Goodwill-Aktion
Ein Gratistag im Basler Zolli als Zeichen gegen die Armut und für Solidarität

Die Organisation Zollitag lädt am kommenden Samstag Armutsbetroffene in den Zoo Basel ein. Nicht nur der Eintritt ist frei, sondern auch für Tramfahrkarten und Gratisverpflegung wird gesorgt.

Ali Ahmeti
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Eindrücke von der Zolli-Nacht 2009.

Eindrücke von der Zolli-Nacht 2009.

Kenneth Nars

Die Idee des Zollitags entstand aus dem Jugendprojekt Mittagsfrisch in der Region Laufental-Thierstein. Nach dem Vorbild des Miniatur-Wunderlands in Hamburg, wo man Armutsbetroffene gratis ins Museum einlud, verfolgt der Zollitag nun ähnliche Ziele. Luana Chanton und das Team vom Zollitag erhoffen sich, damit die Solidarität gegenüber den finanziell schwächeren Menschen in der Schweiz fördern zu können. Der Verein Zollitag hat sich zum Ziel gesetzt, Armutsbetroffenen einen kostenlosen Besuch des Basler Zoos zu ermöglichen. Der Zoo Basel hat sich als Host zur Verfügung gestellt, ist aber unabhängig vom Verein Zollitag.

«Wir hoffen, dass der Zollitag keine einmalige Sache ist. Es soll in Zukunft weitere ähnliche Aktionen geben. Wir wollen die Leute inspirieren, auch etwas gegen Armut zu unternehmen», sagt Chanton. Ob solche Gratistage auch mit anderen Institutionen durchgeführt werden, sei noch unklar.

Coronazertifikat oder negativer Test sind nicht nötig

Wer in den Zolli gehen möchte, wird bereits am Eingang mit Flyern und Tickets bedient. Zudem konnte das Zollitag-Team Gratistickets für Fahrten im Tarifverbund Nordwestschweiz (TNW) organisieren. Die Eintrittskarten sind mit drei Fragen versehen, die der Selbstdeklaration dienen. Die Besucher sollen erzählen ob sie sich den Zolli-Besuch zu regulären Preisen leisten können oder nicht. «Wenn nicht, gibt es die Gratisverpflegung, und wenn die Leute ehrlich sind und sagen, sie können es zahlen, gibt es als Belohnung für die Ehrlichkeit ein Wasser», sagt Zollitag-Sprecherin Ursula Ammann.

Ein regulärer Zolli-Eintritt schlägt für Erwachsene ab 25 Jahren mit 21 Franken, für Jugendliche zwischen 16 und 24 Jahren mit 15 Franken, für Kinder zwischen sechs und 15 Jahren mit zehn Franken und für Senioren ab 62 mit 19 Franken zu Buche. Familien mit Kindern bis 20 Jahren können von Familienkarten für 43 Franken profitieren, doch selbst dieser Preis kann für Armutsbetroffene einen hohen Einschlag in die Hauskasse bedeuten.

Wegen Corona gelten die gängigen Schutzmassnahmen: Maskenpflicht in den Tierhäusern und der Mindestabstand. Es wird kein Coronazertifikat oder ein negativer Test verlangt und Masken werden an den Eingängen der jeweiligen Tierhäuser zur Verfügung gestellt. Die Organisatoren rechnen mit 5000 Besuchern am Samstag.

Sensibilisierung für Armutsthematik im Fokus

In der Schweiz sind rund acht Prozent der Bevölkerung von Armut betroffen. Das Armutsspektrum sei gross, sagt Ammann, und schwierig sei auch die soziokulturelle Armut, die den Betroffenen die Teilnahme an so vielem verunmöglicht: «Das fängt bei der alleinerziehenden Mutter an, die sich keine Turnschuhe sowie keine Finken leisten kann. Familien können nicht in den Zoo, weil es zu teuer ist.»

Es ist nicht das erste Mal, dass der Zoo Basel ein solches Angebot bereithält. Gratiseintritte für öffentliche Schulen der Kantone Basel-Stadt und Baselland und Rollstuhlfahrer stehen an der Tagesordnung sowie Vergünstigungen der Begleitpersonen. Zudem gab es auch Tage mit reduziertem Eintrittspreis von fünf Franken. «Ich bin unglaublich begeistert, was für eine grosse Eigenleistung das Team vom Zollitag mitbringt», freut sich Ammann.

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