Filmreihe
Adam Driver spielt im Stadtkino Basel auf

Der US-Amerikaner hat sich als Filmbösewicht einen Namen gemacht, setzt als Schauspieler aber auf Teamgeist und feine Töne.

Hannes Nüsseler
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Kein Freund der Solotrompete: Adam Driver mit Scarlett Johansson in «Marriage Story».

Kein Freund der Solotrompete: Adam Driver mit Scarlett Johansson in «Marriage Story».

Netflix

Wenn der «Star Wars»-Finsterling sein Haus in Brooklyn, New York, verlässt, grüssen ihn die Kinder höflich. «Guten Morgen, Kylo Ren!» Und Adam Driver, der 1 Meter 90 grosse Ex-US-Marinesoldat, der dort mit seiner Familie lebt, grüsst zurück: «Morgen. Kylo braucht seinen Kaffee, gebt mir eine Sekunde.»

Dass Driver auch ohne Lichtsäbel Funken sprüht, beweist das Stadtkino Basel mit seiner aktuellen Filmreihe «Adam Driver – einer für alle». Als Aussenseiter und «Fight Club»-Vernarrter aufgewachsen, meldete sich der Kalifornier einen Monat nach 9/11 zum Militär. Und schied kurz vor dem Irakkrieg wieder aus, weil er sich beim Mountainbike-Fahren das Brustbein gebrochen hatte.

Disziplin half Driver über das jähe Karriereende hinweg – und durch eine renommierte Schauspielschule in New York, wo er erstmals lernte, seine Gefühle in Worte zu fassen. Das Erforschen der eigenen Verletzlichkeit, so stellte der ehemalige Soldat fest, war als Dienst an der Menschheit nicht zu unterschätzen. Vor allem, so Driver, erfordere das Schauspiel auf der Bühne und vor der Kamera eine ähnliche Herangehensweise wie ein militärischer Einsatz: Das Ego zählt nichts, der Auftrag alles.

Bittersüsser Trennungsschmerz auf der Leinwand

Und so sehen wir Adam Driver, der durch Lena Dunhams «Girls» zum Millennial-Mädchenschwarm wurde, vor allem als hingebungsvollen Ensemble-Darsteller. Ob er mit Bill Murray Jagd auf Zombies macht in Jim Jarmuschs «The Dead Don’t Die» oder als jüdischer Cop weisse Suprematisten unterwandert in Spike Lees «BlacKkKlansman» – auf Driver ist Verlass. Auch sein Kylo Ren ist ja nicht wirklich böse; er hatte nur eine schlimme Kindheit.

Wie sensibel Driver den unfreiwilligen Grobian gibt, der andere aus schierer Gedankenlosigkeit verletzt, zeigt Regisseur Noah Baumbach in «Marriage Story». Darin führt Driver einen langsam eskalierenden Scheidungskrieg gegen seine Filmpartnerin Scarlett Johansson. Das Paar mit Kind arbeitet in derselben New Yorker Theaterkompanie, er als Regisseur, sie als Muse. Doch reicht das als Kitt nicht mehr, weshalb die Beziehung vor unseren Augen formvollendet zerfällt.

Wenn Johanssons Figur dem Noch-Ehemann vorwirft, er sei ein «villain», ein Schurke also, dann stimmt das nur bedingt. Sicher, er wünscht ihr im Affekt den Tod, schluchzt aber sogleich um Vergebung. Und er trägt zwar eine Klinge mit sich herum, dies aber an seinem Schlüsselbund – was zur wohl komischsten Szene im ganzen Film führt. Trotz bittersüssem Trennungsschmerz hört das Herz von «Marriage Story» nie zu schlagen auf und treibt das Filmpaar zu Höchstleistungen an: Driver und Johansson waren 2020 je für einen Oscar nominiert.

Dass sie beide leer ausgingen, dafür aber die grandiose Laura Dern in einer Nebenrolle als abgebrühte Scheidungsanwältin eine Auszeichnung erhielt, entspricht der Logik des filmischen Rosenkrieges. Es passt aber auch zu Drivers Arbeitsethos, der das ganze Team zum Glänzen bringen will. In diesem Sinn: Mission übererfüllt.

«Adam Driver – einer für alle», Stadtkino Basel. «Marriage Story», 13. Juni, 18 Uhr.