IBA Basel 2020
Die verweigerte Einsicht, gescheitert zu sein

Das Millionen-Projekt einer internationale Bauausstellung wird nach zehn Jahren abgeschlossen. Der Wahrnehmung der Verantwortlichen, die IBA Basel 2020 sei ein Erfolg gewesen, ist schlecht nachvollziehbar.

Christian Mensch
Christian Mensch
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Was von der IBA Basel 2020 in der Stadt sichtbar wurde: Die Rheinterrassen.

Was von der IBA Basel 2020 in der Stadt sichtbar wurde: Die Rheinterrassen.

Kenneth Nars

Mit einer Ausstellung und einer Tagung wird die IBA Basel 2020 zu Grabe getragen. Das Fazit ist verheerend: «Nach dem offenen Lernprozess der letzten zehn Jahre ist es Zeit, eine gemeinsame regionale Strategie rund um wichtige Zukunftsthemen zu entwickeln, dabei Ziele zu benennen, diese zu operationalisieren und mit konkreten Budgets zu hinterlegen.» Zu dieser Schlussfolgerung ist eine wissenschaftliche Wirkungsanalyse der IBA Basel 2020 gekommen. Dabei hätten doch diese zehn Jahre und rund zwölf Millionen Franken reichen müssen, um genau dies zu leisten: Die Entwicklung einer regionalen Strategie, um die wichtigen Zukunftsthemen zu entwickeln, mit einer klaren Benennung der Ziele sowie präzisen Vorstellungen zu Umsetzung.

Sicher, unter der Ansage einer Internationalen Bauausstellung (IBA) wurden in der Region Erwartungen geschürt, die von Anfang an nicht auf dem Programm standen. Die konkrete Projektierung und Planung eines ganzen Stadtquartiers wie etwa in Berlin oder anderen deutschen Städten, die sich bereits einem IBA-Projekt verschrieben hatten, war nie das Ziel. Der experimentelle Charakter der IBA Basel, dafür grenzüberschreitend Projekte auszuloten, was zweisprachig und dreiländrig möglich ist, hatte nicht nur Charme, sondern entspricht durchaus den Anforderungen der Region.

Eine Veranstaltung von Planern für Planer zur Planung von Plänen

Wer sich allerdings auf eine unsichere Reise begibt, sollte sich regelmässig vergewissern, ob die Route stimmt. Vor allem wenn eine solche Reise mit öffentlichen Mitteln bestritten wird. Doch darum hat sich die IBA Basel foutiert; sie wurde zur selbstreferenziellen Veranstaltung von Planern für Planer zur Planung von Plänen. Beziehungsweise: von Verwaltern für Verwalter zur Verwaltung von Verwaltung. Oder in den eigenen Worten: «zum offenen Lernprozess.»

Die zitierte Wirkungsanalyse, die zum Abschluss der Übung in Auftrag gegeben wurde, legt diese Schwäche nicht offen, sondern erklärt die Not zur Tugend. Was in zehn Jahren nicht erreicht wurde, wird als Aufgabe in die Zukunft verschoben. Und um die Wirkung zu analysieren, wurde keine breite Befragung lanciert, sondern lediglich solche mit einem Fragebogen beschickt, die ohnehin in das Projekt involviert waren. Dass diese zum Abschluss nicht jenen in die Suppe spucken, die ihnen in den vergangenen Jahren zahlreiche Apéros ermöglicht haben, versteht sich von selbst.

Die Komplexität als Erklärung und Entschuldigung

Die Verantwortlichen machen es sich zu einfach, wenn sie die zaghaften Entwicklungsfortschritte mit der Komplexität verklären. Weshalb sollte grenzüberschreitende Verwaltung plötzlich reibungslos funktionieren, wenn zuweilen schon Kantonsgrenzen als unüberwindbare Hürden taugen? Die Schwierigkeiten, die Verwaltungen von Südbaden, des Elsass und der Nordwestschweiz an einem Strang ziehen zu lassen, sind seit Jahrzehnten bekannt. Gefragt gewesen wären konkrete Strategien, wie dennoch Kooperation funktionieren kann. Kleine überschaubare und damit realisierbare Projekte, mit denen die Schnittstellenproblematik exemplarisch hätte durchexerziert werden können. Blaupausen für weitere Ideen. Daran gemessen, ist der Leistungsausweis äusserst bescheiden. Hier eine kleine Rheinbelebung, da gleichbeschriftete Bahnhöfe, dort die Vision eines Landschaftsparks, um jene Projekte zu benennen, die tatsächlich etwas mit der IBA zu tun haben.

Scheitern ist erlaubt

Das Scheitern des Projekts IBA Basel 2020 ist zwar bedauerlich, wäre aber nicht weiter tragisch. Das Scheitern gehört zum Versuchen und der Einsatz von zwölf Millionen Franken ist verkraftbar. Richtig ärgerlich ist jedoch, dass solches nicht eingeräumt wird. Stattdessen durfte die IBA-Geschäftsführung in den wissenschaftlichen Bericht diktieren, welch tollen Job sie gemacht habe. Dass vielleicht in einigen Jahrzehnten sich doch noch realisiere, was dannzumal als späte Frucht der IBA könnte zugerechnet werden. Dass die IBA «als Sensibilisierungskampagne einen kulturellen Wandel in der trinationalen Region» angestossen habe. Eine Behauptung ohne Beleg.

Weit näher am Problem ist eine andere Folgerung, wenn auch diese verniedlicht umschrieben ist. Nämlich, «dass die Notwendigkeit besteht, die Rollen und Aufgaben der bestehenden trinationalen Organisationen neu zu justieren». Es wäre nett, wenn dies – ganz ohne Zusatzkosten – einfach gemacht würde.