Dürr
Gestern waren Dürr und Morin noch Gegner, heute sind sie schon Kollegen

Baschi Dürr (FDP) zieht mit einem deutlichen Resultat in den Basler Regierungsrat ein, Guy Morin (Grüne) bleibt Regierungspräsident.

Nicolas Drechsler
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Vorweihnachtliche Eintracht: Baschi Dürr (r.) ist neuer Regierungsrat. Guy Morin (l.) konnte das Regierungspräsidium verteidigen.Kenneth Nars

Vorweihnachtliche Eintracht: Baschi Dürr (r.) ist neuer Regierungsrat. Guy Morin (l.) konnte das Regierungspräsidium verteidigen.Kenneth Nars

Tosender Applaus im Wahlforum des Basler Rathauses gestern Nachmittag kurz nach 16 Uhr: Staatsschreiberin Barbara Schüpbach hatte soeben verkündet, dass der Grüne Guy Morin Regierungspräsident bleibt. Die zahlreich im Saal anwesenden Vertreter von Rot-Grün jubelten, ihr Wahlziel war erreicht, vier Sitze im Regierungsrat und das Präsidium verteidigt. Auch die Bürgerlichen konnten höflich mitklatschen, denn wenige Augenblicke zuvor hatte die Staatsschreiberin das Resultat der Ersatzwahl um den Regierungsratssitz von FDP-Sicherheitsdirektor Hanspeter Gass verkündet: Sein Parteikollege Baschi Dürr hat ein Glanzresultat erzielt, der wilde Gegenkandidat Damian Heizmann blieb chancenlos. Auf gerade mal 3494 Stimmen kam der Brötchenkurier, rund 7000 Baslerinnen und Basler hatten leer eingelegt.

Sensationen sind ausgeblieben

Das Wahlresultat entsprach also den Erwartungen. Einzig die erstaunlich hohe Stimmbeteiligung von 32 Prozent bei den Regierungsratswahlen und 34 Prozent bei den Präsidiumswahlen war eine kleine, positive Überraschung. Die Co-Präsidentin der Basler Grünen. Mirjam Ballmer konstatierte erfreut: «Die Leute haben offensichtlich verstanden, dass sie nochmals an die Urne müssen, wenn sie Guy Morin als Regierungspräsident behalten wollen. Unsere Mobilisierungskampagne hat sich offensichtlich gelohnt.» Dass der Abstand zwischen Dürr und Morin im Vergleich zum ersten Wahlgang nur leicht geschrumpft ist, sei eine klare Bestätigung für Morin.

SP-Präsident spricht von einem geglückten Abschluss

SP-Präsident Martin Lüchinger meinte: «Das ist der erwünschte Abschluss dieser Wahlen und eine Bestätigung für vier Jahre rot-grüner Politik und ihrer Erfolge.» «Unser Vierer-Ticket ist gewählt und das mit hervorragenden Resultaten.» Auch die Regierungsräte der SP waren gekommen, um den neuen Kollegen zu gratulieren. Baudirektor Hans-Peter Wessels freute sich über den Wahlausgang: «Ich gratuliere Guy Morin zur extrem deutlichen Bestätigung als Regierungspräsident.» Morin selbst war die Erleichterung deutlich anzusehen, die Enttäuschung, dass er in den zweiten Wahlgang musste, war damit überwunden. «Eine Abwahl wäre eine enorme Enttäuschung gewesen», gab er offen zu.

Befriedigung bei den Bürgerlichen

Der Einzug von Baschi Dürr in die Basler Regierung wurde bei den Bürgerlichen mit Erleichterung zur Kenntnis genommen. FDP-Präsident Daniel Stolz gab sich sehr zufrieden: «Die FDP hat ihren Sitz verteidigt und Basel bekommt einen brillanten Regierungsrat. Das wird der Stadt gut tun.» Den Einwand, dass die Verteidigung ohne einen Angriff der Linken auch ziemlich einfach gewesen sei, liess er nicht gelten: «Jeder Wahlkampf ist hart.» Grossratsvizepräsident Conradin Cramer (LDP) war als Gastgeber im Vorzimmer des Grossen Rates ebenfalls anwesend und fand auch an Dürrs Niederlage bei den Präsidiumswahlen eine gute Seite: «Ich bin froh, dass es diesmal zu einer echten Ausmarchung um das Amt des Regierungspräsidenten gekommen ist. So wird auch deutlich, dass dieses Amt eine Bedeutung für Basel hat.»

Dürr: froh, aber unaufgeregt

Der frisch gebackene Regierungsrat Baschi Dürr verbarg seine Enttäuschung über die Nichtwahl als Regierungspräsident geschickt. «Ich freue mich auf die Aufgabe als Regierungsrat» diktierte er den Journalisten. Der wilde Kandidat Damian Heizmann zog die frische Luft im Rathaushof der Hitze im Wahlforum vor. «Ich habe 17 Prozent der Stimmen erreicht und das nach gut zwei Wochen Wahlkampf. Ich finde, das ist respektabel», sagte er, mit der Prosecco-Flasche in der Hand gestikulierend.