Gleichstellung
Die Männerklubs sind Geschichte: In den Basler Zünften sind Frauen und Männer ab jetzt formell gleichgestellt

Die Anpassungen in den Reglementen liessen lange auf sich warten. Doch nun sind sie rechtskräftig.

Helena Krauser 2 Kommentare
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Zünfte und Gesellschaften mussten ihre Ordnungen zeitgemäss anpassen.

Zünfte und Gesellschaften mussten ihre Ordnungen zeitgemäss anpassen.

Archivfoto: Kenneth Nars

Noch vor zwei Jahren sprach sich der Basler Bürgergemeinderat gegen die Änderungen in den Reglementen der Basler Zünfte, Gesellschaften und Korporationen aus. Doch jetzt wurden die Anpassungen vollzogen. Frauen und Männer werden in den verschiedenen Paragrafen jeweils gleichermassen angesprochen. Der Weg dort hin war lang.

Die Basler Zünfte, Gesellschaften und Korporationen sind aus historischen Gründen der Bürgergemeinde unterstellt und aus diesem Grund öffentlich-rechtliche Zusammenschlüsse. Nachdem die SP im September 2018 verlangte, dass der Bürgerrat die Zunftordnung genderneutral formuliert, sprach sich dieser ein Jahr später mit 21 zu 12 Stimmen gegen diese Forderung aus. Die Argumentation: Das Reglement wurde bereits mit einem Paragrafen ergänzt, der die Gleichstellung der Frauen mit den Männern möglich macht: «Eine Zunft kann durch Beschluss der Zunftversammlung Frauen den Männern gleichstellen.» Diesen Absatz gibt es seit 2019. Deshalb sei es nicht notwendig, Formulierungen wie «jeder männliche und wohlbeleumdete Bürger der Stadt Basel» zu ändern. Daraufhin beauftrage die SP zwei Staatsrechtlerinnen der Universität Bern damit, eine Analyse über die Verfassungsmässigkeit der Reglemente durchzuführen. Sie kamen zu dem Schluss, dass «die Kooperationen gegen das Gleichstellungsgebot in der Bundes- und Kantonsverfassung verstossen, wenn sie Frauen den Zugang verwehren». Ein Bericht der Universität Zürich kam zu demselben Schluss. Als Reaktion auf die Analysen machten der SP-Politiker und Bürgergemeinderat Alex Klee und die SP-Grossrätin Danielle Kaufmann zusätzlich mit Interpellationen Druck.

Somit war klar: Die Änderungen müssen vorgenommen werden. Der Bürgergemeinderat bereitete einen Entwurf der Reglemente vor. Geplant war das Inkrafttreten der neuen Ordnung für Januar 2022. Jetzt wurde sie aber bereits frühzeitig gültig gemacht. «Der Januar wurde bewusst gewählt, damit genug Zeit für die Vernehmlassungen der Zünfte bleibt. Nun ist das Verfahren früher als erwartet abgeschlossen», sagt der Bürgerratspräsident Lukas Faesch.

«Mitglieder» statt «Brüder»

Anstatt «jeder männliche und wohlbeleumdete Bürger» heisst es nun «jede wohlbeleumdete Person». Wörter wie «Gesellschaftsbrüder» wurden mit «Mitglieder» ersetzt und «Söhne» mit «Kinder». Ausserdem wurde der Paragraf, der beinhaltet, dass Frauen den Männern gleichgestellt werden können, entfernt. Angepasst wurden die Reglemente der Ordnung über die Zünfte, die Drei E. Gesellschaften, die Vorstadtgesellschaften, die Bürgerkorporation Kleinhüningen und die Verwaltung des Korporationsvermögens. «Der Bürgerrat ist mit den jetzigen Änderungen der Zunftordnung sehr zufrieden, da sie übergeordnetes Recht noch klarer einbeziehen», so Faesch. Ob die Änderungen Auswirkungen auf die Anzahl der Bewerbungen von Frauen haben werden, könne nicht vorausgesagt werden. Allerdings hätten einige Zünfte bereits signalisiert, dass sie nun aktiv Frauenbewerbungen fördern wollen. Faesch vermutet, dass dies langfristig zu mehr Bewerbungen von Frauen führen wird.

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