am meisten von uns», sagt sie und lacht. Maag schätzt ihre erfolgreiche Parteikollegin gleichzeitig sehr und ist froh, dass sie Meinungsverschiedenheiten immer «auf Augenhöhe» ausfechten konnten.

Sollte es mit ihren Nationalratsplänen ebenfalls nicht klappen, sucht Maag weiter nach dem Weg zurück in die aktive Politik. Die Nationalratswahlen im Jahr 2015 sind eine Option für sie. Aber auch ein Sitz im Liestaler Stadtrat wie einst ihre Mutter Annemarie Maag könnte sie reizen. Ob in der Legislative oder in der Exekutive, das spielt für die zweifache Adoptivmutter keine Rolle. «Wichtig ist, dass man etwas bewirken kann.»

Trotz politischer Ambitionen hat Esther Maag das Kapitel Journalismus nicht abgeschlossen: «Es sind nicht zwei Seelen in meiner Brust, es ist ein und dieselbe.» Deshalb sucht sie nach einem Weg, die beiden Dinge unter einen Hut zu bringen. Ihr schelmischer Blick verrät, dass sie diesen irgendwann auch finden wird. Bis dahin arbeitet sie an anderen Projekten weiter. Worum es sich dabei genau handelt, will Maag aber nicht verraten. Nur so viel: «Es stehen verbandspolitische Pläne an.»