«Hingucker» Teil 15
Am Schüttstein im Mathyse-Hus

Baselbieter Museen stellen sich mit einem Lieblingsstück vor. Diese Woche: das Dorfmuseum Bottmingen.

Hanspeter Schilling*
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Wie viel Geschirr im Laufe der Zeit wohl auf diesem Schüttstein in die Brüche gegangen sein mag?

Wie viel Geschirr im Laufe der Zeit wohl auf diesem Schüttstein in die Brüche gegangen sein mag?

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Sein Name ist immer noch gebräuchlich, nur meinen wir heute damit ein Chromstahlbecken: der Schüttstein. Das hier abgebildete Exemplar steht in der Küche des Mathyse-Huses an der Therwilerstrasse 18 in Bottmingen. Es ist kein spektakuläres oder wertvolles Sammelstück, aber es hat viel erlebt, und es lohnt sich, genau hinzugucken.

Seit über 300 Jahren steht der Schüttstein am gleichen Platz in der kleinen Küche und könnte vieles erzählen, was er im Laufe der Zeit gehört und erlebt hat. Wie viel Geschirr mag auf ihm in Brüche gegangen sein! Das Mathyse-Hus bekam seinen Namen durch Matthias Schweighauser-Haury, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit seiner Familie den Bauernbetrieb führte. Nach ihm übernahmen Matthias Schweighauser-Jundt, einer seiner Söhne, und danach dessen Sohn Johann den Hof.

Dieser Johann betrieb die Landwirtschaft bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Erst während seiner Zeit wurden die Zu- und Abwasserleitungen gelegt und der Schüttstein bekam einen Wasserhahn aus Messing. Für den Anschluss an die Kanalisation bohrte man einen Abfluss durch den Kalkstein, in den eine gelochte Scheibe eingepasst wurde. Aus dieser Zeit dürften auch die glasierten Wandplättli stammen.

Wasser vom «Schiff»

Bis ins 20. Jahrhundert mussten Generationen von Bäuerinnen das Wasser vom Dorfbrunnen holen. Dieses wurde im «Schiff», dem rechteckigen Kupferbecken im Herd, ebenso erwärmt wie die «Kunst», der kleine Kachelofen in der Stube nebenan. Geheizt wurde mit Wellen («Bürdeli»), die aus Ästen zusammengebunden wurden. So stand, speziell im Winter, den ganzen Tag heisses Wasser zur Verfügung.

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Nach den Mahlzeiten wurde dieses aus dem Schiff in ein Holzgefäss, den Zuber, geschöpft. Auf dem Schüttstein fügte die Hausfrau etwas Milch hinzu. Dies half, die fettigen Speisereste zu lösen. Mit dem Bürsteli wurde dann das schmutzige Geschirr gereinigt. Dieses Spülwasser enthielt nur voll verwertbare Speisereste und wurde an die Schweine verfüttert. Es lief also nur wenig und unbelastetes Spülwasser durch den Ablauf ins Freie. Die sparsame Verwendung der Ressourcen führte so zu einer ökologischen Arbeitsweise.

Das typische Sundgauer-Haus wurde 1682 erstellt. Es besteht im Erdgeschoss aus gemauerten Bruchsteinen, die durch Eckquader zusammengehalten werden. Es ist nicht unterkellert, weil die Wasserläufe auf den lehmigen Schichten des Tals («Leimen»-Tal!) keinen trockenen Raum zugelassen hätten. Der Vorratsraum befindet sich daher nur eine Treppenstufe tiefer als die Küche. In ihm sind Geräte für den Rebbau und das Brennen von Schnaps zu besichtigen. Der erste Stock mit den Schlafzimmern wurde in Riegelbauweise erstellt.

Das sehr heruntergekommene und vom Abriss bedrohte Bauernhaus konnte in den 1970er-Jahren durch eine Stiftung gerettet und in mühevoller Fronarbeit restauriert werden. Seit 1984 beherbergt es einen Teil des Dorfmuseums. Wegen der häufig wechselnden Schutzkonzepte können momentan keine fixen Öffnungszeiten angegeben werden. Führungen für Schulklassen und kleinere private Gruppen sind aber weiterhin möglich. Reservationen unter Tel. 079 734 73 20 oder auf der Website www.dorfmuseumbottmingen.ch.

*Diese Reihe entsteht in Zusammenarbeit mit dem Museumsverbund Baselland. Der Autor ist im Stiftungsrat des Dorfmuseums. Weitere spannende Museumsobjekte finden Sie im Kulturgüterportal www.kimweb.ch.

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