Fotovoltaik
Der Neubau des Amts für Umwelt und Energie produziert seinen Strom selbst

Das Gebäude an der Spiegelgasse wird im November eingeweiht. Die Medien konnten bei einem Rundgang einen ersten Blick auf den energieeffizienten Neubau werfen.

Elodie Kolb
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Der Neubau glänzt je nach Sonneneinstrahlung silbern.
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Der Wettbewerb für das Projekt brachte neben dem Gewinner noch weitere interessante Skizzen hervor: Das Projekt Rheingold von der agps architecture ltd in Zürich war zweitplatziert.
Das Projekt Adam und Eva erhielt den dritten Rang und wurde von Buchner Bründler AG Architekten BSA aus Basel entworfen.
Das Projekt Stadthaus erhielt den vierten Platz und wurde von Morger und Dettli Architekten aus Basel entworfen.
Auf dem fünften Platz ist das Projekt Basil der Stump udn Schibli Architekten BSA ebenfalls aus Basel.
Und den sechsten Platz ging an das Projekt Girasole der Zürcher Boltshauser Architekten AG.

Der Neubau glänzt je nach Sonneneinstrahlung silbern.

Nicole Nars-Zimmer

Der in der Sonne schimmernde Neubau des Amts für Umwelt und Energie (AUE) an der Spiegelgasse ist «ein Leuchtturm» des nachhaltigen Bauens. So bezeichnen es die Verantwortlichen am Medienrundgang am Montag. Aus der Cafeteria im siebten Stock sieht man über die Dächer der Basler Altstadt, im Hintergrund prangt das Meret-Oppenheim-Haus. «Der Neubau ist ein Zeichen für die Klimapolitik des Kantons Basel-Stadt», sagt Kaspar Sutter, Regierungsrat und Vorstehender des Departements für Wirtschaft, Soziales und Umwelt.

Das achtgeschossige Gebäude sei in energetischer und bautechnischer Hinsicht vorbildlich. Mit der Fotovoltaikfassade – total seien etwa 1141 Quadratmeter mit Solarpanels bedeckt – deckt das Gebäude seinen Strombedarf und ist damit ein Kraftwerk. Geheizt werde mit Fernwärme. Der Bau selbst besteht aus Holz und Beton: Das Fichten- und Buchenholz stamme aus der Region, der Beton sei recycelt. Durch die regionalen Materialien habe man zudem die graue Energie deutlich senken können. Die Innenwände des hellen Baus sind gesäumt von Filz – bestehend aus recyceltem PET. «Der Boden schliesslich besteht aus Rheinkiesel», verkündet Sutter stolz. Auch Esther Keller, Regierungsrätin und Vorsteherin des Bau- und Verkehrsdepartements, zeigt sich zufrieden mit dem von Jessenvollenweider Architektur entworfenen Gebäude.

Mehrkosten und zwei Jahre Verspätung

«Wir wollen nachhaltig bauen, aber das birgt auch Tücken», räumt Keller dennoch ein: «Es gibt keine Standardware bei innovativen Projekten.» Die Vorstehende des Bau- und Verkehrsdepartements spricht dabei auch die Hindernisse und Rückschläge an, die den Bau des Gebäudes begleitet hatten. Gegen den Beschluss des Grossen Rats zur Finanzierung hatte ein bürgerliches Komitee das Referendum ergriffen und es gingen Einsprachen gegen das Bauprojekt ein. Diese hätten den Bau unerwartet verzögert.

Zudem habe sich während des Bauprozesses gezeigt, dass die vorgesehene Fotovoltaikanlage veraltet sei. Die mittlerweile deutlich effizienteren Fotovoltaiksysteme – sie produzieren rund 20 Prozent Energie mehr als ursprünglich errechnet – sind jedoch homogen schwarz und würden damit zu einer dunklen Fassade führen. Deshalb habe man die Oberfläche der Fotovoltaikanlage an das Stadtbild anpassen müssen. Die Oberfläche aus gehärtetem Schmelzglas und farbige Punkte führen nun dazu, dass das Gebäude je nach Lichteinfall mal dunkler erscheint und mal silbern, wie die Architekten erklären. Architekt Sven Kowalewsky sagt: «Wir hoffen sehr, dass es bei der Bevölkerung ankommt und die Menschen nicht nur vom schwarzen Klotz sprechen.» Auch ein Schutztunnel für die Trams habe sich als nötig erwiesen. Dies resultierte darin, dass der Grosse Rat Ende 2020 zu den budgetierten 16 Millionen noch weitere 2,35 Millionen sprach. Thomas Blanckarts, Leiter des Hochbaus beim BVD sagt nun aber kurz vor Abschluss des Projekts: «Den insgesamt bewilligten Kredit werden wir aber nicht nur nicht überschreiten sondern sogar unterschreiten.»

Die Entdeckung einer Kellerwand von etwa 1250 und deren Integration in den Neubau habe ebenfalls zu Mehrkosten geführt. Diese wurde als wichtiger Teil der Stadtgeschichte im Untergeschoss des Neubaus stehengelassen: Die archäologische Bodenforschung hat einen kleinen Raum eingerichtet, wo die alte Mauer von der Öffentlichkeit bestaunt werden kann und die Basler Geschichte medial aufbereitet wurde.

Die Wand sei von etwa 1250. Das AUE liess das historische Stück stehen.

Die Wand sei von etwa 1250. Das AUE liess das historische Stück stehen.

Nicole Nars-Zimmer

Nachhaltigkeit auf verschiedenen Ebenen

Das AUE geht mit der Umsetzung der Nachhaltigkeit jedoch weiter: Es gebe beispielsweise nur eine passive Belüftung, dafür eine automatisierte Nachtauskühlung des Gebäudes. «Aber wenn es eine Woche 38 Grad ist und in der Nacht nicht herunterkühlt, wird es in dem Gebäude schon heiss. Aber das ist auch ein Statement des AUE», sagt Architekt Sven Kowalewsky von Jessenvollenweider Architektur.

Ausserdem gebe es nicht für jeden Mitarbeitenden einen eigenen Sitzplatz: Für 15 bis 16 Mitarbeitenden pro Stockwerk seien es zwölf Arbeitsplätze. So könne man rund 20 Prozent der Arbeitsplätze einsparen, sagt Matthias Nabholz, der Leiter des AUE. Ausserdem habe es Sitzungszimmer, Lounges und Ruheräume. Gar die Kaffeemaschine in der Cafeteria im Dachstock sei nachhaltig und soll mit nachhaltigem Kaffee befüllt werden. Ende Oktober werden die Mitarbeitenden vom alten Standort an der Hochbergerstrasse an die Spiegelgasse ziehen. Das alte Gebäude in Kleinhüningen werde zu einem Wohnhaus umgebaut.

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