Ein junger Mann betritt das Blumengeschäft Baumeler am Rheinsprung. Er ist leicht nervös und läuft aufgeregt zwischen dem Blumenangebot hin und her. Heute wird er es tun – er wird seiner heimlichen Verehrten ein Zeichen geben. Nach reiflichem Überlegen entscheidet er sich für zwölf rote Rosen. Er legt ein Kärtchen dazu und bezahlt.

Noch am gleichen Tag liefert der Chauffeure die Rosen aus. Die Herzdame ist überrascht und fragt sich, wer den Strauss geschickt hat. Doch auf der Grusskarte fehlt der Absender. Sie denkt darüber nach, wer eine solche Überraschung machen könnte. Schlussendlich greift sie zum Hörer und ruft beim Blumengeschäft an.

Keine Namen herausgeben

«Am nächsten Tag haben wir viele Anrufe», schmunzelt Heini Baumeler, der Inhaber des Blumengeschäfts. Meist sind es Frauen, die wissen wollen, von wem die Blumen sind. Doch Baumeler gibt den Beschenkten die Namen nicht heraus. Grundsätzlich gäbe es Personen, die wirklich von Herzen schenkten und andere, für die es einfach eine Pflicht sei. Letztere erkenne man am Ausdruck: «Oh, ich muss noch einen Blumenstrauss kaufen.» Schenken sollte jedoch kein Muss sein, findet Baumeler.

Im Blumengeschäft sind alle Mitarbeiter schon einen Tag vor dem Valentinstag sehr beschäftigt. Sie hantieren flink mit Messern und Scheren und entwerfen bunte Gestecke und Sträusse. Rund eine halbe Stunde arbeite man an einem Gesteck, sagt Floristin Simone Müller.

Schon am Vortag ausgelastet

Einen Tag vor dem Valentinstag bereiten die Floristen eifrig die Gestecke vor. «Heute ist ein strenger Tag», erklärt Floristin Corina Maiorana. In Herzform oder im Topf, mit Rosen, Nägeli, Disteln oder Hyazinthen geschmückt werden alle Gestecke von Hand gemacht. Der Kunststoff wird erst mit Grünzeug und dann mit Blumen geschmückt. Meist arbeiten die Floristen an vier Gestecken gleichzeitig. Das Gute an Gestecken sei, dass man keine passende Vasen suchen müsse. «Gestecke kann man gleich aufstellen», sagt Baumeler.

Rund 100 Gestecke oder Blumensträusse liefert der Chauffeur am Valentinstag aus. Doch die Mehrheit der Kunden käme direkt in den Laden, um den Strauss oder das Gesteck auszusuchen. Dabei liessen sie sich meist von den Floristen beraten. Die rote Rose sei der Klassiker, weiss Baumeler. Dennoch seien auch andere Blumen sehr beliebt. Denn jeder habe einen eigenen Geschmack.

«Früher haben wir in der Innenstadt Anemonen verteilt», erinnert sich Heini Baumeler. Zu Fuss oder auf einer Kutsche gab der damalige Lehrling den Passanten eine Blume.

Heute werde viel intensives Marketing betrieben. Alle Geschäfte versuchten, etwas an diesem Tag zu verkaufen, sei es eine Unterwäsche oder eine Schokolade.