Seltisberg

Nach seiner Abwahl spricht der Gemeindepräsident: «Ich bin enttäuscht, nicht wütend»

Bernhard Zollinger, Abgewählter Gemeindepräsident von Seltisberg

«Ich bin den falschen Leuten zu nahe gekommen.»

Bernhard Zollinger, Abgewählter Gemeindepräsident von Seltisberg

Bernhard Zollinger war seit acht Jahren Gemeindepräsident von Seltisberg, in der Nähe von Liestal. Über seine überdeutliche Abwahl war er selber überrascht.

Es war eine lokalpolitische Sensation: Bernhard Zollinger, seit Mitte 2012 Gemeindepräsident von Seltisberg, hat bei der Gesamterneuerungswahl am vergangenen Sonntag das schlechteste Resultat der Kandidierenden eingefahren und wurde somit aus dem Gemeinderat abgewählt zu Gunsten der neu angetretenen Dörte Bassi.

Herr Zollinger, wie erklären Sie sich Ihre deutliche Abwahl?

Bernhard Zollinger: Ich war selber vom Resultat überrascht. Andererseits kann ich mir schon vorstellen, was hier abgelaufen ist; da haben wohl Dorfintrigen mitgespielt. Wenn man den falschen Leuten zu nahe kommt, erhält man irgendwann die Quittung.

Wem sind Sie denn zu nahe getreten?

Na ja, der Gemeinderat hat Zwist mit dem Bürgerrat. Die haben sich Sachen erlaubt, die für mich nicht gingen. Zum Teil sind es alte Geschichten, auf die ich nicht weiter eingehen will. Wir haben den Riegel geschoben, und das ist bei denen nicht so gut angekommen.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Die Bürgergemeinde und die Einwohnergemeinde hatten noch bis vor zwei, drei Jahren eine gemeinsame Verwaltung. Dabei haben wir festgestellt, dass der letzte Gemeindeverwalter viele Dinge gratis für den Bürgerrat machte. Die Geschäftsprüfungskommission hat ihrerseits auch verlangt, dass wir beide Gemeinden ordentlich trennen. Das haben wir gemacht. Der Bürgerrat musste aus unseren Räumlichkeiten ausziehen.

Das hat dem Bürgerrat wohl nicht gepasst.

Natürlich nicht. Plötzlich mussten sie viele Sachen selber erledigen. Das war sicher ein Grund, weshalb ich jetzt an der Urne bestraft wurde. Es kann aber auch sein, dass der Knatsch um die Jagdpacht mit den Jagdgesellschaften mitgespielt hat: 2017 hatten sich nämlich drei Jagdgesellschaften für die Jagdpacht beworben. Wir haben die Alteingesessenen aus diversen Gründen nicht mehr berücksichtigt und sie haben sich beim Kanton beschwert. Letzterer hat uns aber recht gegeben.

Machen Sie sich auch persönlich für Ihre Abwahl Vorwürfe?

Ich würde alles genau gleich machen. Es gibt kein Grund, weshalb ich anders denken sollte.

Wie sieht die Zukunft für Sie aus?

Ich werde alles sauber meinem Nachfolger oder meiner Nachfolgerin abgeben. Dann werde ich meine Freizeit mit der Familie und im Verein geniessen. Mal schauen, was auf mich zukommt.

Hegen Sie keine Bitterkeit oder Wut?

Nein, wütend bin ich nicht. Enttäuscht aber schon. Ich bedaure, dass die Einwohner diese Geschichten mehr gewichtet haben als das, was der Gemeinderat geleistet hat. Aber das ist Lokalpolitik, damit muss man leben: Es ist zwar sehr schön, weil wir so nahe bei den Leuten sind, aber es kann auch sehr undankbar sein.

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