Pünktlich zur Premiere des neuen Rundgangs «S wilde Viertel - eine Reise quer durchs Kleinbasel» zeigte sich letzten Samstag auch die Sonne von ihrer besten Seite. Sogar die Helvetia-Statue am Rheinufer scheint das prächtige Wetter zu geniessen. Die aus der Festprägung der Münze ausgebrochene Rastlose bildet den Start zur neuen Tour des Vereins Frauenstadtrundgang.

Der Statue gleich halten die zwei Leiterinnen Sophie Bürgi und Anina Eigenmann einen Koffer in der Hand und begeben sich auf eine Reise durch den Kleinbasler Stadtteil. Manchmal als historische Persönlichkeiten bei szenischen Darbietungen, manchmal als normale Stadtführerinnen führen die zwei Studentinnen ihre Besucher ins Rotlichtviertel.

Von Liebesdienerinnen, die ihre Freier früher auf der Pfalz trafen, bis zur prekären Situation der meist ausländischen Prostituierten, die heute im «Roten Kater» arbeiten: Die gekonnte Vermischung geschichtlicher Fakten mit aktuellen Begebenheiten kommt beim Premierenpublikum gut an, auch wenn die zwei Leiterinnen für einige der Anwesenden etwas zu leise sprechen.

Badende Nonnen im Rhein

Vorbei an rebellischen Nonnen im Klingental, die ihr hohes Ansehen genossen, nur selten zur Messe gingen und gerne im Rhein badeten, geht es weiter zur Kaserne, der Männerstation des Rundgangs. Besonders die architektonischen Details des Sandsteingebäudes, das heute ganz im Gegensatz zu früher ein Zentrum für Kunst, Kultur und Begegnung ist, überraschen: So bilden die Zinnen auf dem Dach der Kaserne halbe Schweizerkreuze und auch die Brunnen auf dem Areal sind in der Form des Kreuzes gebaut.

Fokus liegt auf der Migration

Der Fokus liegt bei der Führung in erster Linie auf der Migration, die im Kleinbasel seit jeher eine Rolle spielt. Auch die Basler Badekultur und die Seidenbandindustrie werden an den einzelnen Stationen aufgegriffen.

So ist der neue Stadtrundgang eine abwechslungsreiche Tour. Etwas schade ist indes, dass die Führung statt der angekündeten eineinhalb Stunden mehr als zwei Stunden dauerte. Das lag möglicherweise an ihrer erstmaligen Durchführung, sollte Interessierten allerdings bewusst sein. Oft n Ausländerquartier mit Rotlichtviertel sowie unzählige Bars und Ateliers machen das «Wilde Viertel» zum Lieblingsstadteil für kreative Menschen. Genau richtig für den Frauenstadtrundgang