Gemeinderat
Riehen braucht dringend zusätzliche Sporthallen

Die Nachfrage nach Hallen wächst, das Angebot sinkt: Riehener Sportvereine können nicht mehr so häufig trainieren, wie sie gerne würden.

Tobias Gfeller
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Damit die Volleyballerinnen in der Nationalliga A mehr trainieren können: Die Gemeinde Riehen leidet unter einer Knappheit an Sporthallen.

Damit die Volleyballerinnen in der Nationalliga A mehr trainieren können: Die Gemeinde Riehen leidet unter einer Knappheit an Sporthallen.

Juri Junkov

Im Gemeinderat, viel mehr aber noch bei den Sportvereinen, ist es seit Jahren ein Thema: In Riehen hat es zu wenig Sporthallen, damit alle Vereine so häufig trainieren können, wie sie es gerne hätten und vereinzelt müssten Vereine sogar nach Basel ausweichen. Im Winter liegt die Belegung bei 97 Prozent, rechnete Gemeinderätin Christine Kaufmann (EVP) in ihrer Antwort auf eine Interpellation von SVP-Einwohnerrat Christian Heim vor.

Der Druck erhöhte sich zusätzlich, als die Sporthalle der Gehörlosenschule wie das Schulgebäude selber zu Gunsten von Wohnungen abgerissen wurde. Die Situation werde sich sogar noch weiter akzentuieren, wenn das Schulhaus Wasserstelzen mitsamt den drei Turnhallen in naher Zukunft saniert wird, warnte Kaufmann.

Gemeinde hat Handlungsbedarf erkannt

Hauptgrund für die zunehmende Hallenknappheit ist vor allem die gewachsene Nachfrage. Weil Riehen wieder beliebter bei Familien ist, stiegen die Schülerzahlen und die Mitgliederzahlen bei den Vereinen. Nicht nur die Schulen benutzen tagsüber die Hallen mehr, sondern immer öfters auch Tagesstrukturen, wodurch die Hallen vor 18 Uhr für Vereine nahezu versperrt sind.

Die Gemeinde habe den Handlungsbedarf erkannt, betonte Christine Kaufmann. Bereits im Sportanlagenkonzept von 2017 sprach der Gemeinderat über die Hallenknappheit. Eine konkrete Idee, wie das Problem gelöst werden könnte, hat die Gemeinde aber noch nicht.

Neubau im Stettenfeld oder bei Schulen

Es sind mehrere potenzielle Optionen, die bisher geprüft wurden. Zur Realisation einer Sporthalle inklusive Neubau des Betriebsgebäudes und der Tribüne auf dem Areal der Sportanlage Grendelmatte wurde bereits eine Machbarkeitsstudie durchgeführt.

Auch die Schulstandorte wurden gemäss Kaufmann überprüft, ob sie sich für den Bau von zusätzlichen Sporthallen eignen würden. Eine Halle im Gebiet Stettenfeld, die ebenfalls in Betracht gezogen wird, würde für den unmittelbaren Bedarf aber zeitlich zu weit weg liegen. Auf die Frage von Christian Heim, wann mit einer neuen Sporthalle gerechnet werden kann, konnte Gemeinderätin Christine Kaufmann keine verlässliche Aussage machen.

Teurer Bauernhof für die Gemeinde

Die Gemeinde Riehen ist Besitzerin des Maienbühlhofs weit oberhalb des Siedlungsgebiets. 2018 nahm ein neues Pächterpaar die Herausforderung an, den Hof auf Bio umzustellen, wie es die Gemeinde im Leistungsauftrag forderte. Die Umstellung und generelle bauliche Mängel am Hof haben für die Gemeinde weiterhin finanzielle Folgen.

Zum einen wird der einstige Schweinestall saniert und zu einem Rinderaufzuchtstall umfunktioniert, zum anderen braucht es eine neue Lösung für den Misthaufen, da dieser im jetzigen Zustand das Grundwasser gefährdet. Die Ausgaben von gut 770‘000 Franken waren im Einwohnerrat unbestritten. Auch wurde das Pächterpaar von mehreren Fraktionssprechenden für ihre Arbeit ausdrücklich gelobt.

«Goldiges Fass ohne Boden»

Doch es gab auch kritische Stimmen, die aber mehr dem Engagement der Gemeinde als Hofbesitzerin allgemein galten. Es sei halt ein Leichtes, Unternehmer zu sein, wenn sämtliche Ausgaben vom Steuerzahler bezahlt werden, mahnte FDP-Sprecher Dieter Nill (FDP) und warnte zugleich davor, dass mit den laufend anfallenden Kosten der Hof nicht zu einem «goldigen Fass ohne Boden» wird. Gemeinderätin Christine Kaufmann (EVP) konnte die mahnenden Worte nachvollziehen. Ob die Gemeinde tatsächlich einen Bauernhof besitzen sollte, könne gut und gerne in Zukunft wieder einmal diskutiert werden.