Genossenschaft
Coop befreit sich von Stiftungsballast

Das Coop-Urgestein Bernhard Jäggi gründete 1923 das Coop-Tagungszentrum. Nun hat der Detailhandelskonzern die Trägerstiftung entsorgt.

Christian Mensch
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Bernhard Jäggi, überzeugter Genossenschafter und Initiant des Muttenzer Freidorf.

Bernhard Jäggi, überzeugter Genossenschafter und Initiant des Muttenzer Freidorf.

Zvg/Wiki / bz

In zwei Jahren wäre das «Genossenschaftliche Seminar» in Muttenz 100-jährig geworden. Bernhard Jäggi, der damalige Direktionspräsident des Verbandes Schweizerischer Konsumvereine (heute: Coop), gründete eine gleichnamige Stiftung für die Bildung von «Personen männlichen wie weiblichen Geschlechts», die sich «mit Ernst und Hingabe» in den Dienst der genossenschaftlichen Idee stellten. Daraus wurde über die Jahre das Coop-Tagungszentrum, das längst nicht mehr nur Coop-intern genutzt wird.

Deal zwischen Coop und der Fondation des Fondateurs

Die Stiftung als Trägerschaft hat sich überlebt. Nun wurde sie von Coop abgewickelt: Das Tagungszentrum und die Stiftung wurden auf Anfang Jahr getrennt. Letztere wurde anschliessend in die Zürcher Dachstiftung Fondation des Fondateurs einfusioniert. Juristisch wurde sie damit faktisch liquidiert. Mit dem Stiftungskapital von 23 Millionen Franken soll jedoch der Stiftungszweck weiter gefördert werden.

Sowohl die Zürcher Dachstiftung als auch Coop bleiben auf Anfrage wortkarg. Da es sich um ein strategisches Thema handle, würden keine Details kommuniziert, erklärt Coop. Das Ziel sei, «Prozesse weiter zu vereinfachen», meint Stiftungsratspräsident Thomas Sprecher. Und beide: Die Änderung habe keinen Einfluss auf die Dienstleistungen, die das Coop-Tagungszentrum für Coop und für Dritte erbringe.

Coop erhält ein Darlehen von der Stiftung

Aus den vorliegenden Unterlagen geht hervor, dass die Entflechtung aufwendig war und eigentlich nicht abgeschlossen ist: Einerseits musste Coop die Stiftung mit der Übernahme des Tagungszentrums abgelten, was sich als betriebsfremder Ertrag über knapp 16 Millionen Franken in der Stiftungsbuchhandlung niederschlägt. Das Geld bleibt aber faktisch bei Coop, da die Stiftung einen Darlehensvertrag mit dem Detailhändler abgeschlossen hat.

Andererseits muss sich die Fondation des Fondateurs nicht selbst für die Umsetzung des Zwecks der einfusionierten Stiftung kümmern; dafür hat sich Coop in einem zweiten Vertrag verpflichtet. Für die Stiftungsaufsicht schien die Konstruktion so plausibel, dass sie dem Vorgehen zustimmte.

Vom geistigen Erbe des Gründers Bernhard Jäggi ist wenig mehr erkennbar. Der gebürtige Solothurner politisierte für die SP als Basler Gross- und später als Nationalrat. 1916 trat er aus der Partei aus, weil sie ihm zu radikal wurde. Er hatte sich vollends der genossenschaftlichen Idee verschrieben. 1919 initiierte er in Muttenz die Siedlungsgenossenschaft Freidorf und vier Jahre später die Bildungseinrichtung. 1929 verlieh ihm die Universität Basel die Ehrendoktorwürde. Jäggi verstarb 1944 in seinem verbliebenen Erbe: dem Muttenzer Freidorf.

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