Geistschreiber
Gesegnete Selbstmitladys

Willi Näf
Willi Näf
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Roger Federer im neuen Werbefilm für Schweiz Tourismus.

Roger Federer im neuen Werbefilm für Schweiz Tourismus.

Bild: Screenshot Youtube

Roger Federer fragt Robert De Niro in einem Schweizer Werbefilm, ob er in einem Schweizer Werbefilm mitspielen würde. Der Schauspieler winkt ab: «Zu wenig Drama. Die Schweiz ist zu perfekt!» Und ich denke mir, wenn du wüsstest, du guter Mann in deinen Boxershorts. Aber der Clip ist natürlich tipptopp. Wenn auch mit zu viel Matterhorn und zu wenig Säntis.

Als nächsten Film schlägt Youtube mir «Swiss Alps» vor, wo der US-Reisejournalist Rick Steves eine halbe Stunde lang die Schweizer Alpen zelebriert. Sein Film ist Werbekitsch, und sein Dauerlächeln fördert Karies, aber er lobt meine Schweiz, und was will man machen, Lob ist Lob, bezahlt oder nicht, und ausserdem widmet er vier Minuten dem Appenzellerland, ha, und erst die Kommentare zum Film! «Ich habe das Glück, hier zu leben», schreibt 2PengBristol und kriegt dafür fast 500 Likes. «Sie leben im wohl besten Land der Welt», kommentiert KK neidvoll. Hunderte erzählen beglückt, sie seien auch schon in der Schweiz gewesen, es sei wonderful, a paradise. Hunderte wissen es auch ohne Reise. Und alle träumen sie von ihrer nächsten Reise.

«Wie gesegnet sind die Menschen doch, die hier leben!», schreibt Ms Wong und kann sich vermutlich nicht vorstellen, wieviele Jammeris, Motzbrocken, Nörglerinnen und Selbstmitladys man in diesem Land findet. «Ordinary Guy» schreibt: «Was für ein absolut schönes Land mit hart arbeitenden, intelligenten Menschen.» Aber sicher doch, den Säntis haben wir eigenhändig gemeisselt.

Der junge Sandy aus Indonesien schreibt: «Ich wünschte, ich wäre in der Schweiz auf die Welt gekommen, aber Tatsache ist, dass ich es nicht bin. Also hoffe ich, dass ich in einem dieser schönen Länder leben kann. Ist es zu viel verlangt, Gott zu bitten? Ich bete nicht darum, reich zu sein. Ich möchte nur wissen, wie es ist, einen guten Lebensstandard zu haben, ruhig zu leben, im Dorf herumzulaufen und auf der Wiese zu liegen.» Und von Sarah lese ich: «Ich bin 28 und möchte dieses Land besuchen, damit ich wie ein Kind durch die grünen Wiesen rennen kann. Es ist so friedlich, die Natur ist wunderschön. Ich wohne in Ägypten.»

Nächste Woche wieder mal auf die Wasserfallen. Auch wenn's regnet. Gerade dann.