Geistschreiber
Für Zweifel ist gesorgt

Im Zwei-Wochen-Takt denkt der Geistschreiber über das Geschehen in der Region und der Welt nach.

Willi Näf
Willi Näf
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Dank Corona feiern Verschwörungstheoretiker dieser Tage Urständ.

Dank Corona feiern Verschwörungstheoretiker dieser Tage Urständ.

Sebastian Gollnow / DPA

Mir schwant Übles. Bald ist Jahrestag. Der zwanzigste elfte September. Hätten Sie’s gemerkt? Nein? Eben. Ich frage Sie: Wieso bringen die Medien nichts? Wo bleiben die Historiker mit klugen Einordnungen? Die Ansagen der Moderatorinnen à la «Bis heute gibt es Zweifel an der offiziellen Version», die damit vor allem selber dafür sorgen, dass es «Zweifel gibt»? Wo bleiben die Amateurexperten mit neuen Beweisen in Form frischer Suggestivfragen? Haben die sich umgeschult von Stahlbetonbau oder Flugbahn auf Pandemie oder was? Und wieso wurde Obstbauer Mangold aus Hemmiken im Radio noch nicht gefragt, wo er gewesen sei, als die Flieger in die Türme donnerten?

Wo bleiben die ergrauten Feuerwehrmänner und Korrespondentinnen, CIA-Putzfrauen und TWA-Piloten, die auch gern im Fernsehen kommen mit ihren Erinnerungen, welche längst überlagert sind von den Bildern aus den Medien? Wieso verzichtet das Fernsehen auf die Einschaltquoten bei den Skeptikern, die solche Zweifel-Filmli sofort im Internet verbreiten, die ja wohl besonders wahr sein müssen, wenn sogar die Lügenmedien sie aufgreifen?

Vielleicht bin ich einfach zu früh. Vielleicht hatten die Journalisten bisher zuviel zu tun mit Covid und Klima, Bränden und Fluten. Vielleicht liefert der zwanzigste elfte September dann doch noch «brisante Thesen», «Ungereimtheiten», verschwundene «Beweismittel» und geheimnisvolle «Drahtzieher». Vielleicht wird das weltrekord-ungeheimste aller Geheimnisse der bösen CIA zum hundertsten Mal entlarvt, und wieder mal lässt die böse CIA die Ausplauderis gewähren. Einfach so.

In der kognitiven Psychologie kennt man den sogenannten «Wahrheitseffekt». Kurz gesagt: Wir halten eher für wahr, was wir schon mal gehört haben. Selbst wenn wir uns nicht mal mehr erinnern, dass wir es schon mal gehört haben. Die «Zweifel an der offiziellen Version» wurden schon so oft aufgewärmt, dass bereits ganz viele Mitmenschen an die Existenz einer «inoffiziellen», nun ja, «Version», glauben. Mal sehen, was die Medien bringen. Womöglich ist die vierte Covid-Welle wichtiger, die jene Impf-«Skeptiker» kalt erwischt, welche an der «offiziellen Version» der Virologinnen und Pandemiologen «zweifeln».

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