Freiwilliger Heimatschutz
Bau wird verschoben statt abgerissen: Ballenberg auf dem Roche-Campus

Der Basler Pharmakonzern rekonstruiert den Bau 27 nach den Plänen von Otto Rudolf Salvisberg. Eine Verpflichtung gibt es dafür keine.

Christian Mensch
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Der Bau 27 an der Ecke Grenzacherstrasse und Solitude-Park wird geschichtsgetreu wieder hergestellt.

Der Bau 27 an der Ecke Grenzacherstrasse und Solitude-Park wird geschichtsgetreu wieder hergestellt.

Renderin Roche

Das Schicksal des Eckbaus auf dem südlichen Areal des Roche-Campus war eigentlich schon besiegelt. Obwohl darin die erste industrielle Produktion des Pharmakonzerns aufgezogen worden war und es architektonische Besonderheiten des ersten Hausarchitekten Otto Rudolf Salvisberg trägt, sollte es der Abrissbirne zum Opfer fallen. Doch es kommt anders.

Roche präsentiert einen neuen Dreischritt für den Bau 27, wie die Konzernbezeichnung lautet. Im ersten Schritt soll das ursprüngliche Gebäude aus dem Jahr 1937 von all seinen Zu-, An- und Umbauten befreit werden. In einem zweiten Schritt wird das übrig bleibende Rohbauskelett um rund 16 Meter in Richtung Grenzacherstrasse verschoben. Im abschliessenden dritten Schritt werden die fehlenden Elemente rekonstruiert, vor allem der Treppen- und Liftturm, der das Gebäude kirchturmartig überragte. Er wird damit zum optischen Vorboten für den dahinter aufragenden Turm des Bau 1, wie dieser in der Roche-Nomenklatur heisst.

Roche handelt ohne Zwang und Auflage

Eine zwingende Notwendigkeit, den finanziellen Aufwand für die ballenbergeske Verschiebung eines historischen Gebäudes zu leisten, gibt es nicht. Das im Bau 27 versteckte Treppenhaus sowie die von aussen andeutungsweise erkennbaren, besonderen pilzförmigen, tragenden Säulen haben zwar einen denkmalschützerischen Wert.

Der ursprüngliche Neubau.
4 Bilder
Der Anbau kam dazu.
Ein weiterer Anbau folgte und ein Teil des originalen Baus wurde entfernt.
So hat sich die Originalsubstanz verändert.

Der ursprüngliche Neubau.

Bild: zvg / Roche

Die Auseinandersetzungen mit der Phalanx von Denkmalpflegern, Heimatschützern und den international aufgebotenen Bewahrern von Salvisbergs Erbe sind jedoch geführt und von Roche gewonnen: Wie die gesamte Rheinfront dürfen sowohl der Bau 27 als auch das erste Hochhaus, der mittlerweile bescheiden anmutende Bau 52 (entworfen von Roland Rohn), abgerissen werden.

Roche Standortleiter Jürg Erismann sagt denn auch: «Sicher wäre nicht jeder Eigentümer zum Schluss gekommen, das Gebäude zu bewahren.» Roche sei die Identität aber wichtig – und lässt sich dies auch etwas kosten.

Die Verschiebung schafft Platz für den dritten Turm

Die Pläne für den Bau 27 stehen im Gesamtkontext, das Südareal von der Grenzacherstrasse bis zum Rhein umzugestalten und sie für die Administration des Konzerns zu reservieren.

Die Vorbereitungen laufen dazu auf Hochtouren. In den Hochhäusern im Schatten des zweiten Turms entsteht das neue Roche-Forschungszentrum. In dieses werden ab 2024 die Abteilungen einziehen, die jetzt noch in den Gebäuden an der Rheinfront arbeiten. Nach dem Auszug, folgt der grosse Abriss samt sorgsamer Altlastensanierung. Für die entstehende Landreserve ist schon fix ein neuer, runder Empfangspavillon gedacht, für den Bau den Architekten Herzog & de Meuron bereits eifrig Pläne entworfen werden. Diese Phase sollte bis 2029 realisiert sein.

Noch kein Datum trägt «die Vision» einen dritten, noch etwas höheren Turm zu bauen. Ein Bebauungsplan werde dafür vorbereitet, doch realisiert werde er, wenn der Bedarf ausgewiesen sei, sagt Erismann. Dass es Roche damit aber ernst ist, zeigen die Pläne mit dem Bau 27: Dieser wird bloss um 16 Meter verschoben, um den Turm-Plänen nicht im Weg zu stehen.

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