Die Heimreise der FCZ-Fans am Sonntagabend nach der 1:5-Niederlage in Basel hat hohe Kosten zur Folge. Randalierende richteten im Extrazug und nach einem Notstopp auch in und um den Bahnhof Pratteln BL massiven Schaden an.

Bereits während des Spiels im St. Jakob-Park zündeten Chaoten im Gästesektor Knallpetarden und warfen Pyro-Fackeln aufs Spielfeld. Der Match musste aus Sicherheitsgründen für zehn Minuten unterbrochen werden. Auf der Heimfahrt im Extrazug wüteten die Chaoten weiter.

«Im Zug wurden acht Fensterscheiben zerschlagen, Gummidichtungen von Fenstern gewaltsam entfernt, mehrere Sitzpolster herausgerissen und angezündet und Lampenabdeckungen heruntergerissen», sagte SBB-Sprecher Christian Ginsig gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Allein der Sachschaden belaufe sich auf mehrere tausend Franken. Dazu kommen weitere Kosten aufgrund des Notstopps.

FCZ-Fans hatten in Pratteln zwei Mal die Notbremse gezogen und den Zug verlassen. Beim Bahnhof und im angrenzenden Quartier kam es zu Sachbeschädigungen von mehreren zehntausend Franken, wie die Polizei Basel-Landschaft am Montag mitteilte. Unter anderem schlugen die Chaoten auf Schaufenster und parkierte Fahrzeuge ein.

Polizisten seien teilweise massiv bedroht, mit Schottersteinen und Petarden beworfen und mit einem Laserpointer geblendet worden. Die Einsatzkräfte setzten sich mit Gummischrot zur Wehr. Mit einer Portion Glück habe es auf beiden Seiten keine Verletzten gegeben, sagte ein Polizeisprecher.

Ein einfahrender Güterzug musste notfallmässig abbremsen, um eine Kollision mit den FCZ-Anhängern auf den Gleisen zu verhindern. Aus Sicherheitsgründen stellte die SBB den Bahnverkehr für rund eine halbe Stunde ganz ein. Insgesamt neun Züge im Regional- und Fernverkehr fielen aus, weitere Züge verkehrten mit Verspätungen.

Zahlungen wegen verpasster Flüge möglich

Der Notstopp hat bei der SBB weitere Ausgaben von einigen tausend Franken zur Folge. Der Ausfall und das Umdisponieren von Zügen führe zu mehr Personalaufwand, sagte Ginsig. Zudem müsse die SBB mit «kundendienstlichen Forderungen» rechnen - etwa von Kunden, die wegen Zugausfällen auf ein Taxi umsteigen mussten oder einen Flug verpassten. Mögliche weitere Folgekosten bei Notbremsungen könnten durch die Abnutzung an den Rädern des Zuges entstehen.

Für die durch die FCZ-Chaoten verursachten Zusatzkosten aufkommen muss die SBB selbst. «Am Ende bezahlen die Bahnkunden über die Billettpreise dafür», sagte Ginsig. Pro Jahr entstehen der SBB gemäss eigenen Angaben für Fantransporte ungedeckte Kosten von rund drei Millionen Franken.

Für die Vandalenakte und auch das unrechtmässige Ziehen der Notbremse könnten die Täter zwar theoretisch belangt werden - in der Praxis geschieht dies aber kaum je. «Aus juristischer Sicht müssten wir nachweisen können, welche Person die Tat begangen hat. In einem Schwarm von Fans ist es aber kaum möglich, eine einzelne Person zu identifizieren.»

Nationalrat gegen Fanzug-Pflicht

Ständerat und Bundesrat wollten randalierende Fussballfans mit einer Änderung im Personenbeförderungsgesetz stärker zur Kasse bitten. Der Nationalrat wischte die Fanzug-Pflicht im vergangenen Herbst aber als nicht umsetzbar und nicht zielführend vom Tisch. Vorgesehen gewesen war eine Lockerung der Transportpflicht für Unternehmen des öffentlichen Verkehrs.

Fans sollten gezwungen werden können, mit Extra-Zügen oder -Bussen an Spiele zu reisen. Ausserdem hätte mit der Gesetzesänderung eine Rechtsgrundlage geschaffen werden sollen, um Sportclubs unter bestimmten Voraussetzungen für Schäden haften zu lassen, die ihre Fans angerichtet haben.

«Mit dieser Gesetzesänderung hätten wir ein Druckmittel gehabt, um die Fussballclubs dazu zu bringen, Charterverträge mit uns abzuschliessen», sagte Ginsig. «Mit Charterverträgen wären die Clubs dazu verpflichtet gewesen, die Kosten für Schäden zu tragen, sofern nicht die verursachenden Fussballfans zur Verantwortung gezogen werden können.»

Die SBB habe mit allen Schweizer Fussballclubs das Gespräch gesucht. «Mit Ausnahme von YB war kein einziger bereit, eine gewisse Verantwortung zu übernehmen.» Der Berner Fussballclub Young Boys hat mit der SBB seit Längerem einen Kooperationsvertrag. Dabei haftet der Club zwar nicht für Sach- und Personalschäden, entlastet aber vor allem das Personal der SBB.

Clubs wollen nicht zahlen

Auch Claudius Schäfer, CEO der Swiss Football League (SFL), lobt YB als Vorzeigemodell. Dieses sei aber nicht für alle Clubs die richtige Lösung. «Heute funktioniert der Fantransport einigermassen gut. Einige Clubs befürchten eine Verschlechterung, wenn sie selbst als Organisatoren auftreten.» Neben YB gebe es aber weitere gute Beispiele für gelungene Fantransporte. Bei einigen Clubs sorgten Fanorganisationen dafür, dass die Extrazüge nach dem Transport aufgeräumt werden.

Von einer Kostenübernahme der Clubs bei Schäden in Extrazügen will Schäfer nichts wissen: «Die Fussballclubs sind nicht bereit, für Schäden zu haften, die irgendwelche Chaoten begangen haben. Das widerspricht klar dem Verursacherprinzip.» Diese Chaoten hätten auch wenig mit den Clubs zu tun. «Ein normaler Fan benimmt sich nicht so», ist Schäfer überzeugt.