Politik
Guy Morin: «Ich bezeichne mich als fortschrittlich religiös»

Ein Geheimnis um seinen Glauben hat auch der grüne Regierungspräsident Guy Morin nie gemacht. 2004 sagte der damalige Regierungsratskandidat gegenüber «Onlinereports», dass «der Glaube Berge versetzt».

Aline Wanner
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Bibelleser Guy Morin. (Archiv)

Bibelleser Guy Morin. (Archiv)

Juri Junkov

Dem Kirchenboten verriet Morin später, dass er jeden Tag das «Vaterunser» bete. Und am liebsten inszeniert sich Morin, der vor seinem Medizinstudium zwei Semester Theologie studierte, als spiritueller Orgelspieler im Basler Münster. Dabei, sagt er, erreiche ihn das Wort Gottes. Als regelmässiger Gottesdienstbesucher bezeichnet sich Morin aber nicht.

Von sich aus redet Morin nicht so gerne über seinen Glauben. Er spreche das Thema nie «offensiv an», räumt er ein. Über die Bibel äussere er sich nur im religiösen Kontext. Das Regierungsamt sei ein säkulares Amt, Politik und Glaube gelte es zu trennen, erklärt Morin – der Regierungsrat, der von sich sagt, dass er über den Glauben politisiert wurde. Morin ist Anhänger des religiösen Sozialismus. Dass Gott links sei, wie dies Eric Nussbaumer sagte, würde er sofort unterschreiben. Aber auch Morin will die Aussage präzisiert wissen: «Jesus setzt sich für die Schwachen ein.» Das sei eine traditionell linke Position.

Christliche Werte in der Politik

Christliche Werte möchte Morin auch in seine Politik einbringen. Deshalb habe er immer offen gesagt, dass er glaube. «Die Leute sollen das wissen, damit sie mich verorten können.»

Morin, Mitglied der evangelisch-reformierten Landeskirche, hat nicht den Eindruck, dass sich grüne Politik und Glaube widersprechen. Auch nicht in Bereichen, wo es beispielsweise um die Förderung von Alternativen Energien und damit insbesondere um wissenschaftliche Aspekte geht. Er sei nicht wissenschaftsfeindlich, bloss, weil er glaube. Morin bezeichnet sich als «fortschrittlich religiös». Negative Reaktionen auf seine Glaubensbekenntnisse habe er in der Vergangenheit nie erhalten. Weder vonseiten der Bevölkerung noch von Politikern.

In seiner Rolle als Politiker versuche er grundsätzlich, eine liberale Haltung einzunehmen. Wie Eric Nussbaumer bekundet er persönlich Mühe mit Abtreibungen, legt aber Wert darauf, den Entscheid letztlich den Betroffenen zu überlassen.

«Ich bin froh, dass ich mich nie privat damit auseinandersetzen musste», sagt Morin. «Das hätte mich ethisch in eine sehr schwierige Situation gebracht.» Allerdings sei er keineswegs ein Abtreibungsgegner. «Jede Frau soll ihren eigenen Weg gehen», sagt Morin.