Ganz Basel steht hinter dem FCB, so auch die hiesigen Politiker. Doch je ausgelassener diese im Joggeli für Rot-Blau jubeln, desto zurückhaltender sind sie, wenn es um heikle politische Themen geht, die den FC Basel tangieren.

Härte als Karrierechance

Bestens sichtbar wurde das am Mittwoch, als die Regierung verkündete, dass auch Basel dem erweiterten Hooligan-Konkordat beitreten soll. Dieses ist bei Sportfans hochumstritten und wird vom FCB – wie auch von vielen anderen Profisportvereinen in der Schweiz – abgelehnt. Mit einem ungewöhnlich langen Pressecommuniqué sowie einem eigens anberaumten Mediengespräch erklärte Sicherheitsdirektor Baschi Dürr der Öffentlichkeit, weshalb Basel zwar dem erweiterten Konkordat beitritt, dieses aber eigentlich ablehnt (bz von gestern). Prompt hagelte es heftige Kritik. So verschickte der Riehener SVP-Grossrat und FCB-Fan Heinrich Ueberwasser ein Communiqué mit dem Titel «Verrat an den Fans».

Gegenbeispiel: Karin Keller-Sutter

Berechtigte Argumente gegen das erweiterte Hooligan-Konkordat gibt es durchaus und auch in anderen Kantonen waren die schärferen Bestimmungen gegen Fangewalt nicht unumstritten. Im Kanton Zug nahm das Parlament den kantonalen Staatsvertrag nur hauchdünn mit 38 zu 37 Stimmen an. Trotzdem: In den anderen Kantonen scheint die Angst, es sich mit den Fans der eigenen Grossclubs zu verscherzen, viel kleiner zu sein. Mancherorts beflügelt Härte gegenüber Fussballfans gar Politikerkarrieren. Bestes Beispiel ist Karin Keller-Sutter, die langjährige Vorsteherin des St. Galler Sicherheits- und Justizdepartements. Als Präsidentin der Kantonalen Konferenz der Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD) zeichnete sie sich durch Kompromisslosigkeit gegenüber Fussballfans aus. Keller-Sutter wurde 2011 mit einem Glanzresultat in den Ständerat gewählt und wird als Bundesrätin gehandelt. Dies, obwohl der Super-League-Verein FC St. Gallen sehr beliebt ist und dessen Fans – nach den Baslern – mitunter als die treusten in der Schweiz gelten.

Befürworter sind heute Gegner

In Basel ist es hingegen schwierig, überhaupt Befürworter für das erweiterte Hooligan-Konkordat zu finden. Zahlreiche Grossräte, die auf der Politik-Webseite Smartvote vor den Wahlen im letzten Herbst angaben, für das Konkordat zu sein, gehen heute zu diesem auf Distanz. Sie wollen das Geschäft erst mit ihrer Fraktion absprechen oder machen geltend, dass Sicherheitspolitik nicht ihr Steckenpferd sei. Oder sie haben schlicht ihre Meinung geändert, wie der SP-Grossrat Atilla Toptas. «Damals hatte ich die Bilder vom Spiel FCB–FCZ im Kopf, als FCZ-Fans Petarden warfen.» Seither sei er aber oft im Stadion gewesen und habe seine Meinung «angepasst»: «Fussball ist emotional. Es sollen nicht tausende Fans wegen ein paar wenigen bestraft werden.»

Offene Befürworter des erweiterten Konkordats findet man eigentlich nur bei der SVP. So etwa Lorenz Nägelin: «Ich verstehe nicht, warum Basel anders ticken sollte, als andere Fussballkantone. Ich hätte Mühe, wenn wir uns quer stellen würden.» Aber auch er betont: «Ich bin nicht FCB-kritisch. Ich freue mich, wenn die Mannschaft gewinnt. Aber es ist manchmal schon so: Wenn man für das Hooligangesetz ist, wird man als FCB-kritisch eingestuft.» Sein Parteikollege Joël Thüring findet: «Alle Massnahmen, die zu mehr Sicherheit führen, sind sinnvoll – so auch im Stadion.» Thüring stellt in der Basler Politik eindeutig eine «rot-blaue Brille» fest: «Das ist der Grund, weshalb die Regierung das Ja zum Konkordat so dilettantisch vorgestellt hat.»