Zwischenbilanz

Funkstille zwischen den beiden Basel: Das muss bei nächster Pandemie besser sein

Das Bruderholzspital beherbergte während der Coronakrise sowohl Patientinnen und Patienten aus Baselland, als auch aus Basel-Stadt, Solothurn und dem grenznahen Ausland.

Das Bruderholzspital beherbergte während der Coronakrise sowohl Patientinnen und Patienten aus Baselland, als auch aus Basel-Stadt, Solothurn und dem grenznahen Ausland.

Die Basler Gesundheits- und Sozialkommission kritisiert: Die beiden Kantone hätten sich während der Coronakrise besser absprechen sollen. Damit stösst die Kommission auf offene Ohren.

Während Basel-Stadt schon vor dem Coronalockdown die Basler Fasnacht absagte, warteten die Baselbieter noch auf eine Stellungnahme ihrer Regierung. Wenig später rief Baselland die Notlage aus, in Basel-Stadt blieb man bei der üblichen Rechtsordnung. Die Coronakrise machte eines klar: Die beiden Basel reagierten unterschiedlich auf das sich rasant verbreitende Coronavirus. Und die Absprache zwischen den Kantonen blieb zeitweise auf der Strecke.

Das hat auch die Basler Gesundheits- und Sozialkommission des Grossen Rats festgestellt. In ihrer Zwischenbilanz zur Coronakrise resümiert sie: «Die interkantonale Zusammenarbeit während einer Krisenzeit ist anspruchsvoll.» Für Kommissionspräsidentin und SP-Grossrätin Sarah Wyss ist klar, dass dies in die Analyse miteinbezogen werden muss. Aber: «Das Virus macht nicht Halt an den Kantonsgrenzen.»

Schneller und intensiver soll der Austausch sein

Zu Beginn habe es viel Anlaufzeit gebraucht, bis die beiden Kantone sich miteinander absprachen. Trotz der schnellen Entwicklungen und drängenden Fragestellungen hätte die Zusammenarbeit intensiver sein müssen, sagt Wyss. «Dass in den beiden Basel zwei verschiedene Rechtsgrundlagen galten, sorgte für Verunsicherungen in der Bevölkerung.» Während Basel-Stadt auf Basis des eigenen Pandemieplans reagierte, orientierte sich Baselland an den nationalen Vorgaben. Wyss: «Dabei haben wir mit der gemeinsamen Spitalplanung eigentlich bereits eine institutionalisierte Zusammenarbeit.»

Darum fordert die Kommission, dass die Absprachen zwischen den Kantonen in Zukunft schneller geschehen und intensiviert werden. Ob das Resultat ein gemeinsamer Pandemieplan sein wird oder ob das Vorgehen im Falle einer zweiten Welle oder neuen Pandemie im Rahmen der Spitalplanung geregelt wird, müsse nun ausgearbeitet werden, sagt Wyss.

Gemeinsames Konzept wird erarbeitet

Anne Tschudin vom Basler Gesundheitsdepartement bestätigt, dass in einer ersten Phase jeder Kanton seine eigenen Strukturen «hochfahren» musste. Die unterschiedlichen Konzepte seien strukturbedingt entstanden. «Es war nicht die Zeit, sich um ein gemeinsames Konzept zu bemühen, da dies erfahrungsgemäss länger braucht», sagt Tschudin. Erschwerend sei hinzugekommen, dass in Baselland der Krisenstab das Sagen hatte und die Gesundheitsdirektion nur Beisitzer war. Trotzdem habe der Austausch im Bereich der Intensivmedizin gut funktioniert. Tschudin: «Nun werden Gespräche geführt, wie wir die Zusammenarbeit künftig von Anfang an koordinierter organisieren können.»

Die Baselbieter Volkswirtschafts- und Gesundheitskommission des Landrats hat sich noch nicht mit der Analyse der Coronazeit befasst. Christof Hiltmann, Kommissionspräsident und FDP-Landrat, ist der Ansicht, die Zusammenarbeit der beiden Halbkantone habe grundsätzlich funktioniert. Dass die beiden Basel unterschiedliche Strategien verfolgte, findet Hiltmann «nicht per se falsch». Für Baselland sei die Situation aufgrund der Nachbarkantone Aargau und Solothurn eine andere, weil auch da eine Absprache stattfinden müsse.

Auch Rolf Wirz von der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion lobt den Austausch: «Die Zusammenarbeit, auch informell, funktionierte jederzeit.» Sie sei auf Ebene der Direktionsvorstehenden koordiniert worden. Während der akuten Coronakrise seien im Referenzspital Bruderholz sowohl Baselbieterinnen und Baselbieter, als auch Patientinnen und Patienten aus den Solothurner Bezirken, dem grenznahen Ausland und Basel-Stadt betreut worden. Wirz: «Aus Versorgungssicht ist man sich in Baselland und Basel-Stadt einig, dass für allfällige nächste Pandemien Konzepte mit möglichen regionalen Lösungen vorzubereiten sind.»

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