Noch sind die Fasern dunkel. Zwar haben IWB und Swisscom bereits mehrere zehntausend Häuser in Basel an ihr modernes Glasfasernetz angeschlossen. Doch Daten werden darüber noch kaum verschickt. Das könnte sich bald ändern, denn ab März wird der Telekom-Anbieter Sunrise einen Teil seiner Kunden über das Glasfasernetz der IWB bedienen. Das teilte das Unternehmen diese Woche mit. Für Sunrise ist das Netz der IWB eine schnelle Alternative zum ADSLMonopol der Swisscom. Bisher schliesst Sunrise ihre Kunden nämlich über deren Kupferleitungen ans Internet an.

Für die IWB ist das eine gute Nachricht, denn sie brauchen dringend Partner für ihr teures Glasfasernetz. Knapp 70 Millionen Franken lassen sich die IWB den Netzbau kosten, Partnerin Swisscom investiert gar noch mehr.

Doch während die Swisscom als heute grösste ADSL-Anbieterin keine Mühe haben wird, ihren Teil des Netzes auszulasten, müssen die IWB Drittfirmen auf die Glasfasern locken. Firmen wie Sunrise. Denn selber will der Basler Strommonopolist keine Dienste über das neue Netz anbieten. Das bekräftigt Firmensprecher Dietmar Küther gegenüber dem «Sonntag».

Bisher mangelt es an Partnern. Eine verbindliche Zusage stammt vom Internet- und Telefonieanbieter VTX, der Ende Monat ebenfalls Dienste für die breite Öffentlichkeit lancieren will, wie Manager Peter Preuss unlängst im «Sonntag» angekündigt hat. Auch die Firma Solnet hat begonnen, ein Glasfaserangebot aktiv zu vermarkten. Ansonsten bestehen bisher erst Absichtbekundungen von Firmen wie etwa CATV.

Lediglich 10 Prozent Marktanteil

Das Problem der IWB ist: Sunrise ist zwar die zweitgrösste Anbieterin, wenn es um Mobiltelefonie in der Schweiz geht. Bei schnellen Internetzugängen (ADSL/Kabel) liegt ihr Marktanteil jedoch bei lediglich gut zehn Prozent. 55000 Haushalte wollen die IWB bis Ende Jahr ans Glasfasernetz angeschlossen haben. Mit 10 Prozent davon als potenziellen Sunrise-Kunden kommen die IWB jedoch nicht weit, wie eine kleine Rechnung zeigt: Offiziell bezahlt ein Partner für einen Glasfaseranschluss bei den IWB Fr.27.95 pro Monat. Sunrise dürfte darauf einen grösseren Mengenrabatt erhalten, um in die Nähe der Fr. 15.80 zu kommen, die sie laut Sprecher Tobias Kistner heute für den Kupferanschluss der Swisscom bezahlt. Maximal winkt den IWB damit ein Umsatz von jährlich ein bis zwei Millionen Franken.

Ursprünglich hofften die IWB, auch weitere grosse Anbieter dazu zu bringen, das Basler Netz zu nutzen. Vor allem Orange schien vielversprechend, testet die Gesellschaft doch auf dem Zürcher Glasfasernetz «Zürinet» ein entsprechendes Angebot mit Festnetztelefonie, Internet und Fernsehen. Orange griff dabei auch auf Erfahrungen zurück, die ihre damalige Muttergesellschaft France Telecom in Frankreich gemacht hatte.

Fasernetz kein Thema mehr

Inzwischen jedoch hat Orange nicht nur die Strategie geändert, sie wurde auch verkauft. Und so ist Festnetz kein Thema mehr. Gegenüber dem «Sonntag» hält Pressesprecherin Therese Wenger fest, es mache für Orange «keinen Sinn, sich unter den Glasfaser-Marktpionieren zu positionieren». Zu stark sei die Dominanz von Swisscom und Cablecom im Markt für schnelles Internet.

Auch die Hoffnungen, dass die Kabelnetzbetreiberin UPC Cabelcom Kundin der IWB werden könnte, haben sich zerschlagen. Vielmehr setzt die Cablecom seit einigen Jahren darauf, ihr in die Jahre gekommenes Kupfernetz selber in ein Glasfasernetz umzubauen. Bisher ist es der Cablecom gelungen, den Geschwindigkeitsvorsprung auf die ADSL-Konkurrenz zu halten.

Die Stellungnahme von Cablecom-Sprecher Marc Maurer ist denn auch unmissverständlich. «UPC Cablecom wird in absehbarer Zeit kein Layer-1-Kunde eines Swisscom/E-Werk-Glasfasernetzes», betont er. «Auch nicht in Basel.»

Und so ist unklar, ob die IWB ihre Investitionen in das neue Netz je herausholen können. Über welche Zeit diese abgeschrieben werden sollen, will Pressesprecher Küther nicht sagen. Die Kooperation mit der Swisscom sei auf «dreissig plus zehn Jahre angelegt», sagt er lediglich. Zur Aussicht auf Gewinn meint er, man sei zuversichtlich, dass die IWB durch die Kooperation mit Sunrise «dem rentablen Betrieb des Netzes näher gebracht» werden könne.