Nach zwölf Jahren geht Rita Wirz, die Leiterin des Bestattungswesens Basel-Stadt, in Pension. Frühzeitig. Ihre Schlüssel hat sie noch nicht abgegeben, da hat Marc Lüthi, Ex-Stadtpräsident von Liestal, schon übernommen. Interimistisch.

Elegant hat sich damit für das Basler Bau- und Verkehrsdepartement von Hans-Peter Wessels (SP) ein Problem gelöst, das dem Vernehmen nach schon seit Jahren als solches hätte wahrgenommen werden können. Denn im Basler Bestattungswesen herrschte nicht die angebrachte Friedhofsruhe, sondern ein ziemlicher Unfriede.

Es kam zu Abgängen, die vom obersten Personalverantwortlichen des Kantons persönlich erledigt werden mussten und in Stillschweigeerklärungen endeten. Der Wechsel des Bestattungsbüros vom Zivilstandsamt zum Amt für Bestattungswesen führte selbst bei den Spezialisten für Bestattungen zu erhöhter Verwirrung. Der Neue im Amt, Marc Lüthi (57), hat denn nicht nur die Aufgabe, «Prozessanpassungen» vorzunehmen, sondern auch die «Personalsituation zu stabilisieren».

Die schwelenden Personalprobleme waren für Emanuel Trueb, Leiter der Stadtgärtnerei, nicht Anlass genug, seine Vorgesetztenfunktion wahrzunehmen und für einen Führungswechsel zu sorgen. In den vergangenen Monaten zeigte sich jedoch, dass auch die Rechnung des Bestattungswesens nicht mehr aufging. Dem Vernehmen nach haben sich Umbauarbeiten auf dem Hörnli verteuert, sicher aber fehlt Geld auf der Einnahmeseite. In einer schriftlichen Stellungnahme bestätigt das Departement, dass die Budgetvorgaben nicht erreicht werden konnten. Dies liege daran, dass die Nachfrage nach Bestattungsmöglichkeiten ohne verrechenbare Kosten gestiegen sei. Das Resultat war ein deutlicher Fehlbetrag in der Kasse. Den kolportierten Betrag von 1,8 Millionen Franken bestätigte Regierungsrat Hans-Peter Wessels als Grössenordnung. Es sei «sicher wünschbar» gewesen, wenn die jährlich wiederkehrenden Verluste früher erkannt worden wären. Der neue Leiter habe nun die Aufgabe, «umgehend» die finanzielle Situation zu analysieren und Gegenmassnahmen vorzuschlagen.

Dass im Verwaltungsumfeld für den letzten Gang vieler Basler manches im Argen lag, zeigt auch die missglückte Submission für den Totentransport. Die erste Ausschreibung für die jährlich rund 1400 Totentransporte in der Stadt Basel war weit vorangeschritten, der Submissionssieger bereits ermittelt, als Wessels das Verfahren stoppte: Denn die Ausschreibung war so formuliert, dass faktisch nur der bisherige Submissionsnehmer Bürgin & Thomas gewinnen konnte, den Zuschlag erhielt jedoch der günstigste Anbieter Hans Heinis, der nun Rekurs gegen die Annullation der ersten Submission eingereicht hat. Das Verfahren ist beim Verwaltungsgericht hängig.

Der neue, Marc Lüthi, soll nun alles richten. Das Personal beruhigen, die Prozesse in Ordnung bringen, die Rechnung ausgleichen und ein grosses Projekt voranbringen: Es steht die Erneuerung des Krematoriums an. Ein Neubau sei wahrscheinlich, sagt Wessels. Ein Ratschlag mit einem Investitionsvolumen in zweistelliger Millionenhöhe werde wohl kommen. Lüthi sind zwei Jahre gegeben. Auf diese Zeit ist sein Arbeitsvertrag befristet. Der Vorteil: Die Stelle musste nicht ordentlich ausgeschrieben werden und Lüthi, ohnehin auf Arbeitssuche, konnte unverzüglich einsteigen.

Weit gesucht wurde allerdings nicht, um den Turnaround-Manager zu finden: Lüthi (FDP) ist ein alter Bekannter von Emanuel Trüeb (CVP). Oder wie es in der schriftlichen Stellungnahme heisst: «Die beiden Herren können an ein Vertrauensverhältnis anknüpfen.»