Geistschreiber
Röbis Welt

Mit spitzer Feder kommentiert der Geistschreiber das Geschehen in der Region, im Land, ja auf der ganzen Welt.

Willi Näf
Willi Näf
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Röbi, 69, hat 214 Freunde auf Facebook. Kaum die Hälfte ist echt.

Röbi, 69, hat 214 Freunde auf Facebook. Kaum die Hälfte ist echt.

Matt Rourke / AP

«Röbi» kenne ich nur von Facebook. Er ruft dort zum Boykott von Beizen auf, die ein Zertifikat verlangen. Er wütet gegen Impfzwang (Völkermord!), Elektroautos (Umweltverschmutzung!), Zuwanderung (Naturzerstörung!) und Grüne (Lügner!). Gegen die Schweizer Diktatur, das Gendern und Alain Bersets «Teufelsfratze». Gegen die Eliten dieser Welt, die den Hunger verantworten, weil sie das Geld für Masken verschleudern, und gegen Coop, wo drei Jahre Hausverbot erhält, wer ohne Maske erwischt wird. Der Mann ist informiert. Einer von Röbis 16 Posts vom 19. März 2021 lautet: «Revolution ist, wenn du anfängst, dich zu bilden und selbst zu denken.» Er postet aber nie Selbstgedachtes, nur Stoffe von AfD, SVP, Daniel Stricker, Marco Rima, Roger Köppel, Stefan Millius, anonymousnews.ru, pravda-tv und Co. Dazu fehlinterpretierte Zitate aus Medien, die er ansonsten «Lügenpresse» nennt. Und Memes oder Fotomontagen, die er nicht als Satire oder Fakes erkennt. Und Titel linker Medien, die er missversteht und deren Text er nicht gelesen hat.

Zu Röbis Abonnenten gehört Teddy aus Indonesien. Und Marin, der rumänisch postet. Und «Trödler Abraham Entrümpelung» mit 4866 Freunden. Und Gaylene, die nicht aufrecht stehen könnte, wenn ihre Brüste natürlich wären. Kaum die Hälfte der 214 Profile sind echt. Und niemand liked Röbis Posts. Sein Gebrüll verhallt ungehört.

Röbi ist 69 Jahre alt und lebt am Jurasüdfuss. Seine Schreinerei ging bachab, seine Ehe auch, nun hat er seine Feinde ausgemacht: Alle, die nicht seiner Meinung sind. Er stopft sich unkontrolliert Verdrehungen ins Gehirn und scheidet sie als Wut wieder aus. Ob ein langer Netzwerk-Ausfall den Tumor des Misstrauens aushungern und seinen Geist entschlacken würde? Noch fantasiert er in seiner Parallelwelt vom Tag, an dem alles ans Licht kommt und das Volk sich an Politikern, Lügenmedien und Gretagrünen rächt. Bei einem Sturm aufs Bundeshaus stände Röbi Gewehr bei Fuss, als Märtyrer im Heiligen Krieg für die Wahrheit rekrutiert von einem föhnfrisierten Rattenfänger.

Aber vielleicht stirbt er ja auch an einem Herzinfarkt. Weil Bill Gates nachts in seine Küche geschlichen ist und ihm ein geheimes Infarktgift aus China in die Päcklisuppe gerührt hat.

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