Missstände Globe Air
«Ihr müsst kündigen, sofort!»: Strafrechtsexperte Markus Mohler warnte rechtzeitig vor der Globe Air

Der frühere Basler Polizeikommandant Markus Mohler arbeitete als Student auf dem Flughafen. Auf seine Intervention hin kündigte der Schweizerische Studentenreisedienst die Zusammenarbeit mit der Airline. Ein Jahr darauf kams zum Absturz.

Benjamin Wieland
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Schlagzeilen nach dem Globe-Air-Absturz 1967: Der Absturz war bis dahin der schwerste in der Geschichte der Schweizer Luftfahrt.

Schlagzeilen nach dem Globe-Air-Absturz 1967: Der Absturz war bis dahin der schwerste in der Geschichte der Schweizer Luftfahrt.

Benjamin Wieland

Der Beitrag über den früheren Piloten Felix Winterstein als Informant über die Missstände bei der Globe Air hat zahlreiche Reaktionen hervorgerufen. Winterstein gab 1966 Informationen über Sicherheitsmängel bei der Basler Airline an Helmut Hubacher weiter, der spätere SP-Nationalrat arbeitete damals auch als Journalist. Wenige Monate nach den Treffen stürzte eine Maschine der Globe Air auf Zypern ab.

Markus Mohler, 79, hatte auch seine Erfahrungen mit der Chartergesellschaft gemacht, wie der Strafrechtsexperte und frühere Kommandant der Basler Kantonspolizei der bz erzählt. Er habe als Student 1964 beim Schweizerischen Studentenreisedienst (SSR) angeheuert. Aufgabe: Passagiere abfertigen. Was Mohler in «Blotze», wie man den Basler Flugplatz damals nannte, sah, habe ihn dazu bewogen, den SSR aufzufordern, nicht mehr mit Globe Air zusammenzuarbeiten.

Bei einer gelandeten Maschine bemerkte Mohler, dass nur die Hälfte der Propeller in Betrieb waren. «Ich fragte den Piloten nach dem Grund. Seine Antwort entsetzte mich.»

Globe-Air-Kadermann drohte, Mohler zu verklagen

Schon beim Steigflug sei eines der vier Triebwerke ausgefallen, habe der Kapitän erzählt. Doch die Globe-Air-Flugleitung habe ihm untersagt, wieder zu landen – ein Stopp käme zu teuer, er solle halt langsamer fliegen. Um den Schubverlust auszugleichen, musste an der anderen Tragfläche ebenfalls ein Motor gedrosselt werden. «Mit nur zwei Turbinen flog die vollbesetzte Maschine nach Basel», erinnert sich Mohler. «Der Pilot hatte eine Riesenwut.»

Einmal sei ein zu spät eingetroffener Fluggast in ein Flugzeug eingelassen worden, obwohl es vollbesetzt und startbereit war. «Ich weigerte mich, den Passagier einzuchecken», sagt Mohler. Ein Globe-Air-Verantwortlicher ordnete an, 80 Liter Flugbenzin abzusaugen, als Gewichtskompensation, und checkte den Verspäteten selber ein. «Kurz darauf fuhr ein Tankfahrzeug zum Flieger und saugte tatsächlich Kerosin ab.» Dem Globe-Air-Angestellten habe er vorgehalten, sagt Mohler, es stürze einmal eine Maschine ab, wenn sie so weitermachen würden. Die Antwort sei gewesen: Wenn er das nochmals sage, werde er wegen Verleumdung eingeklagt. «Ich wiederholte meine Worte und forderte den Globe-Air-Mann auf, mich zu verklagen.»

Keine Flugangst, aber spezielle Aufmerksamkeit

Das geschah nicht. Doch Mohler hatte genug gesehen. «Ich habe den SSR-Chef angerufen, ihm gesagt: ‹Die fliegen mit der Hälfte der Motoren rum. Sie überladen ihre Flieger. Da fällt bald einer vom Himmel. Ihr müsst kündigen, sofort!›» Das habe der SSR auf das nächstmögliche Datum hin gemacht. Im Jahr darauf stürzte eine «Bristol Britannia» der Globe Air bei Nikosia ab. 126 Menschen starben – auch der Kadermann, der Mohler mit Klage gedroht hatte.

«Der Pilot hatte eine Riesenwut»: Markus Mohler.

«Der Pilot hatte eine Riesenwut»: Markus Mohler.

Zur Verfügung gestellt

Mohler hatte wieder mit der Luftfahrt zu tun. 2002 ernannte ihn der damalige Bundesrat Moritz Leuenberger zum Sicherheitsdelegierten für den zivilen Luftverkehr des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK).

Flugangst habe er keine, sagt Mohler. «Aber ich habe eine spezielle Aufmerksamkeit entwickelt.» 1970, bei einem USA-Flug, sei das Flugzeug zurückgekehrt, wegen Triebwerksproblemen. «Im Flugzeug hat das kaum jemand realisiert», sagt Mohler. Er jedoch habe, als die Durchsage gekommen sei, längst geahnt, was los war.