Sie heissen Aguila und Aurora, Ceremonia, Manduk, Sorpresa, Belezza, Memoria und Primor. Spanische Namen, für jede Gitarre, welche die Werkstatt von Oswald «Ossy» Hürlimann verlässt. Er schafft Unikate.

«Meisterwerke», lobt der Musiker Chicago Dave die Kunstwerke von Oswald Hürlimann. Während vieler Jahren zupfte Hürlimann in der Chicago Dave Blues Band, der Formation aus dem Oberbaselbiet, die sich weit über die Grenzen der lokalen Bluesszene hinaus einen Namen machte, den Bass.

Genug von Kompromissen

Glücklich wurde Hürlimann aber nie mit seinen Gitarren. «Ich musste ständig Kompromisse eingehen, weil mir entweder der Ton nicht passte, das Instrument hingegen aber gut in der Hand lag, oder dann störte mich das Handling, wogegen der Sound des Instrumentes gut war.»

Der gelernte Mechaniker und heutige Betriebsleiter der Velostation in Liestal wusste sich zu helfen. «Ich baute mir ein eigenes Instrument, das ich auf meine Bedürfnisse zuschnitt.»

Hürlimann wurde Instrumentenbauer – im Nebenberuf. «Ich muss nicht, ich darf Instrumente bauen», ist der Sozialpädagoge mit der jetzigen Situation glücklich. «Doch um die Aufträge reisse ich mich, weil ich Spass am Gitarrenbauen habe.» Über 30 Gitarren haben bisher seine Werkstatt in Ziefen verlassen. Alles Unikate und unter dem Label «Madera-Guitars».

Massgeschneiderte Stücke

Madera steht im Spanischen für Holz, und Holz spielt für Oswald Hürlimanns Gitarren die zentrale Rolle. Der Ton macht die Musik, und das beginnt schon bei der Holzwahl. Darum ist diese für ihn wichtig.

Zumal er zuvor mit dem Kunden Gespräche geführt und sich mit ihm über dessen ästhetische Vorstellungen und Wünsche betreffend den Sound und die Form der Gitarre oder des Basses unterhalten hat. Nicht zuletzt lässt er den Musiker auch vorspielen. «Damit ich sein Handling mit dem Instrument etwas besser kennen lernen kann.»

Im Besitz dieses Wissens wählt Hürlimann dann die Hölzer aus. Aus etwa 50 Sorten kann er wählen, wobei es sich bei einigen Holzarten um einheimische Obstbäume wie Kirschen-, Zwetschgen- oder Apfelbäume, Esche, Erle und Ahorn handelt, die er selber fällt, schneidet und nach kalkulierten Kriterien lagert, damit sie wunschgerecht austrocknen.

Nicht selten baut Hürlimann auch aus Nussbaumholz Gitarren. «Eine Holzart, die bei uns in Europa beim Instrumentenbau noch recht wenig verwendet wird.»

Mit dem Bauen verschafft sich Hürlimann auch das Fachwissen, das er mit Fachliteratur, dem Besuch von Kursen und im Internet vertieft. Schützenhilfe leisteten ihm zudem Schreiner, die ihm das richtige Aufsägen des Holzes sowie die Lagerung vermittelten.

«Als gelernter Mechaniker war da schon Handlungsbedarf angesagt», lacht der Gitarrenbauer, der heute Holz- statt Metallspäne zusammenwischt.

Immer mehr Kunden

Ossy Hürlimann baut Instrumente im Mittelklassebereich mit einem Höchstmass an Qualität. «Meine Instrumente können sich die meisten Musiker leisten, auch Amateure.» Der Kundenkreis wird immer grösser.

Der Ziefner Instrumentenbauer macht kein Geheimnis daraus, dass er mit seiner Nebenbeschäftigung Spass hat. «Ich habe Spass weil ich Gitarren bauen will, und die Kunden haben Spass, weil sie sich auf ein auf sie persönlich zugeschnittenes Instrument freuen können, das sie nicht nur musikalisch abheben lässt.» So einfach ist das, wenn Oswald Hürlimann einem rohen Stück Holz das Leben einer Gitarre oder eines Basses einhaucht.

www.madera-guitars.ch