Wer heute nach dem ConnectCafé sucht, tut dies vergeblich. Im hinteren Bereich des Unternehmen Mitte sieht es zwar ähnlich aus wie ein paar Monate zuvor: Tische, Stühle, iMac-Computer. Wo einst aber eine Anlaufstelle für Jugendliche war, finden sich heute Büroräumlichkeiten der Zeitschrift «TagesWoche». Ende Mai machte das ConnectCafé dicht, nach rund zwei Jahren Betriebszeit. Ziel des Projektes, das gemeinsam mit dem Verein für Kinder und Jugendförderung «infoklick.ch» initiiert wurde, war in erster Linie, Jugendlichen eine Informationsstelle zu bieten.

Doch bereits an der Kernidee schieden sich die Geister: Denn für die Verantwortlichen vom ConnectCafé war neben reinem Informationsangebot die Beratung und Betreuung von Projekten ebenso wichtig. Der Kanton hingegen wollte einen Fokus auf Information mit der Begründung, dass Projektbegleitung bereits zu den Aufgaben der offenen Jugendarbeit gehörte. Die Evaluierung des Angebotes durch die Hochschule für Soziale Arbeite startete dann gleichzeitig mit dessen Eröffnung.

Aus den Ergebnissen, die dem «Sonntag» vorliegen, ging hervor, dass beispielsweise das Informationsangebot spezifischer werden sollte, die Beteiligung der Jugendlichen aktiver, der Bekanntheitsgrad des Cafés höher. Auch Raum und Zielgruppe, empfahlen die Verfasser, sollten nochmals überdacht werden.
Dafür sollte der neue Vorstand sorgen, den der Verein zusammenstellte. Präsident wurde Thomas Gander. Der Vorstand machte eine Situationsanalyse und stellte ein neues Konzept für das ConnectCafé auf. Zu dessen Umsetzung kam es allerdings nie. Für den Kanton war es gar der Grund seinen Anteil an der Finanzierung des Projektes ein halbes Jahr früher einzustellen als geplant. Damit war auch die Idee zum Scheitern verurteilt, das ConnectCafé in eine vierjährige Regelsubventionierung überzuführen.

Hauptsächlich störte sich der Kanton daran, dass die Verantwortlichen des ConnectCafés den Raum im Unternehmen Mitte in Eigenregie ohne vorherige Rücksprache kündigten und sich nach einer neuen Lokalität umsahen. Das Unternehmen Mitte als Standort ist in den Statuten des Vereins verankert. «Beim Projektstart war der Standort ein zentraler Finanzierungsgrund», sagt Marc Flückiger, Leiter der Abteilung Jugend- und Familienförderung im Basler Erziehungsdepartement. Letztlich seien zu viele Fragen offen gewesen, um das Projekt ConnectCafé in eine Regelsubventionierung überzuführen. Thomas Gander sieht das anders: «Das Projekt wurde zu früh eingestellt.» Man sei Mitten in einem Veränderungsprozess gewesen.

Übrig geblieben ist eine Datenbank, die der ehemalige Leiter des ConnectCafés programmiert hat. Dass sie wieder verwendet wird, was eigentlich Absicht war, ist unwahrscheinlich. Denn der Programmierer ist ausgewandert, die Datenbank wird nicht mehr bewirtschaftet. Übrig geblieben ist ein enttäuschter Vorstand, der sich im Dezember für seine voraussichtlich letzte Sitzung vor Vereinsauflösung trifft. Übrig geblieben ist ein Jahresbericht 2010. Aufwand 2010: 200'000 Franken.

Welche Lehren die Verantwortlichen daraus gezogen haben, scheint unklar. Gander glaubt, dass der Fokus der offenen Jugendarbeit in Basel zu stark auf sozial benachteiligten, eher jüngeren Jugendliche liegt. Für die anderen, sagt Gander, bräuchte es dringend ein Angebot ähnlich dem ConnectCafé. Die Subventionspraxis im Kanton sei zu wenig flexibel, um neue Initiativen zu etablieren und auf neue Bedürfnisse zu reagieren. «Was es künftig genau braucht, klären wir jetzt ab», sagt Flückiger. Gemeinsam mit Studierenden der Hochschule für soziale Arbeit erarbeite man Grundlagen, um die offenen Fragen im Bereich Jugendinformation zu klären. Ein neues Projekt ist noch nicht geplant. Es sollen alle Möglichkeiten geprüft werden: «In England gibt es zum Beispiel Jugendinformation in Kaufhäusern.» Zudem würden auch neue Medien zunehmend eine wichtige Rolle spielen. Konkreter wird er nicht.