Persönlich
Messbarer Mist aus der Maschine

Auch Journalisten sind nicht unfehlbar, aber die Kritik «erste Hinweise auf Bullshit-Deutsch» hat mich dann noch aufhorchen lassen.

Stefan Strittmatter
Stefan Strittmatter
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Mist tritt in verschiedenen Formen auf. Aber ist er messbar?

Mist tritt in verschiedenen Formen auf. Aber ist er messbar?

Bruno Kissling

Sie werden es nicht glauben, aber auch ich liefere nicht nur Meisterwerke ab. Dennoch zuckte ich zusammen, als ein entfernter Bekannter einen meiner Artikel auf Facebook teilte. Es ging um eine Personalie in einem Basler Musiklokal. Kein Pulitzer-Preis-Anwärter, gewiss. Aber sein begleitender Satz hatte es in sich:

«Bullshit-Index: 0,24. Ihr Text zeigt erste Hinweise auf Bullshit-Deutsch, liegt aber noch auf akzeptablem Niveau.»

Gute Güte! Bullshit-Deutsch?! Akzeptables Niveau?! Hatte ich mich bei einem Namen vertippt? War ich in einer Jahreszahl verrutscht? Hat die Korrektur einen Buchstabendreher übersehen? Und kann man auf akzeptablem Niveau liegen?

Eine Nachfrage beruhigte mich. Das harsche Votum stammte nicht von einem Menschen, sondern von einer Maschine. Man kann sie auf www.blablameter.de besuchen. Text rein, Wertung raus. Was leider fehlt: die Kriterien, die das Tool analysiert, und eine Skala, auf der man den Wert 0,24 verorten könnte.

Das liess mir keine Ruhe, also fütterte ich der Maschine die ersten drei Strophen von Goethes «Erlkönig». Er bekam eine blanke 0. Während Dürrenmatt für die Regieanweisung im ersten Akt von «Der Besuch der alten Dame» eine 0,24 kassierte – also die identische Bewertung wie ich.

Ich erkannte ein Muster: je länger die Sätze, je mehr Adjektive und Fremdwörter, desto höher der Bullshit-Wert. Also griff ich zu einem Meilenstein deutscher Schreibkunst: Loriots «Bundestagsrede» – ein Schwall an Worthülsen, Floskeln und nichtssagenden Satzkonstrukten. Dafür gab es eine erstaunlich tiefe 0,13. Also nur 0,04 Prozentpunkte mehr als der hier vorliegende Text. So ein Mist!