Handarbeit
Wettbewerb mit Säge und Beil: In Eptingen hat das «Handholzen» Tradition

In Eptingen massen sich am Samstag Handholzer aus der ganzen Schweiz. Der Sport ist hier fest verankert.

Boris Burkhardt
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Präsident André Wullschleger (rechts) von den Handholzern Eptingen legt sich ins Zeug.

Präsident André Wullschleger (rechts) von den Handholzern Eptingen legt sich ins Zeug.

Boris Burkhardt / bz Zeitung für die Region

Immer wieder brüllt eine Motorsäge über dem Hof Steinägerten auf dem Bergrücken zwischen Eptingen und Läufelfingen. Aber der akustische Eindruck am vergangenen Samstag täuscht: Beim 35. Schweizerischen Handsäge- und Spaltwettbewerb geht es nicht um Motorsport. Es geht – wie der Name schon sagt – um reine Handarbeit: zunächst zwei Rugeli Holz vom liegenden Baumstamm absägen und dann mit dem Beil viermal Holzscheite spalten. Das ganze so schnell wie möglich: Wer fertig ist, rennt zum Startpunkt zurück und drückt den Knopf. 36,29 Sekunden braucht der schnellste Eptinger Roger Gass dazu; am schnellsten schafft es jedoch Jakob Herger aus Flüelen mit 26,58 Sekunden. Aus demselben Ort im Kanton Uri kommt als schnellste Frau mit 44,39 Sekunden Margrit Ziegler.

Der Hof Steinägerten der Familie Buser ist über Eptingen hinaus bekannt als Austragungsort für kreative und unterhaltsame Veranstaltungen: Der Autor selbst sass vor Jahren einmal in der Jury der Wurstsalatweltmeisterschaft. Die 35. Schweizer Handsäge- und Spaltmeisterschaft repräsentiert immerhin einen echten Sport: «Sportholzfäller» werden sie offiziell etwas umständlich genannt. In Eptingen heissen sie kurz und griffig «Handholzer» und sind ein Verein mit Mitgliedern aus der ganzen Region, der jeden Montag präzise auf dem Steinägertenhof übt, wie Präsident André Wullschleger berichtet. Einige Busers sind selbst Mitglieder im Verein.

Gaudi und Geselligkeit stehen im Vordergrund

Die Handholzer sind eine kleine aber verschworene Gemeinschaft
Doch wie bei der Wurstsalat-WM steht bei der Schweizer Meisterschaft Gaudi und Geselligkeit im Vordergrund – denn auf Nachfrage sind sich weder die Handholzer Eptingen sicher noch die Holzerfreunde Uri aus besagtem Flüelen, die im Wechsel die Meisterschaft organisieren, wer Titelverteidiger ist. Denn die Meisterschaften werden in verschiedenen Disziplinen ausgetragen: Während in Eptingen gesägt und gespalten wird, gibt es andernorts reine Säge- und reine Spaltermeisterschaften und als vierte Kategorie noch die Doppelsäge. Mit der Motorsäge werden übrigens lediglich die Holzstämme nach jeder Runde sauber abgetrennt.

Die Anzahl der Schweizer «Sportholzfäller» ist überschaubar: Neben den Eptingern und den Flüelern sind die Sägesportfreunde aus dem Rheintal und die Handholzer aus Obwalden gekommen. Doch in Eptingen dürfen sich nicht nur Vereinsmitglieder an Säge und Beil messen: Jeder ist jederzeit willkommen; eine Anmeldung gibt es nicht. Der Turniermodus ist deshalb denkbar einfach: Jeder hat einen Versuch, dessen Zeit in die Rangliste aufgenommen wird.

Auch die Junioren übten sich am Samstag in Eptingen bereits beim Sägen.

Auch die Junioren übten sich am Samstag in Eptingen bereits beim Sägen.

Boris Burkhardt / bz Zeitung für die Region

Mit dabei sind auch der elfjährige Robin Messerli aus Oberbuchsiten im benachbarten Solothurn, der mit 16,71 Sekunden die Juniorenklasse gewinnt: Weil das Beil noch zu gefährlich für die Kinder ist, müssen sie nur ein Rugeli absägen. Robins Vater ist Mitglied bei den Handholzern Eptingen und Robin selbst hat schon an mehreren Wettbewerben teilgenommen. Die gleichaltrige Melina Gass, die auf Steinägerten wohnt, sägt nicht im Verein und kümmert sich lieber um ihre Pferde. Am Wettbewerb wagt sie dennoch einen Versuch und erreicht immerhin Platz fünf von zwölf unter den Junioren.

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