Für die erwartete Zunahme bei den Baselbieter Gesundheitskosten hatte das «Regionaljournal Basel» diese Woche eine etwas vorschnelle Erklärung bereit: So habe es im letzten Jahr 30 Prozent mehr Krebsbehandlungen gegeben als im Jahr zuvor. Das löste Alarm aus. Selbst der «Blick» spekulierte über einen «Millionen-Bschiss» an den Baselbieter Spitälern. Denn: Dass es in einem Jahr fast ein Drittel mehr Krebspatienten gebe, sei schlicht unmöglich.

Schon im vergangenen November ging die bz der Frage nach, warum die Statistik in den vergangenen Jahren einen Zuwachs an Krebspatienten verzeichnete. Es stellte sich heraus, dass verschiedene Gründe ausschlaggebend waren; nur nicht, dass die Gefahr von Tumorerkrankungen im Landkanton drastisch zugenommen hätte. So sind in der Statistik beispielsweise nur die Austritte angegeben, nicht die Fälle. Und heute tendiert man dazu, die Krebskranken vermehrt ambulant zu behandeln – was mehrere Einzelbehandlungen zur Folge hat.

Basel mit «Effizienzsteigerung»

Nicht von der Hand weisen lässt sich aber, dass die Kosten im Baselbieter Gesundheitswesen zunehmen – stärker als budgetiert. Es sind Kosten, die auch nach der Verselbstständigung der Spitäler auf den Steuerzahler zurückfallen. Dieser berappt 55 Prozent der Fallpauschalen bei stationären Eingriffen.

Wie es zu einer derartigen Zunahme kommt, ist ein Rätsel. Denn: In Basel-Stadt hat seit der Einführung des neuen Krankenversicherungsgesetzes ein Rückgang bei den Kosten im stationären Bereich stattgefunden. Zum einen registriert man hier die erhoffte «Effizienzsteigerung», wie Peter Indra vom Basler Gesundheitsdepartement sagt. «Weil nach Fällen und nicht nach Aufenthaltsdauer abgerechnet wird, behalten die Spitäler die Patienten tendenziell kürzer», führt Indra aus.

Zudem geht er von einem leichten Trend hin zu ambulanten Behandlungen aus, die nicht über den Steuerzahler abgewickelt werden, sondern lediglich über die Krankenversicherung. Von einem solchen Trend ist im Baselbiet aber nicht die Rede. «Wir haben eine rechte Zunahme an Gesundheitskosten», konstatiert Olivier Kungler, Generalsekretär der Baselbieter Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion. In diesem Jahr rechnet Baselland im Rahmen der Erwartungsrechnung mit 335 Millionen, was gegenüber dem Vorjahr einem Anstieg um fünf Millionen Franken entspricht. Schon zwischen 2012 und 2013 gab es eine Zunahme um acht Prozent. Dass man damit deutlich über Budget lag, begründet Kungler mit der fehlenden Erfahrung mit dem neuen Krankenversicherungssystem: «Das Budget 2013 wurde Mitte 2012 erstellt. Es gab zu diesem Zeitpunkt noch gar keine Erfahrungswerte. Kommt dazu, dass der Landrat selber das Budget um 5 Millionen Franken gekürzt hat.»

KSBL mit weniger Beiträgen

Dass es eine leichte Zunahme bei den Krankheitskosten gibt, liegt gemäss Kungler auf der Hand: «Selbstverständlich ist das Kostenwachstum auch auf eine Zunahme der Leistungen zurückzuführen. Das hat mit dem medizinischen Fortschritt, dem Ausbau des Angebots durch die Spitäler und der demografischen Entwicklung zu tun.» Das werde sich auch in der Zukunft nicht ändern, glaubt der VGD-Generalsekretär. Trotzdem findet er es richtig, das System auf mögliche kostendämpfende Massnahmen hin zu untersuchen. So plant die landrätliche Finanzkommission, dem Landrat einen Antrag für eine externe Expertise zu machen.

Die Frage ist nicht zuletzt, ob die Spitäler in den ertragreichen Disziplinen mehr Eingriffe als nötig vornehmen. Sprecherin Christine Frey glaubt nicht, dass am KSBL seit der Abrechnung nach Fallpauschalen das Interesse an gewinnorientierten Eingriffen gestiegen und das Kantonsspital somit Kostentreiber im Gesundheitswesen sei. «Das KSBL hat im vergangenen Jahr sogar weniger Leistungsbeiträge vom Kanton Baselland bezogen als 2012», sagt sie. Die genauen Zahlen werden indes erst in den nächsten Tagen publik, wenn das Spital seine Geschäftszahlen veröffentlicht.