EBM
Für Büttiker eine «Süsse Frau» zum Abschied

Elektra Birseck Münchenstein (EBM) CEO Hans Büttiker und sein designierter Nachfolger Conrad Ammann weihen gemeinsam die Photovoltaikanlage «Donnadolce» vor den Toren des sizilianischen Städtchens Comiso ein.

Daniel Haller, Comiso
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Der alte und der neue CEO: Hans Büttiker und Conrad Ammann vor dem Solarkraftwerk «Donnadolce».

Der alte und der neue CEO: Hans Büttiker und Conrad Ammann vor dem Solarkraftwerk «Donnadolce».

dh

Zwischen zwei kalten Regenböen pfupfen die Prosecco-Korken – unpassenderes Wetter für die Einweihung eines Sonnenkraftwerks lässt sich kaum finden. Doch die anderen Umstände rund um die Photovoltaik-Anlage «Donnadolce» – «Süsse Frau» – vor den Toren des sizilianischen Städtchens Comiso stimmen für die Elektra Birseck Münchenstein (EBM).

So ist die Zahl der Sonnenstunden hier deutlich höher als im Baselbiet, und der Sonnen-Einstrahlwinkel günstiger. Deshalb produzieren die beiden EBM-Solar-Kraftwerke in Italien die anderthalbfache Strommenge der Photovoltaik-Anlagen im EBM-Netzgebiet – bei praktisch gleicher installierter Kapazität (siehe Kasten).

Bessere Bedingungen im Ausland

Hinzu kommt das gut erschlossene, flache Gelände in der Nähe einer Strasse, das der Besitzer bereitwillig zur Verfügung stellt, denn er kassiert zweimal: Zuerst die Stilllegungsprämie von der EU, damit er darauf keine Landwirtschaft mehr betreibt, und dann die Pacht von der EBM. «Finden Sie mal ein solches Gelände in der Schweiz», meint EBM-CEO Hans Büttiker.

Nicht zuletzt musste die EBM zwar für «Donnadolce» 26verschiedene Bewilligungen beantragen, erhielt diese aber in 29Monaten. Zum Vergleich: Die Baubewilligung für das Kleinwasserkraftwerk Dornachbrugg habe zehn Jahre auf sich warten lassen. «Gegen weitere Staustufen an der Birs wollen die Fischer bis vor Bundesgericht gehen», berichtet Büttiker. «Das tue ich mir doch nicht an!»

Greenpower: Neue erneuerbare Energie aus dem Ausland

Die Photovoltaik-Anlage Donnadolce weist eine Solarmodul-Fläche von fünf Fussballfeldern auf mit einer Gesamtleistung von knapp 5Megawatt mit einer Jahresproduktion von 7,6Gigawattstunden. Die Anlage kostete 27Millionen Franken. Die EBM-Tochter Greenpower AG setzte 5Millionen Eigenkapital ein. Daneben betreibt die EBM eine zweite Anlage in Apulien mit 1Megawatt Leistung und 1,3Gigawattstunden Jahresproduktion. Zum Vergleich: Im EBM-Netzgebiet sind insgesamt 6,1Megawatt Photovoltaik installiert, die 6 Gigwatt produzieren. Die höchste Leistung der drei bisherigen Greenpower-Kraftwerke bringt das spanische Winkraftwerk Puerto Real mit 42Megawatt Kapazität und 86 Gigawattstunden Jahresproduktion. Insgesamt liefert Greenpower mit 94,9Gigawattstunden 6Prozent des Stromverbrauchs im EBM-Netzgebiet. (dh)

Stattdessen setzen die Münchensteiner auf «Erprobtes an sinnvollen Standorten», erklärt Bernhard Furrer, der in der EBM für die Kraftwerke im Ausland zuständig ist. Dabei verschweigt Furrer nicht, dass im Ausland nicht nur die Rendite, sondern auch die Risiken grösser sind, etwa die politischen: So habe die spanische Regierung im Zug von Sparzwängen bereits zugesagte Einspeisetarife – also die eigentlich auf 20Jahre hinaus garantierte Abnahmepreise für den Strom aus Wind- oder Sonnenkraftwerken – rückwirkend gesenkt. Dies beschäftigt nun die europäischen Gerichte.

Dagegen sichere sich die EBM ab, indem sie ihre Investitionen zu drei Vierteln oder mehr mit Fremdkapital lokaler Banken finanziere: Fällt einen Regierung dem Stromproduzenten mit nachträglichen Preiskorrekturen in den Rücken, trifft sie damit auch eine eigene Bank.

Nur zehn Wochen Bauzeit

Weiter sei bei Planungsbeginn jeweils offen, welcher Einspeisetarif im Zeitpunkt des Netzanschlusses gelten wird. Sicher ist nur: Die Einspeisetarife sinken stetig, da Sonnen- und Windkraftwerke laufend billiger werden. Deshalb entwickelte sich der eigentliche Bau von «Donnadolce» zu einem wahren Rennen gegen den Kalender, denn EBM wollte unbedingt noch den höheren Einspeisetarif «mitnehmen», der bis zum 30.April 2011 galt.

In zehn Wochen war die Anlage installiert, am 28. April ging sie ans Netz. Allerdings kaufte EBM das Kraftwerk der Projektgesellschaft erst ab, als Mitte November 2011 die italienischen Behörden den angestrebten höheren Einspeisetarif bestätigten.

«Wenn wir ins Ausland gehen, bedeutet dies finanzielle und juristische Risiken. Deswegen vermeiden wir zusätzliche technologische Risiken», begründet Furrer die EBM-Politik, nur auf bereits erprobte Techniken zu setzen. Die geografischen und klimatischen Vorteile würden jedoch die Risiken überwiegen. «Dies gilt nicht nur für die Sonne, sondern auch für den Wind, der beispielsweise in Andalusien wesentlich stetiger bläst als in der Schweiz.»

Mit der Einspeisung ins lokale Netz verkauft EBM den Strom der «Süssen Frau» den Sizilianern. Welche Marktverhältnisse in 20Jahren herrschen, wenn der garantierte Preis dahinfällt, weiss niemand. So ist offen, ob der Strom dann – technisch möglich – rentabel in die Schweiz übertragen werden kann. Denkbar sind auch Tauschgeschäfte. «Wie man das abwickelt, kann noch niemand sagen. Entscheidend dafür, ob wir überhaupt im Markt mitbestimmen können, wird jedoch sein, dass wir über eine eigene Stromproduktion verfügen», erklärt Büttiker.