«Hingucker» Teil 19
Augen auf: Der Luchs ist zurück

Baselbieter Museen stellen sich mit einem Lieblingsstück vor. Diese Woche: Das Museum.BL.

Marc Limat*
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Dieser junge Luchs aus dem Bestand des Museum.BL wurde 2004 in Muttenz überfahren.

Dieser junge Luchs aus dem Bestand des Museum.BL wurde 2004 in Muttenz überfahren.

Andreas Zimmermann / Museum.BL

Was heute mit der Rückkehr des Wolfes eine Sensation ist (die bz berichtete), war 2004 mit dem Luchs schon ein grosses Ereignis: Lange verschollen geglaubte Tiere kehren zurück ins Baselbiet.

Ein junger männlicher Eurasischer Luchs (Lynx lynx) wurde am 6. November 2004 auf der H18 bei Muttenz tragischerweise überfahren. Er ist im Artenkabinett in der Ausstellung «Wildes Baselbiet» im Museum.BL zu sehen. Als erster Nachweis eines Luchses im Kanton Basel-Landschaft seit langer Zeit ist dieser Fund besonders bedeutend. Denn diese grösste Raubkatze Europas wurde in der Schweiz Ende des 19. Jahrhunderts vom Menschen ausgerottet.

Schuld daran war nebst der Jagd auch ein drastischer Rückgang von Wald- und Beutetieren. Als die Waldfläche wieder zunahm und damit auch der Bestand an Rehen und Gämsen, entschied sich der Bundesrat für eine Wiederansiedlung des Luchses. So wurden 1971 im Kanton Obwalden erstmals einige Paare aus den slowakischen Karpaten freigelassen. Seither erobern sich die Luchse ihre Wälder zurück.

Man geht davon aus, dass derzeit rund 170 Luchse in der Schweiz vorkommen, davon ungefähr 60 allein im Juragebiet. Im Baselbiet leben zurzeit möglicherweise bis zu sieben dieser sehr scheuen Tiere. Aktuelle Beobachtungsmeldungen und Beweisbilder aus Fotofallen stammen vor allem aus den Gebieten rund um Eptingen, Blauen und Passwang. Die Rückkehr von Säugetieren ist ein Phänomen, das sich in ganz Europa beobachten lässt. Luchs und Wolf, aber auch Biber, Wasserspitzmaus und Huftiere erobern ihre ursprünglichen Lebensräume zurück.

Zu neuem Leben erweckt

Das Museum.BL als kantonale Institution sammelt heute nebst kulturhistorischen Objekten im Bereich Naturkunde wissenschaftlich wichtige Belege aus der Region, die unsere Tier- und Pflanzenwelt dokumentieren. Insgesamt befinden sich über zwei Millionen Originale in seinen vielfältigen Sammlungen. Diese umfassen die Sparten Archäologie, Naturkunde, Alltagskultur, Textilien, Kunst und Fotografie. Museen halten fest, was in wenigen Jahren vielleicht schon verschwunden ist oder sich in unserer Landschaft kontinuierlich verändert. Sammlungen spielen beispielsweise bei der Erforschung der Biodiversität oder des Klimas eine wichtige Rolle.

Der Luchs von Muttenz ist ein äusserst aussagekräftiges Originalpräparat unserer kantonalen Sammlungen. Er bezeugt, dass Luchse wieder im Baselbiet leben. Ein Tierpräparator hat ihn nach gründlicher Untersuchung sorgfältig zu «neuem Leben erweckt». Jetzt ist er in der Ausstellung «Wildes Baselbiet» in Liestal zu bestaunen, dort wo es blüht, wächst, krabbelt und fliegt.

Die Natur ist überall, und wir Menschen sind mittendrin. Wer genau hinschaut, entdeckt verborgene Naturschätze direkt vor der eigenen Haustür. Während Millionen von Jahren hat sich das Leben auf der Erde zu der Vielfalt entwickelt, die wir heute kennen. Diese Vielfalt begegnet uns täglich und wird sich weiter verändern, denn das wichtigste Merkmal des Lebens ist der Wandel. Und das Baselbiet ist wilder, als man denkt.

*Diese Reihe entsteht in Zusammenarbeit mit dem Museumsverbund Baselland. Der Autor ist Direktor des Museum.BL. Weitere spannende Museumsobjekte finden Sie im Kulturgüterportal www.kimweb.ch.

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