Ettingen

Für ihre erfolgreiche Buchhandlung findet das Betreiberehepaar keine Nachfolger

Brigitte und Werner Stöcklin-Hofstetter gründeten vor 25 Jahren den Laden «Für Gross und Klein» in Ettingen. Jetzt sind sie auf der Suche nach Nachfolgern.

Es begann mit einem kleinen Schopf. Im Jahr 1995 eröffneten Brigitte und Werner Stöcklin ihren kleinen Laden. Der Entscheid, sich selbstständig zu machen, sollte sich als goldrichtig erweisen. Die Buchhandlung «Für Gross und und Klein» wurde zu einer Erfolgsgeschichte.

Zu Beginn war es nur ein Lädeli im Zentrum von Ettingen. Mittlerweile ist die Buchhandlung stark gewachsen, die Stöcklins beschäftigen sogar eine Angestellte.

Doch nun ist das Ehepaar fest entschlossen, dieses Kapitel ihres Lebens nach einem Vierteljahrhundert zu schliessen. «Die 25 Jahre waren eine sehr schöne Zeit», sagt Brigitte Stöcklin. «Doch nun möchten wir den Laden in neue Hände geben. Etwas Neues soll daraus entstehen.» Beide sind schon pensioniert. «Wir möchten an diesem Zeitpunkt bewusst aufhören und nicht erst, wenn uns die Gesundheit dazu zwingt», sagt Werner Stöcklin.

Töchter wollen nicht

Aber wie weiter? Diese Frage beschäftigt das Ehepaar schon eine ganze Weile. Sie spielten im Kopf diverse Möglichkeiten durch und kamen zum Fazit, dass es das Beste sei, wenn das Geschäft von zwei oder drei Leuten, die sich zusammentun, weitergeführt wird. Der Laden biete einen idealen Job, wenn man Kinder habe. Eines müsse den Nachfolgern allerdings bewusst sein, sagt Brigitte Stöcklin: «Mit der Buchhandlung wird man nicht reich.»

Das Geschäft allein ernähre keine Familie: «Es ist mehr als ein Hobby. Man muss mit viel Herzblut hinter dem Laden stehen und es wäre schön, zu wissen, wenn die Nachfolger auch eine Leidenschaft für Bücher mitbrächten.» Werner Stöcklin fügt hinzu: «Ein gewisser wirtschaftlicher Gedanke müsste dennoch vorhanden sein.»

Die Stöcklins haben drei erwachsene Töchter. Doch von ihnen wird keine die Buchhandlung übernehmen. Die Eltern hätten auch nie den Anspruch an ihre Töchter gestellt, dass sie den Laden übernehmen sollen. Deshalb suchen sie nun ausserhalb der Familie nach Nachfolgern. «Wir machen weiter, bis wir eine Lösung gefunden haben», sagt Werner Stöcklin. «Und wenn es keine gute Lösung in absehbarer Zeit gibt, dann ist halt einfach fertig mit dem Laden.» Doch dieses Szenario würden die beiden zutiefst bedauern, denn sie sehen in dem Laden eine Zukunft.

Mit lediglich 300 Büchern starteten sie den Verkauf in ihrem Schopf. Anfangs waren sie eine reine Kinderbuchhandlung auf einer Fläche von 25 Quadratmetern. Um die Jahrtausendwende herum ergab sich die Möglichkeit, sich in die Räumlichkeiten des ehemaligen Milchhüsli einzumieten. Das Lädeli verfünffachte die Fläche, wuchs von 25 Quadratmetern auf 125 Quadratmeter, das Angebot vergrösserte sich immens. Zu den Büchern gesellten sich in den Verkaufsregalen nun auch Geschenkartikel. Mit der Vergrösserung wuchs auch der Arbeitsaufwand. Dem Ehepaar wurde bewusst, dass es nun nicht mehr gleichzeitig zum Laden und zu den drei Töchtern schauen konnte. Die Stöcklins entschlossen sich, die gelernte Buchhändlerin Astrid Studer anzustellen, die seit 2001 in der Buchhandlung mitwirkt.

Sozialer Treffpunkt

Das Dorflädeli ist in Ettingen bekannt und erfreut die Kunden schon seit zwei Generationen. «Die Kinder, die früher im Laden stöberten, sind heute selber Eltern und schicken ihre Kinder vorbei», sagt Brigitte Stöcklin. Die Buchhandlung sei der soziale Treffpunkt des Dorfes. «Wir haben noch Zeit zum Zuhören», sagt Werner Stöcklin. «Die Leute erzählen von ihren Sorgen und Ängsten, aber auch von ihren schönen Erlebnissen.»

Nicht nur Ettinger kommen im Laden vorbei, etwa 50 Prozent oder mehr der Kundschaft kommen aus dem solothurnischen Leimental, aber auch aus dem Birs- und Birsigtal. Nicht nur in Ettingen würde es bedauert, wenn die Stöcklins keine Nachfolger fänden.

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