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Vom Schreckgespenst zum Breitensport

Idealisten gründeten vor 100 Jahren den FC Reinach. Seitdem ist die Geschichte und der Aufstieg des Clubs eng mit der Stadtentwicklung von Reinach verbunden.

Erstellt im Auftrag der Gemeinde Reinach
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Reinacher Fussballherren anno 1924.

Reinacher Fussballherren anno 1924.

Dominique Simonnot - Der FC Reinach ist an seiner neuen Heimat angekommen. Oder besser gesagt: zurückgekommen. Denn vor 100 Jahren wurde dem damals neugegründeten Fussballverein bei den Fiechten erstmals ein geeignetes Areal zur Verfügung gestellt, um ihn ins Dorfleben zu integrieren. Zu einer Zeit – die Kriegsjahre waren vorbei –, wo Fussballvereine aus dem Boden sprossen und eine wahre Gründungswelle entstand. Jahrzehnte später stellte die Gemeinde dem FC Reinach den Sportplatz «Einschlag» zur Verfügung, der fortwährend ausgebaut wurde. Nun ist der Fussballclub seit zwei Jahren zurück an seinem Ursprung auf dem Fiechten-Areal, mit neuen Sportanlagen, neuer Infrastruktur und einem neuen Clubhaus inklusive Garderobengebäude. Und diesmal ist er gekommen, um zu bleiben. Viel ist passiert in den 100 Jahren. Und auch Reinach ist gewachsen – von einem bevölkerungsarmen Bauerndorf zu einer attraktiven Kleinstadt von über 19 000 Einwohnern, in der dem FC Reinach eine grosse Bedeutung zukommt. Damals um 1921 musste sich Fussballbegeisterung in dem Bauerndorf allerdings erst entwickeln, für ­viele Eltern war der Fussball – von ein paar Bezirksschülern bereits zehn Jahre vorher eingeschleppt – ein Schreckgespenst, das argwöhnisch betrachtet wurde. Doch der Fussballgedanke breitete sich aus, wurde immer beliebter und der Sportplatz etablierte sich neben der Kirche schnell zu einer weiteren wichtigen Begegnungsstätte. Selbst während des 2. Weltkriegs wurden internationale Spiele mit einem grossen Publikum ausgetragen. Mit dem Bevölkerungswachstum seit den 50er-Jahren und der steigenden weltweiten Popularität des Fussballs stiegen auch die Mitgliederzahlen beim FC Reinach. Die Aufgabe des Clubs bestand nun darin, den Club zu strukturieren und den Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht zu werden. Bis heute muss sich der Club stets dem Wandel der Zeit anpassen und entsprechend reagieren.

Trends erkennen

So wie das sich verändernde Fussballinteresse der Frauen und Mädchen. Kurzerhand wurde in den Schulen eine Aktion gestartet, um mehr Mädchen den Einstieg in den Fussballclub zu erleichtern. Die Aktion war ein voller Erfolg. «Mädchen haben oft noch nicht den Mut, sich aktiv beim Fussballverein anzumelden. Wir müssen sie da noch mehr abholen», so Roland Ming, seit 2011 wiederholt Präsident des FC Reinach, nachdem er bereits von 1992 bis 1997 den Verein geführt und den Wandel des Vereins bis heute deutlich mitgetragen hat. «Roland Ming ist ein Urgestein», wie Daniel Schaub, der Präsident des Fussballverbandes Nordwestschweiz ihn anerkennend nennt: «Dass sich jemand über den Zeitraum von mehr als einem Vierteljahrhundert in einem Club engagiert, ist nicht bloss aussergewöhnlich, sondern verdient höchsten Respekt.» Zumal der FC Rein­ach mit seinen über 500 lizenzierten Fussballern zu den vier grössten Vereinen der Region zählt. Insgesamt sorgen hinter dem Namen FC Reinach über 800 Gesichter für das Bestehen des Vereins. «Ob Aktive, Frauen, Juniorinnen und Junioren, Senioren/Veteranen, Trainingsgruppen, Trainerinnen, Trainer, Coaches, Platzwarte, Spielplaner oder Passive, alle sind irgendwie mit unserem Verein verbunden», so Roland Ming, dessen beiden Söhne ebenfalls beim FC Reinach spielen.

Im Birseckerhof wurde im November 1921 der FC Reinach gegründet.

Im Birseckerhof wurde im November 1921 der FC Reinach gegründet.

Jugendarbeit als Grundpfeiler

Seit jeher ist dem FC Reinach die Jugendarbeit ein grosses Anliegen. «Wir möchten auch einen gesellschaftlich wertvollen Fussabdruck hinterlassen», so Roland Ming. Aktuell haben wir über 20 Juniormannschaften, davon zwei reine Juniorinnen-Mannschaften. Mit seiner grossen und erfolgreichen Nachwuchsabteilung ist der FC Reinach damit auch ein wichtiger Personallieferant und brachte immer wieder leistungsstarke Spitzenkräfte hervor, die sich ­national und international einen Namen machten: Angefangen bei Heinz Blumer über Erni Maissen, der 20-mal in der Nati eingesetzt wurde bis hin zu ­Adrian Knup, einer der Schweizer Schlüsselspieler an der WM 1994 in den USA. In neuerer Zeit v. a. Simon Gre­ther, der seit 2016 beim FC Luzern spielt, Hans Peter Thomman (FC Nordstern, NLB), Ivano Biancavilla und ­Nicolas Maissen (FC Concordia, Challenge League) oder Andreas Kronenberg, der heute Torhütertrainer beim SC Freiburg ist.

Roland Ming (links) gibt die Vereinspräsi­dentschaft an Biu Phan Quang ab.

Roland Ming (links) gibt die Vereinspräsi­dentschaft an Biu Phan Quang ab.

Doch Erfolg bedeutet für den Club nicht in erster Linie, aussergewöhnliche Fussballer hervorzubringen, erste Plätze zu belegen, Cupsiege oder Aufstiege zu verzeichnen. «Das sind natürlich tolle Begleiteffekte und der Aufstieg der 1. Mannschaften in die 2. Liga wird immer gebührend gefeiert», so der Vereinspräsident. «Doch das sind messbare Erfolge, die einfach aufzulisten sind. Für mich bedeutet Erfolg aber auch, wenn 80 Ehrenamtliche nach dem Berufsalltag, 1- bis 4-mal wöchentlich, Woche für Woche, Jahr für Jahr 550 Fussballbegeisterten die Ausübung ihres Hobbys ermöglichen, ohne für Negativschlagzeilen zu sorgen. Und wenn junge Spieler Spass an ihrem Hobby haben, gerne kommen und vielleicht bereit sind, dem Trainier zu assistieren. Denn von diesem freiwilligen Engagement lebt der Verein.»

100-Jahr-Jubiläum

Am Wochenende vom 3. bis 5. September 2021 feiert der FC Reinach auf der neuen Sportanlage Fiechten sein Jubiläum. Auf dem Programm stehen neben dem Festbetrieb auch Livemusik mit den Bands Diefflieger, Trio Wolkenbruch, Steppin Stompers und United Old Stars, eine Tombola, Talk-Runden mit Politikern und Sportlern, moderiert von Florence Develey, Pony-Reiten, ein Spielpark und Fussball mit Gross und Klein.

Schiff in den Hafen

zwei Jahren bequem vom erhöhten Restaurant des Clubhauses bestens verfolgen. Dessen Architektur ist so aufgebaut, dass man einen Blick auf beide Seiten und somit auf alle Spielfelder hat. Zudem hat das Restaurant eine grosse offene Terrasse, die es ermöglicht, auch im Freien dem Fussballtreiben zuzuschauen. Hier oben sitzt nun Roland Ming bei einem Cappuccino und schaut fast wehmütig auf das Sportareal hinunter. Hier wurde vor 100 Jahren Geschichte geschrieben. Beim FC Reinach hat er einen beträchtlichen Teil seiner Freizeit verbracht, hier spielen seine Söhne, ist er verwurzelt und bekannt. Gab es Siege, Feiern, Rückschläge und Trauer. Nun gibt er das Zepter des Präsidenten aus der Hand. Sein Nachfolger, Biu Phan Quang, hat beim Grasshopperclub Zürich angefangen. «Er hat eine sehr ruhige, überlegene und pragmatische Art, Ziele zu entwickeln und Probleme zu lösen, damit ist er prädestiniert für das Amt.» Ganz zurückziehen möchte sich Roland Ming allerdings nicht. «Wahrscheinlich werde ich mich weiter um die Liegenschaft kümmern und Biu den Rücken freihalten, damit er sich nur um die Vereinsführung kümmern kann.» Vorher wird aber erst ­einmal gefeiert. Am Wochenende vom 3. bis 5. September steigt die grosse ­Jubiläumssause.

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